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Mit einem tiefen Seufzer der Erleichterung endete am Freitagabend das Flutlichtspiel des 9. Spieltags der 2. Liga Deutschland: TuS Hordel bezwang die Gäste von FT Schweinfurt mit 1:0. 24.422 Zuschauer sahen, wie Lennard Rothe in der 83. Minute endlich den Bann brach - nach einer Partie, die eher einem Dauerfeuer auf das Schweinfurter Tor als einem ausgeglichenen Fußballspiel glich. Schon die ersten Minuten gaben den Ton an. Hordel rannte, kombinierte, flankte, schoss - und scheiterte. In der 14. Minute prüfte Mateja Anicic erstmals den jungen Schweinfurter Torhüter Günther Zimmer, der in der 30. Minute allerdings verletzt raus musste. Trainer Kevin Ferry brachte den erfahreneren Yanik Strauss, der fortan zum tragischen Helden des Abends wurde. "Ich dachte, irgendwann muss doch mal einer reingehen", stöhnte Strauss nach Abpfiff und griff sich an die Stirn. "Aber der Ball hatte heute wohl was gegen mich." Das passte ins Bild. 17 Torschüsse zählten die Statistiker für Hordel, nur zwei für Schweinfurt - und selbst diese beiden wirkten eher wie höfliche Anfragen ans Tor als ernsthafte Bedrohung. Hordel dominierte mit 54 Prozent Ballbesitz und einer Zweikampfquote von fast 59 Prozent. In Zahlen: das war ein Klassenunterschied, nur dass das Ergebnis lange so tat, als sei alles offen. Trainerin Ute Finkeldy, die mit ihrer gewohnt heiseren Stimme an der Seitenlinie agierte wie eine Mischung aus Motivationscoach und Dirigentin, hatte ihr Team offensiv eingestellt. "Wir wollten früh draufgehen, aber nicht kopflos", erklärte sie. "Also sind wir kopflos draufgegangen und haben’s dann korrigiert." Ein Satz, der das Spiel treffend zusammenfasst: viel Wille, etwas Chaos, aber am Ende der verdiente Sieg. In der 31. Minute versuchte es Mathias Stefan aus der Distanz, in der 40. wieder Rothe, kurz nach der Pause Berndt Brand - allesamt erfolglos. Die Zuschauer auf der Nordtribüne begannen schon, Wetten abzuschließen, wer als Nächster vorbeischießt. Ein älterer Herr mit Schal rief: "Wenn der Ball noch einmal über die Latte geht, spendier ich ihm ein Fernglas!" Rothe selbst schien davon nichts mitzubekommen. Der 23-Jährige ackerte, kämpfte und sah in der 48. Minute Gelb - wohl auch aus Frust. "Ich wollte nur den Ball wiederhaben", verteidigte er sich später grinsend. "Aber der Schiri meinte, das war zu leidenschaftlich." Während Schweinfurt kaum noch aus der eigenen Hälfte kam, klammerte sich Trainer Ferry an seine Taktiktafel, als hinge sein Leben davon ab. "Lange Bälle, Jungs, lange Bälle!", brüllte er, als wäre es ein geheimes Mantra. Doch die langen Bälle endeten meist kurz - nämlich am Kopf von Hordels Innenverteidiger Luke Kinsella. Dann kam die 83. Minute, und plötzlich war alles gut. Berndt Brand, der 35-jährige Routinier, tankte sich auf rechts durch und legte flach in den Strafraum. Rothe rauschte heran und drosch den Ball mit links ins Netz. Ein klassisches "Endlich!"-Tor. Der Jubel war so laut, dass selbst der Stadionkiosk kurz verstummte. "Ich hab einfach draufgehalten", sagte Rothe später. "Nach dem 17. Versuch darf man das." Schweinfurt versuchte in den letzten Minuten noch einmal, sich aufzubäumen. Harry Marshal hatte in der 85. Minute die einzige nennenswerte Chance der Gäste, aber TuS-Torwart Jacob Montgomery pflückte den Ball lässig aus der Luft. "Ich hab mehr gefroren als gearbeitet", witzelte Montgomery nach dem Schlusspfiff. In der 88. Minute sah Schweinfurts Björn Ernst noch Gelb - sinnbildlich für einen Abend, an dem die Gäste mehr Karten als Chancen sammelten. Hordel hingegen spielte die letzten Minuten routiniert herunter, angeführt von einer lauten Trainerin Finkeldy, die von der Linie brüllte: "Jetzt nix mehr riskieren!" - und dabei selbst fast auf den Platz lief. Nach Abpfiff lagen sich die Hordeler Spieler in den Armen, als hätten sie ein Pokalfinale gewonnen. Und irgendwie fühlte es sich auch so an. "Das war kein schönes Spiel", gab Finkeldy später zu, "aber schön ist ja auch überschätzt." FT-Coach Ferry nahm die Niederlage mit Galgenhumor: "Wenn man nur zweimal aufs Tor schießt, sollte man vielleicht Basketball probieren." So blieb am Ende ein verdienter, wenn auch spätes 1:0 für TuS Hordel - ein Sieg, der in keiner Statistik, aber in vielen Herzen stehen wird. Und für Lennard Rothe? Der dürfte heute Nacht schlafen wie ein Torschütze, der weiß: Manchmal lohnt sich eben auch das 17. Mal. 01.05.643987 21:37 |
Sprücheklopfer
Ich bin gespannt auf den ersten Augenblick, wenn er auf dem Spielfeld erstmals wegen seiner Erkrankung von einem Gegenspieler dumm angemacht wird. Wenn er ihm dann in die Eier tritt, dann weiß ich, dass er gesund ist.
Uli Hoeneß zum Gesundheitszustand von Sebastian Deisler