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Hamburg verspielt 2:0 - Köln feiert jugendliche Wunder

Es war eine dieser Nächte im Januar, in denen der Wind über die Elbe pfeift und der Fußball sich mal wieder als das zeigt, was er ist: ein launiger Begleiter mit Hang zum Drama. Vor 22.878 Zuschauern im Volksparkstadion trennten sich der Hamburger SC und der Effzeh Köln 3:3 - ein Ergebnis, das niemanden so richtig glücklich machte, aber allen Gesprächsstoff für den Heimweg gab.

Dabei schien alles so klar. Nach einer halben Stunde führte der HSC komfortabel mit 2:0, Köln wirkte wie eingeschneit. Herman Carlsson eröffnete in der 18. Minute den Torreigen, nachdem Alain Fouquet ihm mustergültig den Ball in den Lauf spielte. "Ich musste nur noch den Schlappen hinhalten", grinste Carlsson später. Sieben Minuten später erhöhte Joan Jorge auf 2:0 - ein wuchtiger Schuss, kurz bevor er sich verletzte und wenig später ausgewechselt werden musste. "Ich hab’s im Oberschenkel gemerkt, aber das Ding musste einfach rein", sagte er mit einem gequälten Lächeln in der Mixed Zone.

Trainer Bernd Happel war da noch bester Laune. "Wir hatten sie im Griff. Sogar der Kaffee auf der Bank war noch heiß", witzelte er. Doch in der Halbzeit muss sich etwas in der Kabine der Gäste getan haben. Kölner Coach Toni Tapolski grinste hinterher nur: "Ich hab den Jungs gesagt: Wenn ihr schon 2:0 hinten seid, könnt ihr wenigstens was riskieren. Schlimmer geht’s ja nicht." Offenbar half die Ansprache.

Denn gleich nach Wiederanpfiff schlug Köln zurück - und wie! Der 19-jährige Yannik Gorgon traf in der 46. Minute nach Vorlage von Felipe Perales. Nur zehn Minuten später legte der 17-jährige Alexander Bloomfield nach, wieder nach einem Zuspiel von Perales. Und als ob das nicht reicht, netzte der nächste Teenager, Onur Köse (19), drei Minuten später zum 3:2 für den Effzeh ein. Drei Tore in 13 Minuten - und plötzlich stand der Volkspark Kopf, allerdings vor Unglauben.

"Ich hab nur kurz geblinzelt, und auf einmal war’s 2:3", meinte Happel trocken. "Da fragt man sich, ob man im falschen Film ist." Seine Mannschaft wirkte tatsächlich wie aus dem Konzept gebracht: Ballbesitz fast ausgeglichen (49 zu 51 Prozent), aber Köln hatte plötzlich das Momentum. Und das trotz nur acht Torschüssen gegenüber 17 Hamburger Versuchen - Effizienz kann so jung sein.

Doch ganz ohne Happy End wollten sich die Hanseaten nicht verabschieden. In der 85. Minute, als viele Fans schon das Worst-Case-Szenario durchrechneten, kam Benjamin Reich, gerade 18 Jahre alt, von der Bank und drosch den Ball zum 3:3 ins Netz. Jubel, Erleichterung, fast Tränen - und eine gelbe Karte für Philippe Gagnon kurz danach, die den Abend abrundete. "Ich war einfach zu euphorisch", gestand Gagnon lachend. "Da wollte ich den Gegner ein bisschen zu fest drücken."

Köln zeigte sich nach dem Spiel mit dem Punkt zufrieden. "In Hamburg 0:2 hinten und dann so zurückzukommen - das ist fast wie ein Sieg", meinte Tapolski, der seine jungen Wilden umarmte, als hätten sie die Champions League gewonnen. Und tatsächlich: Mit Bloomfield (17), Gorgon (19) und Köse (19) trafen drei Spieler, die zusammen nicht mal so alt sind wie ihr Torwarttrainer.

Happel dagegen suchte Trost im Sarkasmus: "Wenn man 3:3 spielt, hat man immerhin nicht verloren", sagte er und verschwand mit einem Kaffee in der Hand in die Kabine. "Aber ich glaube, den Jungs erkläre ich morgen nochmal, dass ein Spiel 90 Minuten dauert."

Statistisch gesehen war Hamburg das aktivere Team - 17 Schüsse aufs Tor, 54,6 Prozent gewonnene Zweikämpfe, mehr Pressing, mehr Einsatz zum Schluss. Aber Köln hatte das, was man nicht trainieren kann: jugendlichen Übermut und die Chuzpe, auch bei 0:2 einfach weiterzumachen.

Im Nachhinein war es wohl eines jener Spiele, über die man noch lange redet: eine Achterbahnfahrt, die in der 85. Minute mit einem späten Ausgleich endete - und in der keiner so richtig wusste, ob er lachen oder fluchen sollte. "Wenn man das neutral schaut, war’s ein Riesenspiel", sagte HSC-Stürmer Fouquet. "Aber neutral war heute keiner."

Vielleicht ist das die Wahrheit über dieses 3:3: Ein Spiel, das keiner gewinnen konnte, weil beide zu viel Herz investierten, um zu verlieren. Oder, wie es ein älterer Fan auf der Tribüne formulierte, während er die Hände in die Jackentaschen steckte: "So ist Fußball halt - manchmal gewinnt der, der nicht verliert."

Und irgendwo zwischen Euphorie und Erschöpfung nickten alle, als wäre das die einzig logische Erklärung für diesen verrückten Abend im Volkspark.

03.05.643987 07:08
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Erich Ribbeck ist vom Fußball so weit weg wie die Erde vom Mars.
Werner Lorant
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