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Ein kalter Montagabend, Flutlicht, 23.626 frierende, aber laute Kehlen im Volkspark: Und sie bekamen, was sie wollten - ein Spiel, das weniger nach Zweitliga-Mittelfeld klang, sondern nach Pokaldramatik. Am Ende jubelte der Hamburger SC über ein 2:1 gegen Hansa Rostock - dank zwei Treffern, die ausgerechnet von den Jüngsten kamen. In der 31. Minute schien die Logik des Fußballs kurz Urlaub zu machen: Linksverteidiger Julian Bischoff, 22 Jahre alt und sonst eher für rustikale Grätschen bekannt, hielt nach einer abgefälschten Flanke einfach mal drauf - und traf. "Ich dachte eigentlich, der Ball geht Richtung Elbtunnel", grinste Bischoff später, als er mit einer Wärmedecke um die Schultern in der Mixed Zone stand. Sein Trainer Bernd Happel kommentierte trocken: "Manchmal hilft’s, wenn man nicht zu viel nachdenkt." Bis dahin hatte Hansa Rostock das Spiel eigentlich im Griff. 57 Prozent Ballbesitz, das sah nach Dominanz aus - wenn man übersah, dass daraus wenig Verwertbares entstand. Ein paar harmlose Abschlüsse von Groat und Verbeck, ein verzweifelter Weitschuss von Owen Ireland - und ein Publikum, das sich eher über die Stadionmusik amüsierte als über das Spielgeschehen. "Wir hatten die Kontrolle, aber vergessen, dass man fürs Gewinnen Tore braucht", sagte Rostocks Trainer Marko Maniurka mit einem ironischen Schulterzucken. Nach der Pause kam Hansa mit Wut und Wind zurück. Und tatsächlich: In der 52. Minute war es soweit. Torvald Koch, der flinke Linksaußen, schlich sich in den Rücken der Hamburger Abwehr und drückte eine Vorlage von Kacper Willimowski über die Linie. 1:1 - der Auswärtsblock tobte, und plötzlich roch das Spiel nach Wende. Doch während Rostock drückte, schlug Hamburg zurück. Der junge Däne Asger Vinther, 21, tänzelte über die rechte Seite wie ein Eisläufer mit Wut im Bauch, flankte in Minute 68 scharf nach innen, wo Benjamin Reich, gerade einmal 18, den Ball humorlos in die Maschen drosch. "Ich hab gar nicht gesehen, dass er kommt", meinte Reich später lachend. "Ich dachte, Asger wollte flanken - oder vielleicht schießen. Egal, Hauptsache drin." Das 2:1 war ein Wirkungstreffer. Rostock rannte, kombinierte, dribbelte - aber der Hamburger SC verteidigte mit einem Hauch Verzweiflung und viel Herz. 11:9 Torschüsse, eine fast ausgeglichene Zweikampfquote, und ein Torwart Marco Ruiz, 19, der in der 88. Minute bei einem Schuss von Owen Ireland die Hände so fest machte, als hielte er ein Familienerbstück. In Minute 82 dann Schreckmoment: Philippe Gagnon blieb nach einem Zweikampf liegen, hielt sich das Knie und musste ausgewechselt werden. Happel beruhigte später: "Sieht nicht schlimm aus, vielleicht nur ein Schlag - oder Philippe wollte einfach raus in die Wärme." Statt seiner kam Joan Jorge, der prompt den Ball drei Minuten später elegant ins Aus spielte. "Ich wollte auf Zeit spielen", witzelte er später. Die Schlussphase war ein einziger Nerventest. Rostock drückte ohne Pressing im klassischen Sinne - aber mit allem, was Beine hatte. In der 91. Minute noch einmal Vinther, wieder mit einem Schuss, diesmal vorbei. Happel an der Seitenlinie hob nur die Arme, als wolle er sagen: "Jungs, ihr macht’s spannend, aber auch gut." Nach Abpfiff feierten die Hamburger Fans ihre Mannschaft, als wäre der Aufstieg besiegelt. Happel, verschwitzt, aber zufrieden, meinte: "Wir sind jung, wir sind wild, und manchmal sogar erfolgreich." Auf der anderen Seite stand Marko Maniurka, der den Kopf schüttelte: "Wir spielen den schöneren Fußball, aber Schönheit kriegt keine Punkte." Am Ende bleibt ein Hamburger Sieg, der weniger mit Ballbesitz, dafür mehr mit Mut und jugendlicher Unbekümmertheit zu tun hatte. Und ein Abend, an dem man sich fragte, ob man mit 18 tatsächlich schon so cool sein kann wie Benjamin Reich. Vielleicht war es kein großes Spiel - aber eines, das sich anfühlte, als würde da etwas wachsen. Und wenn Happel recht behält, könnte dieses junge Team bald öfter jubeln. Bis dahin gilt: Drei Punkte sind drei Punkte, und in Hamburg schmecken die bekanntlich besonders gut - vor allem, wenn sie gegen Rostock serviert werden. 26.05.643987 10:42 |
Sprücheklopfer
Ich gratuliere die Bayern.
Berti Vogts