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Hamburger SC siegt spät - Schubert wird zum 93.-Minuten-Helden

Es war einer dieser Abende, an denen der Fußball seine unverschämte Lust an späten Wendungen auslebt. 23.931 Zuschauer im Volkspark - halb frierend, halb fluchend - sahen ein 2:1 (1:0) des Hamburger SC gegen den SV Warnemünde, das erst in der Nachspielzeit entschieden wurde. Und das durch einen 18-Jährigen, der vermutlich noch nicht mal einen eigenen Parkplatz am Stadion hat: Stefan Schubert.

Trainer Bernd Happel sah nach dem Spiel aus, als hätte er in den 93 Minuten zehn Jahre gealtert. "Ich wollte schon die Hände schütteln, da haut der Junge das Ding rein", grinste er. "Ich hab ihm beim Aufwärmen gesagt: Wenn du reinkommst, mach was Verrücktes. Dass er das so wörtlich nimmt, überrascht mich dann doch."

Dabei hatte alles ganz gemächlich begonnen. Die Gäste aus Warnemünde, von Coach Horst Horstmann gewohnt diszipliniert eingestellt, wirkten in den ersten Minuten wie ein Team, das lieber die Nordsee sehen würde als die Hamburger Offensive. Doch in Minute 22 war es soweit: Leandro Postiga, der rechte Flügelwirbel des HSC, nahm eine butterweiche Vorlage von Eduardo Capucho an, ließ noch einen Verteidiger stehen und tunnelte Torwart Kai Wild zum 1:0. "Ich hab einfach nur gedacht: Wenn ich jetzt nicht treffe, krieg ich Ärger von Eduardo", lachte Postiga später.

Kurz darauf wurde’s ruppig. Warnemündes Innenverteidiger Raphael Wilke sah Gelb nach einem rustikalen Einsteigen - die Sorte Foul, bei der man sich fragt, ob der Ball überhaupt Teil des Plans war. Auf der Gegenseite wurde Nico Klose ebenfalls verwarnt, offenbar wollte er nicht nachstehen. "Das war ein Duell alter Schule", meinte Kapitän Carlsson augenzwinkernd, "wir hatten beide mehr Kontakt mit den Beinen des Gegners als mit dem Ball."

Zur Pause führte der HSC verdient, auch wenn die Statistik (49 Prozent Ballbesitz, 11:9 Torschüsse) eine ausgeglichene Partie versprach. Happel wechselte zur zweiten Halbzeit den jungen Rechtsverteidiger Ashton Stokes ein - ein Wechsel, der zunächst eher kosmetischer Natur schien.

Doch Warnemünde kam mit Wucht aus der Kabine. Horstmann hatte offenbar an den Flügeln geschraubt, sein Team spielte plötzlich mutiger, presste höher. In der 65. Minute belohnte sich der Außenseiter: Jakob Brandt, 33 Lenze und immer noch mit der Lunge eines 25-Jährigen, drosch eine Vorlage von Franck Schilling aus gut 18 Metern in den Winkel. Ausgleich. Der Gästeblock tobte, und Happel schmiss seine Wasserflasche auf den Boden - "aus Versehen", wie er später versicherte.

Das Spiel wogte hin und her, Fouquet vergab in der 72. Minute freistehend, Capucho scheiterte in der 75. an Wild. Warnemünde dagegen blieb über Anderson und Kunze gefährlich, aber ohne Fortune. Horstmann brachte in der Schlussphase gleich drei frische Kräfte - darunter den 19-jährigen Keeper Finn Bertram, was so mancher Zuschauer mit einem "Das ist jetzt aber mutig!" kommentierte.

Dann kam die 93. Minute. Herman Carlsson, der unermüdliche Sechser, schlug einen letzten Pass in den Strafraum. Der Ball rutschte durch, Stefan Schubert nahm ihn mit der Brust, zog ab - und traf. 2:1. Stadion explodiert. "Ich hab gar nicht richtig gesehen, dass er drin ist", stammelte der Teenager später mit roten Wangen, "aber dann hat’s gebrüllt, und ich wusste: Das war wohl gut."

Horst Horstmann nahm’s sportlich. "Wir haben eigentlich ein ordentliches Spiel gemacht. Aber gegen so einen Sonntagsschuss am Dienstagabend kann man halt wenig machen." Bernd Happel dagegen sprach von "Mentalität pur" und versprach seinem Matchwinner "einen Kakao auf Vereinskosten".

Am Ende stand ein knapper, aber verdienter Sieg für den HSC, der mit nun drei Punkten mehr im Gepäck in die obere Tabellenhälfte klettert. Warnemünde hingegen reist mit leeren Händen, aber erhobenem Kopf an die Ostsee zurück.

Und irgendwo in Hamburg dürfte ein 18-jähriger Schubert heute Nacht ziemlich schlecht schlafen - nicht aus Ärger, sondern weil ihm die Szene seines Lebens immer wieder durch den Kopf geht.

Schlusswort? Nun gut: Fußball kann grausam sein - aber manchmal ist er einfach nur kitschig schön.

17.03.643987 23:09
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