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FT Schweinfurt zerlegt den FC Marzahn - Leech trifft doppelt, Deschanel tanzt

Wenn man an einem lauen Frühlingsabend in Berlin-Marzahn Fußball gucken geht, rechnet man mit vielem: Grillwurst, Dosenbier, vielleicht einem beherzten Kampf. Nur nicht damit, dass der Gegner aus Schweinfurt nach 45 Minuten schon alle Fragen beantwortet hat. 0:3 stand es zur Pause, 0:3 blieb es bis zum Ende. Und das war für den FC Marzahn noch schmeichelhaft.

Vor 24.681 Zuschauern schien die Partie von Beginn an einseitig. Schon in der 6. Minute donnerte der 18-jährige Reece Leech - ja, gerade einmal volljährig - den Ball unter die Latte. Marzahn-Torwart Lucas Meiser sah die Kugel wohl erst, als sie schon wieder herausprallte. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", murmelte Trainer Frank Henning später, halb lachend, halb verzweifelt.

Es folgten 15 Minuten, in denen Marzahn eher wie eine Schülermannschaft wirkte, die aus Versehen in die 2. Liga geraten war. Schweinfurt spielte ruhig, fast gelangweilt, kombinierte mit 65 Prozent Ballbesitz quer durch die Linien. Stefan Riedel und Helmut Jürgens zogen auf den Flügeln die Fäden, und in der 21. Minute stand wieder Leech goldrichtig: Abstauber zum 0:2. FT-Trainer Kevin Ferry grinste an der Seitenlinie und klatschte in aller Ruhe mit seinem Assistenten ab - als wüsste er längst, dass der Abend ein Spaziergang wird.

Drei Minuten später dann der schönste Moment des Spiels: Noah Winfield legte elegant nach rechts, Laurent Deschanel, gerade 19 Jahre alt, nahm den Ball mit der Brust, ließ Bisson ins Leere rutschen und schlenzte aus zwölf Metern zum 0:3. Man hörte förmlich, wie bei den Marzahner Fans die Hoffnung plötzlich in ihr Bierglas fiel.

"Nach dem dritten Tor haben wir uns gesagt: Jetzt bloß keine Blamage", erklärte Kapitän Eric Bisson, der in der 36. Minute auch noch Gelb sah, als er Deschanel rustikal stoppte. "Aber ehrlich: Gegen die Jungs konntest du heute kaum was machen."

Henning reagierte in der Halbzeit mit einem verzweifelten Versuch: Er brachte den 17-jährigen Marco Hofmann für Peter Mann. Doch auch mit jugendlichem Elan änderte sich wenig. Schweinfurt ließ den Ball laufen, kontrollierte das Tempo - und spielte, als hätte man den Schongang dauerhaft eingelegt. Nur hin und wieder sorgte Leech noch für Schreckmomente, etwa in der 79. Minute, als sein Schuss knapp vorbeistrich.

Marzahn kam immerhin zu fünf Torschüssen - die meisten davon harmlos. Charles McGee prüfte Schweinfurt-Keeper Veselin Krstajic einmal ernsthaft in der 65. Minute, doch der 18-Jährige parierte cool. "Ich hab’ den einfach festgehalten - Ball wie Baby", witzelte Krstajic danach mit breitem Grinsen.

Während Schweinfurt weiter souverän kombinierte, versuchte Marzahn mit wechselndem Personal das Unvermeidliche zu kaschieren. Moritz wich für Zewlakow, später kam Rupp für Gruber. Viel brachte es nicht. "Wir wollten offensiv bleiben, aber irgendwann fehlte der Glaube", gab Henning zu.

Ganz anders die Stimmung bei den Unterfranken. Trainer Ferry lobte seine Youngster: "Reece und Laurent - das war heute ein Gedicht. Wenn die so weitermachen, können sie bald Gedichte über uns schreiben." Ein Satz, der wohl noch in Schweinfurt zitiert werden wird.

Statistisch war das Ganze so eindeutig, wie das Ergebnis vermuten lässt: 14 Torschüsse für FT, 5 für Marzahn. Ballbesitz 64 zu 36 Prozent. Zweikampfquote 55 zu 45. Und wer die Körpersprache sah, wusste: Hier spielte eine Mannschaft, die an sich glaubt - und eine, die sich selbst sucht.

Immerhin: In der Schlussphase versuchten die Berliner, das Publikum noch einmal mit Einsatz zu versöhnen. Berryer zog in der 86. Minute aus 18 Metern ab, Krstajic lenkte den Ball an die Latte. "Da dachte ich kurz, wir hätten uns das Ehrentor verdient", sagte Henning. "Aber dann fiel mir ein, dass wir nichts verdient haben, was mit Toren zu tun hat."

So endete der Abend so still, wie er begonnen hatte - nur dass Schweinfurt jetzt mit breiter Brust nach Hause fährt und Marzahn in der Kabine wohl vor allem Schweigen übte.

Oder, wie es ein älterer Fan beim Verlassen des Stadions formulierte: "Wenigstens war das Bier kalt."

Und in Marzahn weiß man nun: Gegen diese jungen Wilden aus Schweinfurt hilft kein Taktikbrett, kein Motivationsspruch - vielleicht nur Geduld. Aber Punkte bringt das keine.

26.08.643996 05:50
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Sprücheklopfer
Das habe ich ihm dann auch verbal gesagt.
Mario Basler
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