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Hamburger SC kämpft sich mit spätem Treffer in die Pokal-Zweite Runde

Es war einer dieser norddeutschen Fußballabende, an denen der Nieselregen im Flutlicht glitzert und die Bratwurst dampft - und an denen 26.400 Zuschauer sich fragen, ob das hier nun ein Geduldsspiel oder ein Pokalfight ist. Am Ende war es beides: Der Hamburger SC gewann sein Erstrundenspiel im Pokal mit 1:0 gegen den VfB Speldorf - spät, knapp und mit mehr Zittern als Glanz.

Die Statistik erzählt eine klare Geschichte: 12 Torschüsse des HSC, nur zwei der Gäste. 51 Prozent Ballbesitz für die Hausherren, also kein Sturmlauf, aber doch ein leichtes Übergewicht. Und doch dauerte es bis zur 80. Minute, ehe Philippe Gagnon das Netz endlich zappeln ließ. Der 22-jährige Linksaußen verwertete eine butterweiche Vorlage von Wladimir Gorgon, der nur sechs Minuten zuvor ins Spiel gekommen war. Der Ball schlug flach ins rechte Eck - und das Stadion atmete kollektiv aus. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Gagnon nach dem Spiel. "Zum Glück nicht drüber, sonst hätte mich Bernd (Trainer Happel) vom nächsten Training ausgeschlossen."

Trainer Bernd Happel, ein Mann mit der Ruhe eines Schachmeisters, zeigte sich erleichtert, aber nicht euphorisch: "Wir haben das Spiel kontrolliert, aber zu wenig daraus gemacht. Wenn du so viele Chancen liegen lässt, bekommst du irgendwann kalte Füße. Heute hat uns Philippe erlöst." Daneben stand er, mit leicht beschlagener Brille und einem Grinsen, das mehr Erleichterung als Freude verriet.

Dabei hatte sein junges Team früh den Ton angegeben. Schon in der 13. Minute prüfte der 18-jährige Aaron Cascarino den Speldorfer Keeper Stephan Karl - ein Schuss, den man als "freundliche Begrüßung" bezeichnen könnte. Kurz darauf versuchte es Asger Vinther, dann Vladan Mladenovic, dann wieder Vinther. Es war, als wollte jeder einmal zeigen, dass er weiß, wo das Tor steht, nur leider nicht, wie man hinein trifft.

Speldorf dagegen beschränkte sich auf das Nötigste. Ein satter Schuss von Rafael Jung in der 35. Minute - und das war’s lange Zeit. Trainer Jakob Meier hatte seine Elf defensiv eingestellt, "balanciert", wie es im Taktiksprech heißt. Übersetzt: Wir stehen hinten und hoffen auf göttliche Eingebung vorne. "Wir wussten, dass wir wenig Ballbesitz haben würden", erklärte Meier später trocken. "Aber ehrlich gesagt: 48 Prozent sind mehr, als ich erwartet hatte."

Nach der Pause wurde der HSC druckvoller. Vinther zog direkt nach Wiederanpfiff ab, Fouquet scheiterte zweimal (60. und 87.), Cascarino noch einmal, bevor er in der 73. Minute vom Brasilianer Eduardo Capucho ersetzt wurde. Happel gestikulierte unentwegt an der Seitenlinie, während ein Zuschauer hinter der Pressetribüne murmelte: "Wenn Ballbesitz Tore wäre, stünde es 8:0."

Dann kam die 80. Minute. Gagnon, bis dahin eher unauffällig, fasste sich ein Herz. Gorgon, der gerade eingewechselt worden war, spielte einen Pass, so fein wie ein Pinselstrich. Gagnon zog ab - und endlich war der Bann gebrochen. "Ich hab ihn kommen sehen, aber nicht kommen gehört", fluchte Speldorfs Torwart Karl später, "der Ball war einfach da."

Die Schlussphase wurde zum Nervenspiel. Happel brachte Innenverteidiger Kian Caviness für Joao Martins, um das 1:0 über die Zeit zu retten. Speldorf schickte alles nach vorne, was noch atmen konnte - was, ehrlicherweise, nicht viel war. Der letzte verzweifelte Versuch kam in der 91. Minute, als Gorgon selbst noch einmal abzog, diesmal aber auf der falschen Seite des Platzes: Der Ball strich knapp am Speldorfer Pfosten vorbei. Es blieb beim 1:0.

"Das war Arbeit", resümierte Happel, "aber Pokal ist Pokal. Da fragt morgen keiner mehr, wie’s aussah." Gagnon grinste daneben, noch immer leicht ungläubig: "Ich glaube, ich hab das Siegtor gar nicht richtig gefeiert. Ich war zu überrascht, dass der Ball drin war."

Und irgendwo in der Hamburger Kabine, so munkelt man, soll Happel dann doch noch gelächelt haben - ein seltenes Phänomen, das man sonst nur bei einem 3:0 oder einem geglückten Espresso erlebt.

Fazit: Der Hamburger SC steht in der zweiten Pokalrunde, Speldorf fährt mit leerem Tank und leeren Händen nach Hause. Und die Zuschauer? Die wissen nun, dass Geduld manchmal doch belohnt wird - zumindest, wenn man Philippe Gagnon heißt.

17.03.643987 23:07
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Grundsätzlich muss man sich überlegen, ob man dann weitermacht. Aber ich lasse mir da Zeit, ich denke da kurzfristig.
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