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Es war ein frostiger Abend an der Ostsee, aber das, was TuS Hordel da am 21. Spieltag der 2. Liga Deutschland auf den Rasen zauberte, brachte selbst den hartgesottensten Rostocker Fan ins Schwitzen. 21 511 Zuschauer sahen ein 1:4‑Debakel aus Sicht der Kogge, das in dieser Deutlichkeit selbst Trainer Marko Maniurka überraschte. "Wir hatten mehr Ballbesitz, aber irgendwie war der Ball dann doch immer bei denen im Tor", murmelte der Coach nach dem Schlusspfiff - halb ratlos, halb resigniert. Dabei fing alles gar nicht so schlimm an. Hansa Rostock startete mit Schwung: schon in der zweiten Minute prüfte Issac Groat den Hordeler Keeper Jacob Montgomery, und wenige Minuten später rauschte ein Schuss von Eustatius Verbeck haarscharf vorbei. Die Rostocker schienen wach, die Fans optimistisch - bis zur 22. Minute. Da kombinierte sich Hordel plötzlich mit chirurgischer Präzision durch den Strafraum: Georg Heller steckte durch zu Lennard Rothe, der aus spitzem Winkel eiskalt zum 0:1 vollendete. "Der Ball klebte heute einfach am Fuß", grinste Rothe später in die Kameras. Und das war kein leeres Gerede - der junge Linksaußen war der Mann des Abends. Acht Minuten nach seinem Führungstreffer durfte Fjodor Koroljuk nach einer butterweichen Flanke von Karsten Runge das 0:2 markieren. Zu diesem Zeitpunkt rieben sich viele Rostocker Fans die Augen: War das wirklich der Tabellen‑13. aus Hordel, der da Fußball zelebrierte? Doch ein Hoffnungsschimmer flackerte kurz auf: In der 36. Minute schlug Rechtsverteidiger Sergio Forque zurück. Nach einem energischen Vorstoß von Kacper Willimowski nahm Forque aus 18 Metern Maß - und traf. 1:2, der Anschlusstreffer, endlich Applaus im Ostseestadion. "Ich hab einfach mal draufgehalten, weil vorne keiner stand", erzählte Forque später mit einem Grinsen. Die Fans hofften, dass das Momentum nun kippen würde. Doch Hordel ließ sich davon nicht beirren. Trainerin Ute Finkeldy, die an der Seitenlinie eher wie eine freundliche Tante als wie eine Taktik‑Füchsin wirkt, hatte offenbar den perfekten Matchplan. "Wir wollten mutig sein. Wenn du in Rostock nur verteidigst, gehst du unter - also dachten wir, greifen wir lieber an", erklärte sie trocken. Und ihr Team tat genau das. Rostock hatte zwar am Ende 52 Prozent Ballbesitz, aber Hordel schoss doppelt so oft aufs Tor (20:9). Die Gäste wirkten in jedem Zweikampf frischer, gedankenschneller, ja - schlicht galliger. In der 62. Minute war es erneut Lennard Rothe, der nach Vorarbeit von Vincent Albinana das 1:3 erzielte. Da half auch das verzweifelte Winken von Keeper Franck Bethune nichts mehr. Vier Minuten später setzte Curt Schöne mit einem satten Schuss ins lange Eck den Deckel drauf - 1:4, und die Hansa‑Fans verließen reihenweise die Sitzschalen. Zwischendurch hatte Hordel‑Verteidiger Detlev Foerster noch Gelb gesehen ("Ich wollte nur zeigen, dass ich auch da bin", scherzte er nach dem Spiel), und Luke Kinsella wurde später ebenfalls verwarnt. Mehr passierte disciplinarisch aber nicht - Hordel blieb cool, Rostock blieb ratlos. Nach dem Schlusspfiff stand Trainer Maniurka lange mit verschränkten Armen an der Seitenlinie. "Wir haben es uns anders vorgestellt", sagte er schließlich. "Aber Hordel war heute einfach gnadenlos effizient. Wir hatten Ideen - sie hatten Tore." Neben ihm schlich Kapitän Willimowski in die Kabine und murmelte: "Vier Torschüsse, vier Treffer - das ist fast schon unhöflich." Ganz anders die Stimmung im Hordeler Lager: Jubel, Lachen, Bierduschen. "Das war ein Statement", strahlte Doppeltorschütze Rothe. "Viele denken, Hordel kann nur mauern. Heute haben wir gezeigt, dass wir auch zaubern können." Selbst Keeper Montgomery grinste: "Ich hatte so wenig zu tun, ich hätte fast Eintritt bezahlt." Vielleicht war es einfach einer dieser Abende, an denen alles gegen Hansa lief - und alles für Hordel. Der Ballbesitz sah gut aus, die Statistiken schmeichelten, doch am Ende zählte das, was auf der Anzeigetafel stand: 1:4. Die Fans von Hansa Rostock sangen trotzdem noch ein letztes "Hansa forever" in die kalte Nacht, bevor sie in Richtung Hafen verschwanden. Vielleicht tröstete sie der Gedanke, dass es im Fußball manchmal nicht um Logik geht. Oder, wie ein älterer Fan beim Rausgehen brummte: "Wenn wir wenigstens so gekämpft hätten wie die Hordeler, dann wär’s nur 1:3 ausgegangen." Und so bleibt vom Abend vor allem die Erkenntnis: Hordel kam, sah und konterte - und Hansa Rostock hat eine Menge zu überdenken, bevor der nächste Sturm über die Ostsee zieht. 29.09.643987 09:36 |
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