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Es war einer dieser Abende im prall gefüllten Beuel-Stadion, an denen 43.080 Zuschauer zwischen Euphorie, Verzweiflung und der Frage schwankten, ob Fußballgötter manchmal einfach nur Spaß an Ironie haben. Am Ende schlug der SV Fuhlenbrock den SV Beuel mit 3:2 (1:1) - und das, obwohl die Gastgeber den Ball gefühlt länger in den eigenen Reihen hielten als mancher Fan sein Bier. Von Beginn an brannte die Luft. Schon in der vierten Minute prüfte Fuhlenbrocks Mittelfeldmotor Haim Eban die Reflexe von Beuel-Keeper Herbert Dahlstrom - ein Warnschuss, der den Heimfans den ersten Schreckmoment bescherte. Doch auch Beuel zeigte früh, dass man an diesem Abend nicht zum Statisten werden wollte: Tiago Almeida und Pascal Charpentier wirbelten vorne, als hätten sie sich vorgenommen, das Tornetz persönlich zu knoten. In der 32. Minute dann der erste Stich ins Beueler Herz: Rhys Hennessy, Fuhlenbrocks pfeilschneller Rechtsaußen, verwertete eine butterweiche Flanke von Ramon Andrade zum 0:1. "Der Ball kam wie auf Schienen", grinste Hennessy später, "ich musste nur noch den Fuß hinhalten - na ja, fast." Doch Beuel antwortete prompt. Nur drei Minuten später traf Charpentier nach Vorlage von Mario Sousa zum Ausgleich. Das Stadion tobte, Sousa schrie in Richtung Trainerbank: "So spielt man Flügel, Rene!" - worauf Trainer Rene Kuhl nur trocken zurückwinkte. Mit 1:1 ging es in die Pause, und laut Augenzeugen soll in der Kabine der Gastgeber kein Plastikbecher heil geblieben sein. Kuhl forderte "mehr Mut, mehr Biss, weniger Schönspielerei". Seine Jungs hörten zu - zumindest in den ersten Minuten nach Wiederanpfiff. Aber Fuhlenbrock, von Coach Mike Lowrey gewohnt risikofreudig eingestellt, blieb gefährlich. In der 59. Minute war es Carlos Caneira, der nach feinem Zuspiel von Eban trocken ins rechte Eck traf. 2:1 für die Gäste - und Beuel plötzlich wieder am Rande des Nervenzusammenbruchs. Doch wie schon im ersten Durchgang kam die Antwort der Gastgeber postwendend: Drei Minuten später fasste sich der junge Bernt Burger ein Herz. Nach Vorarbeit von Joonas Kallio jagte er den Ball unhaltbar unter die Latte - 2:2, und das Stadion bebte. "Ich hab einfach draufgehalten", meinte Burger nach dem Spiel, "weil der Ball so schön lag - und weil Tiago schon wieder ’Schieß doch!’ gebrüllt hat." In dieser Phase schien Beuel alles im Griff zu haben: 57,5 Prozent Ballbesitz, 13 Torschüsse - exakt gleich viele wie Fuhlenbrock, aber gefühlt doppelt so viel Druck. Doch Fußball ist eben kein Statistikseminar. In der 70. Minute kam der Moment, der die Partie entschied. Wieder Hennessy, wieder eiskalt. Der Pass kam diesmal vom eingewechselten Marcel Cocis, der nach seinem ersten Ballkontakt grinste wie ein Mann, der gerade den Lotto-Jackpot geknackt hat. Hennessy vollendete zum 3:2 für Fuhlenbrock - und rannte jubelnd in Richtung Gästeblock, wo sich ein paar hundert mitgereiste Fans in Ekstase warfen. Beuel rannte an, aber ohne Fortune. Almeida scheiterte, Charpentier drosch kurz vor Schluss über das Tor, und selbst Linksverteidiger Louis Gauthier versuchte sich in der 91. Minute als Retter - vergeblich. Gelbe Karten gab’s reichlich: Anderson und Cunningham auf Beueler Seite, Hildebrandt und Eban bei den Gästen - ein Beleg dafür, dass der Abend alles andere als zimperlich verlief. "Das war kein Tanzabend, das war Arbeit", schnaufte Fuhlenbrocks Trainer Mike Lowrey nach dem Schlusspfiff. "Aber wenn man so arbeitet, darf man auch feiern." Trainer Kuhl hingegen wirkte wie ein Mann, der einen besonders bitteren Espresso serviert bekommen hat. "Wenn man so viel investiert und dann durch zwei Unachtsamkeiten verliert, ist das schwer zu schlucken", sagte er. Dann fügte er mit einem schiefen Lächeln hinzu: "Vielleicht sollten wir mal Pressing üben. Oder Glück." Die Zuschauer verabschiedeten ihre Mannschaft trotzdem mit Applaus - es war ein Spiel, das alles hatte: Tempo, Emotion, Drama und eine Prise tragische Komik. Fuhlenbrock schiebt sich mit dem Sieg in der Tabelle weiter nach oben, während Beuel trotz engagierter Leistung mit leeren Händen dasteht. Im Stadion hallte noch lange nach dem Abpfiff ein kollektives Seufzen - und irgendwo auf der Tribüne sagte ein älterer Fan zu seinem Sitznachbarn: "Schön war’s ja trotzdem." Vielleicht ist das am Ende das beste Fazit für einen Fußballabend, der alles bot - außer Gerechtigkeit. 05.01.644000 00:57 |
Sprücheklopfer
Ich hatte schon vorher das Gefühl, dass die Mannschaft noch nicht reif für die Bundesliga ist. Aber dass einige Spieler so weich in der Birne sind, hätte ich nicht gedacht.
Felix Magath nach einer 1:2-Niederlage der Frankfurter Eintracht beim Oberligisten KSV Klein-Karben