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Es gibt Fußballabende, die beginnen mit einem Paukenschlag - und enden mit einem Donnerhall. Der 12. Spieltag der 2. Liga Deutschland hatte für die 17.062 Zuschauer im Hennefer Stadion genau das zu bieten: ein SC Hennef, der von der ersten Minute an aufdrehte, und ein TuS Hordel, der nach 96 Minuten mehr Schneeflocken als Torchancen zählte. 3:0 hieß es am Ende, und das war sogar noch schmeichelhaft für die Gäste aus dem Ruhrgebiet. Kaum hatte Schiedsrichterin Katrin Möller den Ball freigegeben, da zappelte er schon im Netz. In der zweiten Minute donnerte Innenverteidiger Dror Revivo - ja, Innenverteidiger! - das Leder nach einer butterweichen Flanke von Jorge da Costa ins Tor. "Ich wollte eigentlich klären", grinste Revivo später, "aber dann dachte ich: Ach komm, probier’s mal." Eine spontane Entscheidung, die sich als goldrichtig erwies. Hordel, das mit mutiger Offensivausrichtung und langen Bällen begonnen hatte, wirkte nach dem frühen Rückstand wie ein Boxer, der gleich in der ersten Runde einen Haken kassiert. Trainerin Ute Finkeldy schrie von der Seitenlinie: "Bleibt ruhig, Jungs!", doch ihre Elf verlor zunehmend die Ordnung. SC Hennef dagegen kombinierte, als sei der Ball magnetisch. 58 Prozent Ballbesitz, 14 Torschüsse - die Zahlen erzählen nur die halbe Geschichte. Die andere Hälfte bestand aus Tempo, Spielfreude und einem Jorge da Costa, der an diesem Abend offenbar den Turbo gefunden hatte. In der 30. Minute folgte das logische 2:0. Da Costa selbst vollendete nach einem klugen Pass von Jürgen Adam. Der 19-Jährige hatte das Auge, da Costa den Fuß - und Hordel den Frust. "Das war wie im Training", meinte da Costa später mit einem Augenzwinkern. "Nur dass diesmal jemand zugeschaut hat." Zur Halbzeit versuchte Finkeldy mit einem Dreifachwechsel das Ruder herumzureißen. Der 19-jährige Günther Pfeiffer kam für den blassen Olav Anders, Torwart Kay Fuhrmann ersetzte den jungen Lorenzo, und auch hinten links durfte frisches Blut ran. Doch Hennef ließ sich nicht beirren. Trainer Giovanni Diaco blieb gelassen auf seiner Bank sitzen, kaute Kaugummi und murmelte zu seinem Co-Trainer: "Wenn wir jetzt anfangen zu pressen, kriegen die einen Sonnenbrand vom Laufen." Tatsächlich spielte Hennef taktisch abgeklärt, mit Kurzpassspiel und kontrolliertem Flügelspiel, während Hordel immer wieder mit langen, verzweifelten Bällen operierte. In der 55. Minute prüfte Jorge da Costa erneut Keeper Fuhrmann, in der 60. versuchte es Ivica Dukic aus der Distanz - doch das Tor fiel erst spät. In der Nachspielzeit, als viele Fans schon auf dem Weg zur Bratwurstbude waren, setzte John Lockhart den Schlusspunkt. In der 96. Minute bekam er eine Vorlage - natürlich von da Costa - und schob lässig zum 3:0 ein. "Ich hab ihn einfach reingeschoben, weil Jorge mir sonst nie wieder den Ball gegeben hätte", witzelte der 20-Jährige nach dem Spiel. TuS Hordel hingegen blieb auch in der Schlussphase harmlos. Sechs Torschüsse, kein Treffer - sinnbildlich für einen Abend, an dem nichts funktionierte. Immerhin bewies man Fairness: keine Rote Karte, keine übertriebene Härte, nur das Gefühl, dass der Fußballgott heute eine Hennefer Dauerkarte hatte. Kurz vor Schluss sah Hennefs Rechtsverteidiger Diego Sousa noch Gelb für ein taktisches Foul, und auch der junge Adam handelte sich in der Nachspielzeit eine Verwarnung ein - beides Randnotizen in einem Spiel, das längst entschieden war. "Wir haben die Balance zwischen Spaß und Struktur gefunden", lobte Coach Diaco nach dem Abpfiff. "Und wenn Revivo weiter Tore schießt, muss ich ihn bald im Sturm aufstellen." Finkeldy hingegen suchte die Worte: "Wir wollten kontern, aber man muss den Ball dafür auch mal haben." So verabschiedete sich der SC Hennef mit einem klaren 3:0 (2:0) und einer gehörigen Portion Selbstbewusstsein aus diesem frostigen Januarabend. Und während die Fans noch sangen, summte Giovanni Diaco zufrieden: "Das war heute Fußball mit Herz - und ein bisschen Kunst." Ein Spiel, das zeigt: Selbst an grauen Wintertagen kann Fußball leuchten - zumindest, wenn man rot-weiß trägt. 26.05.643987 14:12 |
Sprücheklopfer
Ich gratuliere die Bayern.
Berti Vogts