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Hannover zerlegt Gelsenkirchen - ein bitterer Abend im Ruhrpott

Wenn Fußball weh tun kann, dann wohl so: Vor 37.565 Zuschauern in der Arena zu Gelsenkirchen erlebte die heimische Mannschaft einen jener Abende, die man am liebsten direkt aus dem Vereinsarchiv tilgen möchte. Hannover feierte beim 6:0-Auswärtssieg ein Schützenfest - und Gelsenkirchen 04 suchte 90 Minuten lang nach einem Rezept gegen die rot-weiße Offensivlawine.

Schon nach einer Viertelstunde ging es los: Hugo Assis, 33 Jahre jung, altgedient und offenbar mit einer Schwäche für spektakuläre Tore, zog nach Vorlage von Owen Macleod trocken ab - 0:1. Das Publikum murmelte noch, als Georges Carriere (27.) nach einem feinen Doppelpass mit Nikolaj Grigorenko das 0:2 nachlegte. "Da war einfach zu viel Platz im Mittelfeld. Ich hätte fast Zeit gehabt, mir noch die Schuhe zu binden", grinste Carriere später.

Und weil Gelsenkirchen an diesem Abend jede Form von Kompaktheit nur vom Hörensagen kannte, erhöhte Henrich Hlinka (32.) nach gut einer halben Stunde auf 0:3. Wieder assistierte Macleod, der das Zentrum dominierte, als hätte er dort Eigentumsrechte erworben. Kurz vor der Pause sorgte dann besagter Grigorenko selbst für das 0:4 - wieder auf Vorlage des omnipräsenten Macleod. Trainer Andreas Meyer stand da schon wie angewurzelt an der Seitenlinie, die Hände tief in den Taschen, der Blick ins Leere.

"Ich überlege, ob ich zur Halbzeit einfach das Licht ausschalte", soll er einem Betreuer zugeflüstert haben. Tat er natürlich nicht, aber geholfen hätte es wohl auch nichts. Denn auch nach dem Seitenwechsel änderte sich wenig - außer, dass der junge Keeper Rene Adler (18) durch Wilhelm Preuss ersetzt wurde. "Rene hat heute Lehrgeld gezahlt", meinte Meyer später lakonisch.

In der 52. Minute war es wieder Grigorenko, diesmal nach Vorarbeit des eingewechselten Mario Vazques, der das 0:5 erzielte. Und als Hlinka in der 64. Minute zum zweiten Mal traf - ein präziser Linksschuss nach Pass von Grigorenko -, war das halbe Dutzend voll. Gelsenkirchen mühte sich, kam durch Jannick Bach (18.), Lennard Konrad (49.) und den jungen Bertalan Bicskei (63., 90.) immerhin zu einigen Torschüssen, doch wirkliche Gefahr entstand nie.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: 5:17 Torschüsse aus Sicht der Gastgeber, 47 Prozent Ballbesitz, aber nur 43 Prozent gewonnene Zweikämpfe. Hannover agierte mit einer Aggressivität, die zwischen "zielstrebig" und "unbarmherzig" pendelte, während Gelsenkirchen taktisch im Dauerzustand "wir warten auf den einen Konter" verharrte.

"Das war kein Pressing, das war Sightseeing", ätzte ein Fan auf der Tribüne, als Hannover in der zweiten Hälfte den Ball durch die eigenen Reihen zirkulieren ließ. Tatsächlich wirkte Hannover in jeder Phase überlegen - balanciert, präzise, mit einem Hauch von Arroganz, wie ihn nur Teams an den Tag legen, die genau wissen, dass ihnen heute nichts passieren kann.

Trainer Daniel Dietrich zeigte sich nach dem Spiel zufrieden, aber auch überraschend selbstironisch: "Sechs Tore sind schön, aber wir hätten auch sieben machen können. Ich habe Hugo gezählt - der hatte noch zwei Chancen, die er sonst blind reinmacht." Hugo Assis selbst lachte und meinte: "Ich bin 33, ich darf auch mal einen drüber setzen."

Während Hannover sich jubelnd vor die Gästekurve stellte, schlich Gelsenkirchen bedröppelt in die Kabine. Jannick Bach fasste das Geschehen in einfache Worte: "Wir waren heute einfach nicht da. Vielleicht noch im Kopf beim Abendessen."

Hannover hingegen darf sich nach diesem Kantersieg Hoffnungen auf einen Traumstart in die Saison machen. Zwei Spieltage, sechs Punkte, zehn Tore - das sieht nach einem Team aus, das es in dieser Liga ernst meint.

"Die Jungs haben das verstanden, was wir ihnen seit Wochen predigen: Mut, Tempo, Zielstrebigkeit", erklärte Dietrich auf der Pressekonferenz, während sein Kollege Meyer daneben saß und trocken anmerkte: "Ich predige das auch - nur, meine Spieler hören offenbar nicht zu."

So blieb am Ende nur Galgenhumor. "Wenn man 0:6 verliert, kann man immerhin sagen: Es kann nur besser werden", sagte Meyer mit einem gequälten Lächeln. Und als die letzten Zuschauer die Arena verließen, murmelte einer von ihnen: "Vielleicht sollten wir beim nächsten Mal einfach versuchen, den Ball zu behalten."

Es war ein Abend, der in Gelsenkirchen wohl noch lange nachhallen wird - und in Hannover als einer dieser seltenen Tage gefeiert wird, an denen einfach alles klappt.

Schlusswort? Vielleicht dieses: Fußball ist manchmal grausam, aber nie langweilig. Und wenn man sechs Tore auswärts schießt, darf man das ruhig genießen - auch wenn der Gegner sich dabei fühlt, als hätte er versehentlich das eigene Tor verwechselt.

02.04.643997 21:43
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