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Hamburger SC verschenkt Sieg gegen Lüner SV - 2:2 nach wilder Fahrt

Manchmal ist Fußball wie ein guter Krimi: spannend, unlogisch, und am Ende weiß keiner so recht, wer eigentlich gewonnen hat. Der Hamburger SC und der Lüner SV boten am Freitagabend vor 26.406 Zuschauern im Volksparkstadion genau so ein Spektakel. 2:2 hieß es nach 90 Minuten - ein Ergebnis, das beiden weh tat und doch irgendwie gerecht war.

Der Abend begann verheißungsvoll für die Hamburger. Schon in der 10. Minute schlug Herman Carlsson zu. Der Mittelfeldmotor nahm eine Vorlage von Wladimir Gorgon auf, zog aus 18 Metern ab und versenkte den Ball, als wollte er alle Zweifel an seiner Schusstechnik aus der Welt räumen. "Ich hab einfach draufgehalten - und gehofft, dass keiner im Weg steht", grinste der 27-Jährige später.

Doch lange währte die Freude nicht. Lünen zeigte sich unbeeindruckt und antwortete in der 22. Minute mit einem kuriosen Treffer. Linksverteidiger Isidoro Pascual, normalerweise eher für rustikale Klärungsaktionen zuständig, zog nach einem feinen Zuspiel von Nael Gelmirez einfach mal ab - und traf. "Ich wollte eigentlich flanken", gab Pascual nach dem Spiel schmunzelnd zu, "aber manchmal muss man den Zufall auch mal arbeiten lassen."

Das Spiel blieb intensiv, teils wild, teils chaotisch. Die Hamburger zogen ihr offensives Konzept durch - laut Taktiktafel des Trainers "OFFENSIVE, Pressing BEHIND" - was so viel hieß wie: nach Rückstand draufgehen, sonst lieber gucken. Das führte zu offenen Räumen, die Lünen dankbar nutzte, wenn auch ohne Fortune. Insgesamt 16 Torschüsse brachte das Team von Markus Hering zustande, doch nur zwei landeten im Netz.

Kurz vor der Pause - die Zuschauer waren gerade auf dem Weg zur Bratwurst - schlug der HSC wieder zu. Innenverteidiger Joao Martins, eben noch mit Gelb verwarnt, köpfte nach einer butterweichen Flanke von Joan Jorge zum 2:1 ein (43.). "Ich wollte’s wieder gutmachen", meinte der 21-Jährige, "die Gelbe war dumm, aber das Tor war schön."

Nach der Pause hielt die Euphorie der Hamburger exakt drei Minuten. Stephan Mayer, der bullige Rechtsaußen des Lüner SV, nutzte in der 48. Minute eine Vorlage des jungen Francisco Pinto und hämmerte den Ball in die Maschen. 2:2 - und plötzlich war wieder alles offen. "Wir haben uns in der Kabine gesagt: Einer geht noch", verriet Mayer hinterher.

Die Partie wurde nun ruppiger. Gelbe Karten für beide Seiten - Martins (35.), Bischoff (40.), Esclapez (37.) und Hajto (73.) - sorgten für reichlich Gesprächsstoff. "Da war mehr Gelb als in einem BVB-Trikot", witzelte ein Zuschauer auf der Tribüne.

Trainer Bernd Happel reagierte zur Pause gleich mit zwei Wechseln: Caviness und O’Shea kamen für Martins und Bischoff - eine Mischung aus Schadensbegrenzung und Experiment. "Wir wollten frischen Wind in die Abwehr bringen", erklärte Happel trocken, "und den Wind haben wir auch bekommen - von allen Seiten."

Lünen drückte in der zweiten Halbzeit, erspielte sich Chancen am Fließband, scheiterte aber immer wieder am jungen Keeper Marco Ruiz, der in der 74. Minute unter Applaus ausgewechselt wurde. Der 17-jährige Maximilian Miller durfte sein Zweitligadebüt feiern - und gleich mal eine Ecke aus dem Nichts parieren.

Zum Ende hin wurde es dramatisch. Eduardo Gome, frisch eingewechselt, verletzte sich in der Nachspielzeit (92.) unglücklich am Knöchel. "Er wird ein paar Tage brauchen", sagte Lünen-Coach Markus Hering, "aber er hat wenigstens noch einen Schuss abgegeben, bevor’s knackt." Galgenhumor, wie er im Abstiegskampf dazugehört.

Die Statistik erzählte am Ende eine Geschichte von Balance und vertanen Chancen: 52,9 Prozent Ballbesitz für Hamburg, 47,1 für Lünen; 11 zu 16 Torschüsse; 2 zu 2 Tore. "Das ist wie ein Bier ohne Kohlensäure - es hat alles, aber irgendwie fehlt was", meinte Reporterlegende Uwe im Presseraum, während Happel und Hering sich mit einem müden Lächeln die Hände schüttelten.

"Wir haben zweimal geführt und am Ende zwei Punkte verschenkt", bilanzierte Happel. Hering konterte: "Wir haben zweimal zurückgelegen und am Ende Moral gezeigt. Ich nenne das Sieg des Willens - oder des Zufalls."

Und so ging ein Spiel zu Ende, das keinem wirklich half, aber allen Spaß machte. Die Fans klatschten, die Trainer seufzten, und der Stadionsprecher verabschiedete sich mit dem Satz: "Das war’s aus Hamburg - ein Spiel wie das Wetter: wechselhaft, aber irgendwie schön."

Vielleicht das treffendste Fazit für diesen 22. Spieltag der 2. Liga - wo zwei Teams alles gaben und doch keiner so recht wusste, ob er sich freuen sollte.

30.09.643987 18:15
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