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Es war ein kalter Januarabend in Hannover, aber die 43.500 Zuschauer in der ausverkauften Arena dürften schnell warm geworden sein. Denn was ihre Mannschaft am 4. Spieltag der 1. Liga bot, war ein feines Stück Offensivkunst - oder, wie ein Fan auf der Tribüne röhrte: "Das war ja fast schon unhöflich!" Am Ende hieß es 5:0 (2:0) gegen den SC Papenburg, und selten wirkte ein Ergebnis so gerecht wie dieses. Schon nach zehn Minuten begann der Abend, sich für Papenburg düster zu färben. Henrich Hlinka, Hannovers quirliger Linksaußen, traf nach feinem Zuspiel von Rechtsverteidiger Cristobal Maniche trocken zum 1:0. "Ich dachte erst, der Pass sei viel zu scharf - aber dann war der Ball auf einmal einfach da. Da musste ich ihn nur noch beleidigt reinschieben", grinste Hlinka später. Der Treffer war der Auftakt zu einem Spiel, in dem Hannover mit 19 Torschüssen fast nach Belieben kombinierte. Nur 14 Minuten später folgte das 2:0, diesmal durch einen Mann, den man in den Torschützenlisten eher selten findet: Linksverteidiger Spiridon Tertyschny. Nach einer Ecke von Innenverteidiger Jose Maria Godinez - ja, richtig gelesen - stand der Verteidiger goldrichtig und versenkte den Ball humorlos. "Ich wollte eigentlich nur stören", gab Tertyschny später lachend zu, "aber wenn’s läuft, dann läuft’s." Papenburg versuchte danach, mit langen Bällen und beherztem Körpereinsatz gegenzuhalten. Zwei Gelbe Karten (Wolter in der 50., Auch in der 68.) belegen immerhin, dass der Wille da war. Doch spielerisch blieb der SC harmlos: Nur fünf Torschüsse in 90 Minuten, kein einziger, der Hannovers Torwart Pauel Westerveldt wirklich forderte. Hannovers Trainer Daniel Dietrich hatte in der Kabine offenbar die richtigen Worte gefunden. Gleich drei Minuten nach Wiederanpfiff erhöhte Lukas Penicka auf 3:0, nach schöner Vorarbeit von Luke MacRae. "Wir wollten gleich zeigen, dass wir nicht auf Verwaltung spielen", sagte Dietrich später. "Man weiß ja, wie schnell Fußball kippen kann - aber heute war’s wohl eher einseitig geneigt." Der Rest des Abends wurde für Papenburg zur Lehrstunde in Sachen Effizienz. Oscar Camara legte in der 73. Minute das 4:0 nach - vorbereitet von Nikolaj Grigorenko, der kurz zuvor noch Gelb gesehen hatte. Acht Minuten später durfte Penicka noch einmal ran, diesmal nach Vorarbeit von Cameron Prinsloo: 5:0, und das Publikum stand Kopf. Trainer Frank Helmbrecht vom SC Papenburg wirkte nach Schlusspfiff erstaunlich gefasst. "Natürlich tut das weh", sagte er, "aber wir wussten, dass Hannover stark ist. Wir haben versucht, kompakt zu stehen, aber irgendwann war’s wie gegen eine Welle zu schwimmen." Und dann, mit einem schiefen Lächeln: "Wir haben immerhin das 6:0 verhindert." Die Statistik unterstreicht das Geschehen eindrucksvoll: 53,8 Prozent Ballbesitz für Hannover, 19 Torschüsse gegen 5, eine Zweikampfquote von knapp 56 Prozent. Und obwohl die Roten aggressiv auftraten - drei Gelbe Karten inklusive - wirkten sie in jeder Phase kontrolliert. Selbst als Dietrich in der 45. Minute den gelbbelasteten William Neville gegen Maximilian Schwab tauschte, blieb der Rhythmus ungebrochen. Das Publikum genoss den Abend. In der 80. Minute sang die Nordkurve schon Lieder über den "neuen Traumsturm" Hlinka-Penicka, während auf der Trainerbank sogar Dietrich kurz schmunzelte. "Ich bin kein Freund von Euphorie", meinte er später augenzwinkernd, "aber wenn wir so weiterspielen, muss ich mir wohl ein Grinsen abgewöhnen." Für Hannover war es der zweite Sieg in Serie, und mit diesem überzeugenden Auftritt setzen sie ein Ausrufezeichen im Titelrennen - oder zumindest ein sehr lautes Rufzeichen. Papenburg dagegen wird sich sortieren müssen. Die Defensive wirkte überfordert, der Angriff zahnlos, und selbst die Auswechslungen - Xavier für Andrade, Auch für Frissyn, Suy für Galindez - brachten kaum Entlastung. Am Ende applaudierten die Fans beider Lager. Hannover für den Galaabend, Papenburg für den Versuch, sich trotz allem nicht hängen zu lassen. Und irgendwo zwischen den sich leerenden Rängen hörte man einen älteren Zuschauer sagen: "So spielt man Fußball, wenn man Montag frei hat." Ein Satz, den Hannover gerne als Motto für den weiteren Saisonverlauf nehmen darf. 22.02.643987 20:20 |
Sprücheklopfer
Verstärken können die sich, aber nicht auf der rechten Seite. Da bin ich. Ich komme selber aussem Pott. Mein Vater war auf der Hütte. Wenn ich wieder fit bin, zeig ich denen, wat malochen heißt.
Torsten Legat