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Hannover fegt Ilmenau vom Platz - Assis doppelt, Cabell zaubert

Ein Abend, wie ihn Hannover schon lange nicht mehr gesehen hat: 54.476 Zuschauer im ausverkauften Stadion, Flutlicht, Sommerluft - und eine Heimmannschaft, die von der ersten Minute an auf Angriff schaltete. Germania Ilmenau, tapfer, aber überfordert, durfte sich am Ende beim Schlusspfiff glücklich schätzen, dass es "nur" 0:3 hieß.

Schon nach 60 Sekunden jubelte Hannover. Guillermo Assis, der flinke Flügelflitzer mit dem linken Zauberfuß, nahm einen Pass von Owen Macleod direkt, als hätte er gerade vergessen, dass das Spiel eben erst begonnen hatte - und schlenzte den Ball unhaltbar ins rechte Eck. "Ich wollte eigentlich querlegen", grinste Assis später, "aber dann dachte ich: Ach komm, probier’s halt."

Noch ehe Ilmenau richtig Luft holen konnte, stand es 2:0. In der zweiten Minute legte Giorgio Alberti mustergültig für Ellis Cabell auf, der eiskalt blieb. Zwei Minuten, zwei Tore - Hannover spielte, als wäre der Rest der Saison eine reine Formsache. Trainer Daniel Dietrich rieb sich die Hände: "So einen Start habe ich in meiner Karriere noch nicht erlebt. Ich dachte kurz, der Schiedsrichter pfeift das Spiel gleich ab, um Ilmenau zu schonen."

Danach ließ es Hannover ruhiger angehen - zumindest auf dem Papier. 23 Torschüsse insgesamt, davon gefühlt 20 in Richtung Zaun hinter dem Gästetor, aber die Roten dominierten das Geschehen so selbstverständlich, dass man fast Mitleid mit den Gästen haben musste. Ilmenau, mit Trainer Thorben Hartung an der Seitenlinie, versuchte tapfer, sich in die Partie zu kämpfen. Doch wer nur einen einzigen Schuss aufs Tor zustande bringt (Minute 89, Michael Lopez, halbherzig, halb verzweifelt), der kann keine Wunder erwarten.

"Wir wollten kompakt stehen", erklärte Hartung nach dem Spiel, "aber offenbar war unsere Definition von ’kompakt’ anders als die von Hannover." Tatsächlich stand seine Elf so tief, dass selbst der Stadionsprecher sie kaum noch sehen konnte.

Kurz nach der Pause wechselte Dietrich doppelt - Mario Vazques kam für Macleod, Gianluca Longo ersetzte den fleißigen Dylan Carr. Der junge Longo holte sich prompt die Gelbe Karte (65.), was den Trainer zu einem trockenen Kommentar verleitete: "Ein Zeichen setzen - na gut, das hat er wörtlich genommen."

Ilmenau tauschte ebenfalls fleißig: Neuer Torhüter, neue Flügel, neues Glück - aber das Glück blieb aus. Wenn überhaupt, dann rettete der eingewechselte Keeper Joel Bruce seine Mannschaft mehrfach vor Schlimmerem.

Das Publikum sang, die Sonne war längst hinter der Tribüne verschwunden, und Hannover spielte weiter, als stünde es 0:0. Felipe Delgado, quirlig und unermüdlich, prüfte den Torwart gleich mehrfach (12., 39., 54., 81., 91., 95.), doch erst in der Nachspielzeit fiel der fällige dritte Treffer. Wieder war es Guillermo Assis, der auf Vorlage von Emil Musiala den Ball eiskalt in die Maschen hämmerte. 94. Minute, 3:0 - Feierabend.

"Ich hab nur gesehen, dass Emil Platz hatte", erzählte Assis anschließend. "Dann hab ich einfach losgelaufen. Und als ich den Ball bekam, dachte ich: Wenn ich jetzt daneben schieße, darf ich morgen den Bus putzen." Offenbar eine starke Motivation.

Am Ende standen 49 Prozent Ballbesitz und 58 Prozent gewonnene Zweikämpfe für Hannover - Zahlen, die belegen, dass Einsatz manchmal mehr zählt als reine Dominanz am Ball. Ilmenau hatte zwar nominell etwas mehr Ballbesitz, aber kaum Ideen, was man damit anfangen sollte.

"Das war heute ein Klassenunterschied", fasste Kommentatorin Anja Keller nach dem Spiel treffend zusammen. "Hannover war auf Angriff gepolt, Ilmenau auf Hoffnung."

Für Trainer Dietrich war es ein Abend zum Genießen. "Wir wollten zeigen, dass wir auch ohne Ball viel Druck machen können - und mit Ball noch mehr." Kollege Hartung sah’s sportlich: "Wenn du in den ersten zwei Minuten zwei Tore kassierst, bleibt dir nur, höflich zu klatschen."

Und so ging ein Spiel zu Ende, das schon nach fünf Minuten entschieden war, aber trotzdem 90 Minuten beste Unterhaltung bot. Hannover feierte, Ilmenau schwieg - und irgendwo in der Kabine summte Guillermo Assis zufrieden vor sich hin.

Ein Sieg, der so früh begann, dass manche Fans ihn fast verpasst hätten - und so klar endete, dass niemand ihn je vergessen wird.

28.06.2026 21:21
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Das ist das Problem in Frankfurt: Hier muss einer nur dreimal mit dem Hintern wackeln, und schon ist er ein guter Spieler.
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