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Hannover zittert sich ins Viertelfinale - 8:7 nach Nervenkrimi vom Punkt

Es war einer dieser Pokalabende, an denen man sich fragt, warum man sich das eigentlich antut - und dann wieder weiß, warum. Hannover ringt den tapferen TSV Reichenbach mit 8:7 nach Elfmeterschießen nieder, nachdem zuvor 120 torlose, aber keineswegs ereignislose Minuten die 43.500 Zuschauer zwischen Gähnen, Herzrasen und Galgenhumor schwanken ließen.

Von Beginn an war klar, wer hier das Kommando übernehmen wollte. Hannover, von Trainer Daniel Dietrich offensiv ausgerichtet ("Wir wollten zeigen, dass wir nicht zum Tee trinken rausgehen"), drückte von Minute eins an. Bereits in der ersten Minute prüfte Aldo Locatelli den Gäste-Keeper Curt Kaiser aus spitzem Winkel - ein Vorgeschmack auf das, was folgen sollte: 21 Torschüsse, 56 Prozent Ballbesitz und 90 Minuten Einbahnstraßenfußball. Nur: kein Tor.

"Ich hab schon in der 20. Minute aufgehört zu zählen, wie oft wir knapp drüber, drunter oder daneben gezielt haben", knurrte Roberto Colosimi später in der Mixed Zone, "irgendwann wollte ich den Ball einfach mal festhalten, damit er nicht wieder zurückspringt."

Der TSV Reichenbach verteidigte, als ginge es um das letzte Stück Kuchen beim Vereinsfest. Trainer Lutz Köhler hatte seine Mannen auf Konter eingestellt, auf die großen Momente von Rhys Kendall und Jewdokim Mostowoi. Doch diese blieben aus - ganze drei Torschüsse standen am Ende auf dem Reichenbacher Konto. "Wir waren effizient", versuchte Köhler nach dem Spiel zu scherzen. "Leider nicht im Sinne der Statistik."

In Minute 64 sah Hannovers Rechtsverteidiger Cristobal Maniche Gelb, nachdem er offenbar vergessen hatte, dass Grätschen keine olympische Disziplin ist. "Ich wollte nur den Ball treffen", verteidigte er sich grinsend, "aber der Ball war halt schneller."

Nach 90 Minuten ohne Treffer ging es in die Verlängerung. Hannover wirkte bemüht, Reichenbach zunehmend erschöpft. In der 96. Minute hatte Mostowoi plötzlich die Sensationschance für die Gäste, doch Hannovers Keeper Pauel Westerveldt rettete mit einer Parade, für die er vom Publikum Standing Ovations erhielt. Kurz darauf musste er selbst runter - Trainer Dietrich wechselte kurz vor Schluss Noe Galisteo ein, eine Entscheidung, die sich später als taktisches Meisterstück erweisen sollte.

Denn im Elfmeterschießen wurde Galisteo zum stillen Helden. "Ich hab mich einfach groß gemacht", sagte er lakonisch. "Ich bin ja auch groß." Drei Reichenbacher verschossen - Ramon Alves, Brynjar Gottskalksson und am Ende David Krueger, der den Ball in den winterlichen Nachthimmel jagte.

Auf der anderen Seite verwandelten Hlinka, Locatelli, Castel, Maniche, McGee, MacRae, Breschnew und schließlich Dylan Carr für Hannover. Nur Colosimi und Komljenovic scheiterten, Letzterer zog sich anschließend selbstironisch den "Goldenen Pechvogel" des Abends auf. "Ich war so nervös, ich hätte auch den Mittelkreis getroffen, wäre der Ball eckig gewesen", gestand er später.

Als Carr den entscheidenden Elfmeter verwandelte, explodierte das Stadion. Trainer Dietrich sank auf die Knie, lachte, schimpfte und jubelte gleichzeitig - eine emotionale Mischung, die man sonst nur von Espresso-Doppelschüssen kennt. "Nach so einem Spiel ist man zehn Jahre älter", schnaufte er. "Aber wenigstens im Viertelfinale."

Reichenbach verabschiedete sich erhobenen Hauptes. Kapitän Mikulic brachte es auf den Punkt: "Wenn du 120 Minuten gegen so eine Mannschaft mitspielst und dann im Elfmeterschießen verlierst, darfst du trotzdem stolz sein. Auch wenn’s weh tut."

Die Statistik spricht Bände: 21:3 Torschüsse, 57 Prozent Tacklingquote und gefühlt 3000 hektische Anweisungen von Dietrich an der Seitenlinie. Hannover war überlegen, aber ineffizient - und Reichenbach war zäh, diszipliniert, fast schon stoisch.

Am Ende aber bleibt das, was Pokalnächte so besonders macht: ein Drama, das keine Drehbuchautoren besser schreiben könnten. Und irgendwo in Hannover wird heute Nacht noch jemand murmeln: "Hauptsache weiter."

Oder, wie Aldo Locatelli es beim Rausgehen sagte, halb lachend, halb wimmernd: "Ich wollte eigentlich früh ins Bett. Jetzt brauch ich erstmal drei Tage Schlaf."

Und ganz Fußball-Hannover nickt müde - aber glücklich.

26.05.643987 07:50
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