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Fuhlenbrock fegt Ludwigshafen mit 6:0 vom Platz

Es gibt Spiele, die in den Geschichtsbüchern landen - und es gibt solche, bei denen man sich fragt, ob der Gegner überhaupt erschienen ist. Das 6:0 des SV Fuhlenbrock gegen Ludwigshafen am 17. Spieltag der 1. Liga gehört eindeutig zu beiden Kategorien. 39.100 Zuschauer erlebten am Freitagabend ein Fußballfest, das mit jedem weiteren Treffer mehr nach einem Betriebsausflug für die Hausherren aussah.

Schon in der Anfangsphase war klar, dass Fuhlenbrock nicht zum Tee eingeladen hatte. Die ersten Torschüsse von Nuno Fernandes (9.) und Rhys Hennessy (15., 24.) waren noch freundliche Vorankündigungen. Nach 29 Minuten wurde es dann ernst: Hennessy nahm einen Abpraller auf, schaute kurz zum Himmel und drosch den Ball unhaltbar in den Winkel - 1:0. "Ich dachte ehrlich, der Keeper hebt gleich ab", grinste der Flügelstürmer später, "aber er blieb unten - und der Ball oben."

Ludwigshafen versuchte zu reagieren, aber das Wort "versuchte" beschreibt die Lage schon fast zu schmeichelhaft. Zwei kümmerliche Schüsse auf das Tor von Garritt Van Antwerp standen am Ende zu Buche - und der durfte sich zwischendurch vermutlich fragen, ob er noch in einem Fußballspiel oder schon in einem Torwartseminar für Zuschauer saß. "Ich hab ein bisschen gefroren", gab der Keeper lachend zu, "aber die Jungs vorne haben mich wachgehalten - mit Jubel."

Kurz nach Wiederanpfiff schlug es erneut ein: Dusan Pivaljevic, der 23-jährige Dauerläufer auf der rechten Seite, zog einfach mal ab - 2:0 (46.). Trainer Mike Lowrey sprang in seiner Coachingzone auf und brüllte: "Genau so! Keine Wissenschaft draus machen, einfach treffen!" Seine Mannschaft nahm ihn wörtlich.

Carlos Caneira erhöhte in der 54. Minute nach Vorlage von Pivaljevic auf 3:0. Danach kippte das Spiel endgültig in Richtung Demontage. Ludwigshafens Thomas Scharboneau hatte offenbar beschlossen, wenigstens durch Einsatzbereitschaft aufzufallen - leider im falschen Moment. Erst Gelb (59.), dann Gelb-Rot (72.). "Ich wollte nur zeigen, dass ich noch da bin", murmelte der Verteidiger nach dem Spiel, während Trainer Frank Seil mit verschränkten Armen in die Kabine stapfte.

Fuhlenbrock ließ sich nicht lange bitten. Hennessy, längst in Galaform, traf erneut (78.) nach Zuspiel von Charles Armstrong und setzte später in der 87. Minute noch einen drauf - diesmal nach Vorarbeit von Haim Eban. Als Krönung durfte Armstrong selbst in der 96. Minute ran und machte das halbe Dutzend voll, assistiert von Nuno Fernandes.

"Das war heute eine Vorstellung, wie man sie sich als Trainer nur wünschen kann", schwärmte Lowrey. "Offensiv druckvoll, defensiv wach, und am Ende sogar noch torhungrig. Ich hab ihnen gesagt: Wenn ihr Spaß habt, hat das Publikum Spaß - und das hat funktioniert."

Die Zahlen untermauern das Spektakel: 16 Torschüsse für Fuhlenbrock, ganze zwei für Ludwigshafen. 57 Prozent Ballbesitz, eine Zweikampfquote von knapp 59 Prozent - und sechs Tore, die jede Statistik glänzen lassen.

In Ludwigshafen hingegen war die Stimmung nach Abpfiff frostig. Trainer Seil versuchte sich in Galgenhumor: "Wir haben es geschafft, den Ball fast 43 Prozent der Zeit zu halten. Leider meistens im eigenen Drittel." Dann fügte er trocken hinzu: "Wenn du 0:6 verlierst, ist das kein Ausrutscher - das ist ein Statement. Leider das falsche."

Die Fans in Fuhlenbrock hingegen sangen sich die Kehlen heiser. Es war, als hätte die Mannschaft beschlossen, die Rückrunde schon mal mit einem Feuerwerk zu eröffnen. Hennessy wurde zum Mann des Abends gewählt - drei Tore, ein Assist, und ein Dauerlächeln, das selbst beim obligatorischen TV-Interview nicht wich: "Ich wollte einfach zeigen, dass wir mehr können als nur schön spielen. Heute war’s auch effektiv. Und ehrlich gesagt: So ein 6:0 fühlt sich ganz gut an."

Am Ende blieb die Erkenntnis: Fuhlenbrock ist mehr als nur ein sympathischer Aufsteiger mit Offensivdrang - sie sind ernstzunehmend. Ludwigshafen hingegen wird sich fragen müssen, ob die Defensive künftig mit einer Mauer aus Bauklötzen verstärkt werden sollte.

Oder, wie ein Fan beim Verlassen des Stadions murmelte: "Wenn das so weitergeht, brauchen wir bald ein zweites Tor, nur um mitzählen zu können."

Ein Abend, der in Fuhlenbrock wohl noch lange nachhallen wird - und in Ludwigshafen vermutlich Albträume verursacht.

13.12.643999 00:26
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