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Es war ein Auftakt nach Maß - zumindest für alle, die es mit Hannover halten. 43.500 Zuschauer im Niedersachsenstadion erlebten am Samstagabend einen 3:2‑Sieg ihrer Roten gegen Tasmania Berlin, der zwar verdient, aber alles andere als langweilig war. Schon nach fünf Minuten bebte die Arena, als Mike Christ, der bullige Mittelstürmer, den Ball nach feinem Zuspiel von Iker Andrade trocken ins rechte Eck jagte. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", grinste Christ später, "aber dann hab ich ihn einfach reingedroschen - sicher ist sicher." Tasmania‑Coach Michael Meister dagegen sah schon da das Unheil nahen. "Wir wollten tief stehen und auf Konter lauern - dumm nur, dass man dafür den Ball auch mal haben muss." In der Tat: Hannover hatte am Ende 55 Prozent Ballbesitz und 15 Schüsse aufs Tor, während die Berliner mit sieben Abschlüssen eher an einem gemütlichen Nachmittag im Park erinnert hätten - wäre da nicht ihr unverwüstlicher Jan Labant gewesen. Nach der Pause drehte sich das Spiel plötzlich. In der 47. Minute tauchte Labant nach einem weiten Ball von Ilicevic vor Keeper Ernesto Manuel auf und lupfte den Ball frech zum 1:1 über ihn hinweg. "Ich hab einfach gehofft, dass der Wind hilft", witzelte der 33‑jährige Routinier. Hannover wirkte kurz geschockt, das Publikum murmelte, und Trainer Daniel Dietrich stapfte fluchend an der Seitenlinie auf und ab. Doch lange hielt die Berliner Freude nicht. Nur drei Minuten später war es Lukas Penicka, der nach Vorarbeit von Henrich Hlinka die Roten wieder in Führung brachte - ein Treffer, der so präzise war, dass man fast glauben konnte, der Ball habe selbst GPS-Unterstützung. Penicka grinste später: "Ich wollte eigentlich flanken, aber der Ball hatte wohl andere Pläne." Tasmania zeigte indes bemerkenswerte Trotzreaktionen. In der 57. Minute war es Michael Konrad, der nach schöner Kombination über Ilicevic zum 2:2 ausglich - und plötzlich war wieder alles offen. Hannover tobte, Tasmania witterte die Sensation. Die Partie wurde härter, gelbe Karten flogen wie Konfetti: Custodio sah früh Gelb, Celis später, und Tasmanias Bank diskutierte lauthals mit dem vierten Offiziellen. Dietrich reagierte prompt: In der 65. Minute brachte er den jungen Nikolaj Grigorenko und den spritzigen Maniche. Grigorenko brauchte keine Viertelstunde, um sich in die Geschichte dieses Abends einzutragen. Nach einem energischen Dribbling über links legte er in der 79. Minute auf - und Henrich Hlinka drosch das Leder mit der Wucht eines Vorschlaghammers unter die Latte. 3:2, Stadionatmosphäre kurz vorm Explodieren. "Wir wollten unbedingt über die Flügel kommen, das war der Plan", erklärte Trainer Dietrich nach dem Spiel, während er sich von einem Reporter den Schweiß von der Stirn wischen ließ. "Wenn man so ein Spiel noch gewinnt, dann weiß man, dass die Vorbereitung gestimmt hat." Berlin versuchte danach alles, stellte auf volles Pressing um, während Hannover tief stand und Zeit von der Uhr nahm. In der 87. Minute kam noch Max McGee für Tertyschny - ein Wechsel, der so sehr auf Defensive setzte, dass selbst der Stadionsprecher kurz zögerte, ob er wirklich McGee oder "Mauerbeton" ansagen sollte. Doch Tasmania ließ nicht locker: Kinsella sah Gelb (89.), Custodio gleich darauf Gelb‑Rot (90.) - der Schlusspunkt eines Abends, an dem die Berliner Leidenschaft sich selbst aus dem Spiel nahm. "Das war zu viel Feuer, zu wenig Verstand", ärgerte sich Trainer Meister später. "Aber immerhin haben wir gezeigt, dass wir Tore schießen können - das ist ja auch was." Statistisch blieb Hannover das aktivere Team: mehr Ballbesitz, höhere Zweikampfquote (53 zu 47 Prozent), doppelt so viele Abschlüsse. Dennoch: Tasmania hatte Momente, in denen sie die Roten ins Schwitzen brachten. Hätte Konrads Schuss in der 71. Minute nicht um Millimeter das Ziel verfehlt, wer weiß, wie die Geschichte ausgegangen wäre. So aber jubelte Hannover zum Saisonauftakt, während Berlin mit gesenkten Köpfen, aber erhobenem Trotz vom Platz ging. Ein Fan hinter der Trainerbank fasste es treffend zusammen: "Das war kein Spiel - das war ein Abenteuerurlaub in 90 Minuten." Und Hannover? Die Niedersachsen starten mit drei Punkten, einer ordentlichen Portion Selbstbewusstsein und der Erkenntnis, dass Offensivfußball zwar Nerven kostet, aber eben auch Herzen gewinnt. Tasmania hingegen fährt mit der Bahn zurück - vermutlich im Abteil "Gelb-Rot gesperrt". 30.05.643990 08:12 |
Sprücheklopfer
Der Jürgen Klinsmann und ich, wir sind ein gutes Trio. Ich meinte: ein Quartett.
Fritz Walter Junior