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Hamburger SC siegt 3:2 - Carlsson tanzt, Gelsenkirchen stolpert

Wenn es in der 2. Liga ein Spiel gab, das die Bezeichnung "Achterbahnfahrt" wirklich verdient hatte, dann war es dieses am 8. Spieltag: Der Hamburger SC bezwang Gelsenkirchen 04 mit 3:2 - und das in einem Duell, das alles hatte, was ein Freitagabend im Januar so braucht: Tore, Tempo, Gelbe Karten und eine Portion norddeutschen Sarkasmus auf der Trainerbank.

Vor 27.198 Zuschauern im Hamburger Stadion begann die Partie zunächst so, wie man es von zwei offensiv eingestellten Teams erwarten dürfte: mit offenen Visieren und wenig Rücksicht auf taktische Lehrbücher. Beide Mannschaften traten laut Statistik mit offensiver Ausrichtung an, und so dauerte es nicht lange, bis die ersten Torschüsse in Richtung der beiden Keeper flogen. Schon in der ersten Minute prüfte Vladan Mladenovic das Gelsenkirchener Tor - ein Warnschuss, der so gar nicht den Charakter des späteren Spiels ahnen ließ.

In der 28. Minute dann die erste kalte Dusche für die Hausherren: Gelsenkirchens Mittelfeldmotor Jannick Bach traf nach Vorarbeit von Linksverteidiger Yanik Schrader - und das, obwohl der Hamburger Torwart Marco Ruiz beim Warmmachen noch betont hatte, er fühle sich heute "wie eine Mauer". Nun ja, diese Mauer hatte wohl ein Fenster offen.

Doch wer dachte, die Nordlichter würden in Schockstarre verfallen, wurde eines Besseren belehrt. Ab der 35. Minute übernahm der HSC das Kommando, drückte, kombinierte - und drehte das Spiel binnen zwei Minuten. Zuerst war es Leandro Postiga, der in der 40. Minute nach feiner Vorlage von Herman Carlsson zum Ausgleich traf. Kaum hatten die Fans den Torjubel beendet, legte Carlsson selbst nach: In der 42. Minute tanzte er durch die Gelsenkirchener Abwehr, als wären sie aus Pappe, und schob zum 2:1 ein. "Ich hab gar nicht überlegt, ich hab einfach gemacht", grinste Carlsson später in der Mixed Zone - und wenn man ehrlich ist, sah es auch genau so aus.

Mit diesem Doppelschlag ging es in die Pause, und auf der Tribüne hörte man so manchen Fan sagen: "So kennt man unseren HSC - erst Drama, dann Gala." Trainer Bernd Happel hingegen blieb gelassen: "Wir haben das Spiel kontrolliert - naja, zumindest phasenweise."

Nach dem Seitenwechsel kam Gelsenkirchen wütend aus der Kabine. Nur acht Minuten nach Wiederanpfiff glich Bernt Albrecht aus - ein schöner Schuss aus halbrechter Position, der Ruiz diesmal keine Chance ließ. Es stand 2:2, und plötzlich roch es wieder nach einem dieser typischen 2.-Liga-Abende, an denen niemand weiß, wer eigentlich das Spiel gewonnen hat, bis der Schlusspfiff ertönt.

Doch Herman Carlsson hatte an diesem Abend offenbar andere Pläne. In der 60. Minute zog er einfach mal ab - nach Vorlage von Mladenovic - und traf erneut. Doppelpack! 3:2 für den HSC, und diesmal sollte es halten. "Ich dachte, der Ball sei zu weit", gestand Mladenovic später, "aber Herman trifft heute sogar mit geschlossenen Augen."

Die letzten 30 Minuten wurden dann zu einer Mischung aus Nervenschlacht und Geduldsprobe. Hamburg hatte 15 Torschüsse, Gelsenkirchen nur acht, aber gefühlt jeder Ballbesitz des Gastes führte zu einem kurzen Anfall von Herzklopfen beim heimischen Publikum. Mit 52 Prozent Ballbesitz und 47 Prozent Zweikampfquote spielten die Gäste gefällig, doch im letzten Drittel fehlte es an Präzision.

Trainer Andreas Meyer von Gelsenkirchen 04 fasste es nach dem Spiel trocken zusammen: "Wir waren nicht schlechter, nur weniger erfolgreich." Seine Stirnfalte sprach allerdings Bände - besonders nach der späten Gelben Karte für den jungen Innenverteidiger Jürgen Wegener in der 90. Minute.

Die Hamburger Fans feierten ihren Matchwinner Carlsson, der am Ende erschöpft, aber glücklich vom Platz ging. Für ihn gab’s Standing Ovations und einen liebevollen Klaps vom Coach. Happel lächelte: "Wenn der Junge so weitermacht, schreib ich ihm selbst die Hymne."

Gelsenkirchen dagegen reiste mit leeren Händen, aber immerhin mit der Erkenntnis ab, dass man in Hamburg selbst mit ordentlichem Fußball nicht immer Punkte mitnimmt.

Und so bleibt vom 3:2-Heimsieg des Hamburger SC vor allem eines hängen: ein spektakulärer Fußballabend, ein überragender Carlsson, und ein Gelsenkirchener Team, das viel lief, viel wollte - und am Ende doch nur die Rücklichter sah.

Vielleicht sagte es ein älterer Herr auf der Tribüne am treffendsten, als er beim Abpfiff seine Mütze zog: "Dat war nix für schwache Nerven, aber genau deswegen kommen wir ja her."

10.04.643987 04:39
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Ich bin gespannt auf den ersten Augenblick, wenn er auf dem Spielfeld erstmals wegen seiner Erkrankung von einem Gegenspieler dumm angemacht wird. Wenn er ihm dann in die Eier tritt, dann weiß ich, dass er gesund ist.
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