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Hansa Rostock fegt Germania Ilmenau mit 4:1 vom Platz

Wenn an der Ostseeküste der Wind weht, dann ordentlich - und am 32. Spieltag der 1. Liga Deutschland blies er Germania Ilmenau kräftig ins Gesicht. 30.292 Zuschauer im Ostseestadion sahen ein Spiel, das zunächst nach Spannung roch, am Ende aber den Charakter einer maritimen Machtdemonstration von Hansa Rostock hatte. 4:1 hieß es nach 90 Minuten - und die Gäste aus Ilmenau durften froh sein, dass es nicht noch deutlicher wurde.

Bereits nach einer Viertelstunde hatte Issac Groat die Hansa-Kogge auf Kurs gebracht. Nach schönem Zuspiel von Carlos Ibano zog der Rechtsaußen trocken ab - 1:0. "Ich hab einfach mal draufgehalten", grinste Groat später, "der Ball wollte wohl auch mal baden gehen." Die Fans tobten, die Fackeln loderten, und Trainer Marko Maniurka klatschte zufrieden. "Da war alles drin, was wir trainieren - Tempo, Mut, Abschluss. Und ein bisschen Glück, das schadet ja nie."

Doch Germania Ilmenau zeigte zunächst Moral. Nach einem wackligen Start fanden sie ins Spiel, nicht zuletzt weil Jesus Korn im Mittelfeld plötzlich das Zepter übernahm. In der 40. Minute zirkelte er den Ball nach Vorarbeit von Lucas Reimann aus 20 Metern in den Winkel - ein Treffer, der kurzzeitig die Seeluft aus dem Stadion sog. "Das war unser Moment", sagte Gästecoach Thorben Hartung später, "aber dann kam die rote Karte, und das war’s eigentlich."

Diese rote Karte sollte das Spiel kippen. Direkt nach Wiederanpfiff, in der 46. Minute, sah Ilmenaus Emil Musiala glatt Rot nach einem zu späten Einsteigen, das mehr an ein Rugby-Tackling erinnerte als an Fußball. "Ich wollte nur den Ball spielen", verteidigte sich Musiala in der Mixed Zone, "aber der Ball war halt schon weg." Der Schiedsrichter blieb ungerührt, und Hansa nahm dankend an.

Mit einem Mann mehr und 64 Prozent Ballbesitz schnürten die Rostocker ihre Gäste fortan in deren Hälfte ein. Carlos Ibano nutzte nach 55 Minuten eine der zahlreichen Chancen - 2:1. Drei Minuten später erhöhte Dylan Stanton auf 3:1, und das Stadion vibrierte wie ein alter Fischkutter im Sturm. "Da lief’s einfach", sagte Stanton, "wir haben sie laufen lassen, und irgendwann wollten sie auch nicht mehr."

Ilmenau versuchte es mit zwei frischen Kräften - Luís de Freitas kam für den Torschützen Korn, später ersetzte Karl Maus den blassen Vuorinen. Doch das half wenig. Die Defensive, ohnehin durch die Unterzahl überfordert, bekam kaum noch Zugriff. Gelbe Karten für de Freitas (61.) und Walter (66.) dokumentierten eher die Verzweiflung als den Kampfgeist.

In der Schlussphase durfte Bruno Aguas noch einmal glänzen. Nach Vorlage von Groat schob er in der 83. Minute überlegt zum 4:1 ein - der Schlusspunkt unter einen Abend, an dem Hansa Rostock alles richtig machte, was man im Fußball richtig machen kann.

"Das war ein Statement", meinte Trainer Maniurka nach Abpfiff zufrieden. "Wir wollten zeigen, dass wir nicht nur kicken, sondern auch zubeißen können. Heute haben wir beides getan." Und tatsächlich: Die Tacklingquote von 51,6 Prozent liest sich nicht spektakulär, aber in der Wirkung war sie gnadenlos effektiv.

Ganz anders die Stimmung bei Germania Ilmenau. Trainer Hartung wirkte wie ein Mann, dem man den letzten Regenschirm genommen hat. "Wir haben gut angefangen, aber nach der roten Karte war’s ein anderes Spiel. Da kannst du nur noch Schadensbegrenzung betreiben."

Kurz vor Schluss kam es dann noch bitterer: Lucas Reimann, einer der wenigen Aktivposten, verletzte sich in der 94. Minute und humpelte vom Feld. Der junge Otto Frank holte sich in der Nachspielzeit noch Gelb ab - sinnbildlich für einen Abend, an dem bei Ilmenau nichts mehr passte.

Statistisch hatte Rostock nicht nur mehr Ballbesitz, sondern auch mehr Zielstrebigkeit: 14 Torschüsse gegenüber 11 der Gäste sprechen eine klare Sprache. Und während Hansa seine Chancen eiskalt nutzte, blieb Ilmenau bei allem Engagement ohne Fortune - oder, wie Hartung trocken meinte: "Wir hätten heute bis Mitternacht spielen können, da wäre kein Tor mehr gefallen."

So feierte Rostock einen verdienten Heimsieg, der sie in der Tabelle nach oben spült und die Fans träumen lässt. An der Hafenpromenade sangen sie noch lange, während Trainer Maniurka mit einem Lächeln in der Kabine verschwand. "Vier Tore, keine Verletzten - das ist fast wie Urlaub", lachte er.

Und irgendwo draußen auf der Ostsee gluckste das Wasser leise - vielleicht, weil selbst die Wellen wussten: Diese Hansa-Kogge ist wieder auf Kurs.

30.06.2026 21:49
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