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Ein frostiger Samstagabend, 20:30 Uhr, Flutlicht in Ilmenau - und 40.794 Zuschauer, die sich fragten, ob Germania Ilmenau die turbulente Form der letzten Wochen endlich stabilisieren würde. Die Antwort: ein klares "Jein". Am Ende stand ein 2:1 gegen Eintracht Völlen - ein Sieg, der auf pure Effizienz in der ersten Halbzeit und eine ordentliche Portion Glück in der zweiten beruhte. Von Beginn an legten die Gastgeber unter Trainer Thorben Hartung los, als hätten sie sich vorgenommen, sämtliche Neujahrsvorsätze schon nach zehn Minuten umzusetzen. Bereits in der ersten Minute prüfte Sven Adler den gegnerischen Keeper mit einem satten Schuss, und kurz darauf versuchte es der 19-jährige Philippe Menard gleich doppelt. Menard, der jugendliche Wirbelwind auf der rechten Seite, war an diesem Abend kaum zu bremsen. "Ich wollte einfach Spaß haben - und vielleicht ein Tor vorbereiten", grinste er später, als hätte er damit den Spielplan selbst geschrieben. In der 18. Minute war es dann so weit: Menard flankte scharf in den Strafraum, wo Innenverteidiger Josef Janota (!) den Ball per Kopf ins Netz beförderte. Ein Abwehrspieler als Torschütze, das schmeckt jedem Trainer. Hartung kommentierte trocken: "Wir üben das heimlich. Josef glaubt, er sei Stürmer." Nur fünf Minuten später setzte sich erneut Menard auf dem Flügel durch, legte quer - und Adler schob zum 2:0 ein. Zwei Tore, beide mit Menard als Vorbereiter. "Der Junge spielt, als wäre er auf einem Skateboard unterwegs", schwärmte Hartung. Eintracht Völlen, trainiert von Dennis Hees, wirkte in der ersten Halbzeit, als hätte man die Offensive auf dem Rastplatz vergessen. Zwar hatte man mehr Ballbesitz - am Ende 56 Prozent - doch Chancen blieben Mangelware. Javier Coelho und Juanito Coelho (nicht verwandt, aber offenbar gleich schussfreudig) kamen zu einigen Versuchen, die aber mehr Richtung Tribüne als Tor gingen. "Wir haben zu schön gespielt und zu wenig getroffen", sagte Hees später und fügte hinzu: "Das eine bringt Punkte, das andere Applaus. Leider gibt’s für Applaus keine Tabelle." Nach der Pause reagierte Völlen mit gleich zwei Wechseln - Granados und Jensen kamen, und plötzlich wirkte die Eintracht wie ausgewechselt. Germania hingegen schaltete einen Gang zurück, spielte auf Ergebnisverwaltung. Oder, wie Kapitän Georg König es formulierte: "Wir wollten das Spiel kontrollieren. Leider ist das bei uns oft ein anderes Wort für ’zittern’." Ab der 60. Minute begann das große Anrennen der Gäste. Ernesto Miguel holte sich zunächst Gelb, offenbar als Erinnerung, dass er überhaupt dabei war. Dann kombinierte Völlen flüssiger, drängte Germania tief in die eigene Hälfte. In der 72. Minute fiel schließlich der Anschlusstreffer: Lewis Preston traf nach Pass von Zakhar Schitnik zum 2:1. Der Auswärtsblock tobte, und Völlen witterte Morgenluft. Hartung reagierte nervös, brachte frische Kräfte - Lucas Reimann und später Ricardo de Almeida sollten Stabilität bringen. Der Plan ging auf, zumindest teilweise. Zwar hatte Völlen durch Pudil und Licka noch zwei gute Gelegenheiten, doch Germania verteidigte mit Zähnen, Klauen und gelegentlichem Gebrüll. "Da waren wir mehr Feuerwehr als Fußballmannschaft", gab Torwart Vitorino Manu offen zu. Statistisch gesehen war das Spiel eine kleine Paradoxie: Völlen mehr Ballbesitz, Ilmenau mehr Torschüsse (11:6). Die Tackling-Quote sprach für die Gastgeber (53,7 %), was wohl auch erklärt, warum Preston nach dem Abpfiff leicht frustriert meinte: "Ich hab heute mehr Beine gespürt als Bälle." Trainer Hees nahm es mit Galgenhumor: "Wenn man in Ilmenau spielt, sollte man früh treffen - danach wird’s hier dunkel." Sein Gegenüber Hartung hingegen konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen: "Wir haben’s unnötig spannend gemacht. Aber Spannung ist ja auch ein Verkaufsschlager." Am Ende blieb es beim 2:1, einem Arbeitssieg mit Unterhaltungswert. Germania klettert damit vorerst ins obere Tabellendrittel, während Eintracht Völlen trotz passabler Leistung weiter auf den ersten Auswärtspunkt wartet. Ein älterer Fan auf der Tribüne brachte es beim Hinausgehen auf den Punkt: "Schön war’s nicht, aber gewonnen ham’se. Und dafür kommen wir ja." Ein Fazit, das sich Thorben Hartung vermutlich einrahmen wird - gleich neben der Taktiktafel, auf der wohl in großen Buchstaben steht: "Effizienz schlägt Eleganz." 11.02.643987 11:14 |
Sprücheklopfer
Der Trainer hat gesagt, wir sollen uns am Gegner festbeißen. Das habe ich versucht zu beherzigen.
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