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Herthas irrer Doppelschlag: Aus 3:4 wird in 60 Sekunden ein 5:4

2. Bundesliga | 19. Spieltag | 24.07.26 | CFC Hertha - Weiler im Allgäu 5:4

Wer am Freitagabend einen beschaulichen Zweitliga-Kick erwartet hatte, bekam stattdessen eine Mischung aus Fußballfest, Nervenzusammenbruch und kollektivem Vergessen elementarer Defensivregeln. Der CFC Hertha gewann am 19. Spieltag vor 12.500 Zuschauern mit 5:4 (2:3) gegen Weiler im Allgäu - nach Rückständen von 1:3 und 3:4 sowie einem Doppelschlag in der 85. und 86. Minute.

Beide Mannschaften waren um 20.30 Uhr offensiv ausgerichtet und wollten gute Abschlussmöglichkeiten herausspielen. Das klang in der Theorie vernünftig. In der Praxis bedeutete es: Die Tore standen offen wie Ladentüren beim Schlussverkauf.

Schon nach einer Minute prüfte Weilers Jürgen Linke die Aufmerksamkeit der Gastgeber. Doch das erste Tor erzielte Hertha. Miroslav Bjelanovic brachte den CFC in der achten Minute mit 1:0 in Führung. "Ich habe einfach abgeschlossen, bevor jemand auf die Idee kommen konnte, mir einen taktischen Vortrag zu halten", sagte der 31-Jährige später grinsend.

Weiler ließ sich davon nicht beeindrucken. Michel Hierro bereitete in der 28. Minute den Ausgleich durch Jannick Fritsch vor. Nur drei Minuten später bediente Linke Damian Vasco, der zum 2:1 für die Gäste traf. Herthas Abwehr wirkte in dieser Phase wie eine Reisegruppe, die am falschen Bahnsteig stand und trotzdem überzeugt auf den Zug wartete.

In der 42. Minute legte Vasco nach Vorlage von Bernd Jahn sogar das 3:1 nach. "Da hatten wir das Spiel genau dort, wo wir es haben wollten", erklärte Weilers Trainer Mino Raiola. Dann ergänzte er trocken: "Leider wollte das Spiel dort offenbar nicht bleiben."

Noch vor der Pause meldete sich Hertha zurück. Innenverteidiger Oscar Klaus, von Filipe Gamoneda in Szene gesetzt, verkürzte in der 44. Minute auf 2:3. Der Treffer war mehr als Ergebniskosmetik: Er verwandelte die Halbzeitansprache von CFC-Trainer Julian Hummel vermutlich von einer Grundsatzrede in einen brauchbaren Arbeitsauftrag. "Ich habe gesagt: Wir brauchen Ruhe", berichtete Hummel. "Ob mich bei dem Lärm jemand verstanden hat, weiß ich allerdings nicht."

Hertha kam mit Wucht zurück. In der 54. Minute traf Owen MacQueen nach Vorarbeit von Klaus zum 3:3. Der CFC drängte nun, feuerte zwischen der 59. und 65. Minute beinahe im Minutentakt auf das gegnerische Tor. Insgesamt standen am Ende 20 Torschüsse für Hertha und zehn für Weiler zu Buche. Auch beim Ballbesitz lagen die Gastgeber mit 53,75 Prozent leicht vorn; die Zweikampfquote von 52,77 Prozent passte zur von Hummel verordneten robusteren Gangart.

In der 60. Minute brachte Hertha Lasse Schöne für Gamoneda. Weiler wechselte gleich dreifach und nahm unter anderem den zweifachen Torschützen Vasco vom Feld. Das sah zunächst nicht nach einem Fehler aus, denn in der 78. Minute brachte Innenverteidiger Milos Lomic die Gäste nach Vorarbeit von Linke erneut mit 4:3 in Führung. Lomic hatte zehn Minuten zuvor Gelb gesehen und bewies nun, dass auch Innenverteidiger gelegentlich vorne auftauchen dürfen - solange sich hinten anschließend jemand zuständig fühlt.

Sieben Minuten vor Schluss sah Herthas Niels Hartmann Gelb. Zwei Minuten später begann der Wahnsinn endgültig. Der erst 18 Jahre alte Rechtsverteidiger Lars Baumann bereitete in der 85. Minute Bjelanovics zweiten Treffer zum 4:4 vor. Während Weiler noch versuchte, diesen Schock bürokratisch zu erfassen, schlug Hertha erneut zu: Wieder kam die Vorlage von Baumann, diesmal vollendete der eingewechselte Schöne in der 86. Minute zum 5:4.

"Lars hat zweimal den Kopf oben gehabt. Ich hatte einmal den Fuß richtig", sagte Schöne und lachte. Baumann selbst gab sich erstaunlich nüchtern: "Beim ersten Pass dachte ich: gut. Beim zweiten dachte ich: bitte jetzt einfach abpfeifen."

Hertha schoss in der Nachspielzeit weiter, als müsse das Ergebnis noch zweistellig werden. Es blieb jedoch beim 5:4. Raiola stand nach dem Abpfiff einen Moment regungslos vor seiner Bank. "Vier Auswärtstore sollten reichen", sagte er. "Heute brauchte man offenbar fünf - und selbst dann hätte ich Bedenken gehabt."

Ein Spiel für die Zuschauer, ein Albtraum für die Trainer und vermutlich ein arbeitsreicher Morgen für sämtliche Videoanalysten. Nur die Abwehrspieler dürften hoffen, dass die Aufzeichnung versehentlich gelöscht wird.

24.07.2026 21:08
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Ich hatte schon vorher das Gefühl, dass die Mannschaft noch nicht reif für die Bundesliga ist. Aber dass einige Spieler so weich in der Birne sind, hätte ich nicht gedacht.
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