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Es gibt Fußballabende, an denen das Herz eines Fans mehr leisten muss als die Mannschaft selbst. Der 5. Spieltag der 1. Liga Deutschland war so einer für die 41.931 Zuschauer im Ilmenauer Stadion. Germania Ilmenau bezwang den FC 1903 Wangen mit 3:2 (3:1) - und das nach einer ersten Halbzeit, die so viel Feuer bot, dass man sich fragte, ob die Pause überhaupt nötig war. Schon in der 4. Minute ging es los: Jari Vuorinen, der finnische Linksaußen mit der Präzision eines Uhrwerks, traf nach feiner Vorarbeit von Luca Erdmann. Der Ball zappelte im Netz, während Wangen-Torhüter Kamil Radomski noch versuchte, die Flugbahn zu verstehen. "Ich hab’ nur kurz geblinzelt", grinste Vuorinen später, "und da war der Ball schon drin." Doch Wangen antwortete - und wie: Pekka Kuqi, der bullige Mittelstürmer, glich in der 14. Minute aus. Nach einer butterweichen Flanke von Daniel Gama schraubte sich Kuqi in die Luft, als wolle er die Physik neu erfinden, und köpfte ein. Im Gästeblock wurde es laut, und Trainer Ready Play - ja, er heißt wirklich so - klatschte demonstrativ ruhig in die Hände. "Wir wussten, dass wir Geduld brauchen", erklärte er nach dem Spiel. "Leider hatten wir davon nur bis zur 25. Minute." Denn dann begann die Hennig-Show. Der Ilmenauer Torjäger Fynn Hennig traf in der 27. Minute nach erneuter Vorlage von Erdmann und legte in der 36. Minute mit einem wuchtigen Abschluss nach. Ben Haase hatte diesmal den Ball perfekt durchgesteckt. 3:1 - und die Germania spielte plötzlich so befreit auf, als wäre sie im Trainingslager an der Playa. "Wir wollten offensiv bleiben, auch wenn das Risiko bedeutet", sagte Trainer Thorben Hartung später mit einem verschmitzten Lächeln. Seine Mannschaft hatte zwar nur 46 Prozent Ballbesitz, aber dafür 15 Torschüsse - und eine Effizienz, die an diesem Abend Gold wert war. Nach der Pause versuchte Wangen, das Spiel zu drehen. Drei Wechsel in der Halbzeit - MacNaughton, Deco und Donahue kamen, Kuqi, Futre und Ramsay mussten weichen. Letzterer wirkte beim Abgang nicht glücklich und murmelte etwas, das sich verdächtig nach "Das war nicht der Plan" anhörte. Doch der Plan ging auf - zumindest kurz. In der 46. Minute, kaum war der Ball wieder im Spiel, traf der frisch eingewechselte Edward Donahue zum 3:2. Ein Treffer, der die Partie wieder spannend machte und Ilmenau plötzlich zittern ließ. "Ich dachte, wir hätten ihn im Griff", gestand Innenverteidiger Georg König später, "aber Donahue war plötzlich überall." Wangen drückte, hatte mit 54 Prozent den größeren Ballbesitz und kam zu zehn Abschlüssen. Doch die Abwehr der Germania - angeführt vom unerschütterlichen König und dem beherzten Janota - hielt stand. Torwart Vitorino Manu war zwar selten spektakulär, dafür umso sicherer. Es wurde hitziger: Gelb für Kaluzny (59.), Santos (73.) und Lorring (89.) bei Wangen, und kurz vor Schluss erwischte es auch Rafael Weis von Ilmenau (90.) - ein Beweis, dass die Zweikämpfe nicht mehr nach Regelbuch, sondern nach Instinkt geführt wurden. "Ich hab den Ball gespielt", verteidigte sich Weis augenzwinkernd, "nur dass der Ball halt ein bisschen… menschlich war." In der Schlussphase brachte Hartung frische Beine: Lucas Reimann ersetzte Philippe Menard (60.), Luís de Freitas kam für Jesus Korn (70.) und Karl Maus durfte für den ausgepowerten Vuorinen ran (74.). Der junge Maus hatte prompt eine Riesenchance - nur Zentimeter am Tor vorbei. "Ich wollte’s ins Eck schlenzen", sagte er später, "aber der Ball wollte lieber ins Aus." Nach 90 Minuten pfiff der Schiedsrichter ab, und die Ilmenauer Spieler fielen sich in die Arme. Es war kein glatter Sieg - aber ein ehrlicher. Einer, der nach Schweiß roch, nach Krampf und Kampf. "Das war nix für schwache Nerven", lachte Trainer Hartung auf der Pressekonferenz. "Aber meine Jungs haben’s mit Herz und Humor gemacht - und das ist manchmal wichtiger als Ballbesitz." Wangen-Coach Ready Play hingegen wirkte gefasst, fast schon philosophisch: "Wir waren defensiv eingestellt, aber offensiv bestraft. Fußball ist manchmal wie Schach - nur mit schlechteren Frisuren." So bleibt Germania Ilmenau nach fünf Spieltagen weiter oben dran, während Wangen trotz engagierter Leistung mit leeren Händen dasteht. Für die Zuschauer war’s ein Fest - für die Trainer ein Nervenkrieg. Und für alle, die Fußball lieben, ein Abend, an dem man wieder einmal merkte: Statistik schießt keine Tore, aber Geschichten schreibt sie trotzdem. 06.03.643987 12:00 |
Sprücheklopfer
Die haben Fußball-Fachmänner, die haben so viel Ahnung vom Fußball wie ich vom Breakdance.
Thomas Häßler über Borussia Dortmund