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Hamburger SC rettet wildes 3:3 gegen Jena - ein Torfestival mit Nervenflattern

Wenn Fußball ein Drama ist, dann war dieser Freitagabend im Volksparkstadion ein ziemlich gutes Stück. 29.983 Zuschauer bekamen beim 3:3 zwischen dem Hamburger SC und Jena alles geboten: ein Torfeuerwerk in der ersten halben Stunde, ein nervenaufreibendes Aufbäumen, eine Gelbe Karte mit Symbolwert und eine Schlussphase, die mehr Adrenalin als Ordnung bot.

Dabei hatte es für die Gastgeber perfekt begonnen. Schon in der 15. Minute rauschte Eduardo Capucho nach feiner Vorarbeit von Sandor Feldmann in den Strafraum und schob eiskalt ein. "Ich hab nur gedacht: endlich trifft er mal nicht die Eckfahne", grinste Trainer Bernd Happel später, halb erleichtert, halb amüsiert.

Doch wer dachte, das Spiel würde nun seinen geregelten Lauf nehmen, wurde eines Besseren belehrt. Jena brauchte genau fünf Minuten, um das Ganze auf den Kopf zu stellen. Erst traf Hermann Zimmermann (20.) nach Vorlage von Björn Berger, dann Jan Alex (23.) - wieder nach Zuspiel von Berger - und schließlich, kaum dass man sich die Augen rieb, der 18-jährige Walter Kaufmann (26.) mit einem frechen Schlenzer. Drei Tore in sechs Minuten, das ist selbst für die 2. Liga ein ordentliches Tempo.

"Wir waren kurz im kollektiven Tiefschlafmodus", bekannte Happel. "Da hätte auch ein Wecker mit Nebelhorn nichts mehr geholfen."

Doch Hamburg wäre nicht Hamburg, wenn es sich sang- und klanglos ergeben würde. Stürmer Alain Fouquet verkürzte in der 33. Minute nach Vorarbeit von Leandro Postiga auf 2:3 - und das Stadion wurde wieder laut. "Ich hab das Ding einfach reingedroschen", sagte Fouquet hinterher, "viel Gefühl war da nicht im Spiel." Ehrlichkeit, wie man sie liebt.

Nach der Pause lief die Partie dann so, wie man es von einem Team erwartet, das 21 Torschüsse abgibt: Der HSC drückte, Jena wackelte - und irgendwann fiel das logische 3:3. Joan Jorge (62.) traf nach schönem Zuspiel von Vladan Mladenovic, der an diesem Abend gefühlt überall war. "Wir wollten zeigen, dass wir Moral haben", meinte Jorge. "Und außerdem wollte ich endlich auch mal in die Schlagzeilen." Auftrag erfüllt.

Von da an war es ein wildes Hin und Her. Hamburg suchte das Siegtor mit Vehemenz - Capucho prüfte Jenas Keeper Jesus Smith gleich mehrfach (78., 85., 91.), der sich allerdings in Bestform zeigte. Jena konterte gefährlich, besonders der quirlige Kaufmann blieb ein ständiger Unruheherd. In der 66. Minute jagte er den Ball knapp über die Latte - und raufte sich die Haare wie ein Teenager, der den Anschlusszug verpasst hat.

Auch die Statistik erzählte ihre eigene Geschichte: 44 Prozent Ballbesitz für Hamburg, aber 21 Abschlüsse - gegen Jenas 7. Dazu eine Zweikampfquote von 55,6 Prozent für die Norddeutschen. Kurz: weniger Ball, mehr Biss. Bei Jena war es umgekehrt - hübscher Fußball, aber gelegentlich zu viel davon.

In der Schlussphase wurde es dann noch einmal dramatisch. Zuerst humpelte HSC-Verteidiger Tzipi Berkovic nach einem Zweikampf vom Feld (90.), dann sah Herman Carlsson Gelb, weil er den Ball mit der Leidenschaft eines Eishockeyspielers klären wollte. "Ich wollte ein Zeichen setzen", meinte er mit einem Augenzwinkern, "leider nicht für filigrane Technik."

Jenas Trainer Martin Wegner war nach dem Schlusspfiff hin- und hergerissen. "Mit einem 3:3 in Hamburg kann man leben", sagte er, "aber wenn man 3:1 führt, fühlt es sich ein bisschen an wie kalter Kaffee." Sein Gegenüber Happel dagegen war fast euphorisch: "Das war kein Punktverlust, das war eine Charakterprobe. Und meine Jungs haben bestanden."

Die Zuschauer verabschiedeten beide Teams mit Applaus - und dem ehrlichen Gefühl, ordentlich etwas fürs Eintrittsgeld bekommen zu haben. "Das war kein Spiel für Statistiker, das war eins für Herzpatienten", raunte ein älterer Herr auf der Tribüne, während er seinen Schal fester zog.

Am Ende blieb ein 3:3, das beiden Seiten half, aber niemanden wirklich glücklich machte. Doch wer an diesem Abend im Stadion war, wird sich noch eine Weile daran erinnern - nicht wegen taktischer Finessen (beide Teams spielten durchgehend offensiv), sondern wegen dieser seltenen Mischung aus Chaos, Leidenschaft und jugendlicher Unbekümmertheit.

Vielleicht war es kein perfektes Spiel. Aber es war ein ehrliches. Und ehrlich gesagt: Das macht im Fußball oft den Unterschied.

19.09.643987 04:30
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Rehhagel geht mit Goethe ins Bett, ich mit meiner Frau.
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