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Jena unterliegt TuS Hordel in wildem 2:3 - Offensivspektakel mit bitterem Ende

Es war ein lauer Maiabend in Jena, doch auf dem Rasen herrschte Sturmwarnung. 28.663 Zuschauer sahen am 11. Spieltag der 2. Liga ein Spiel, das so viel Tempo hatte, dass mancher Fan beim Mitschreiben wohl Krämpfe im Kugelschreiber bekam. Am Ende jubelte TuS Hordel über ein 3:2, während Jena sich fragte, wie man mit 13 Torschüssen und fast 50 Prozent Ballbesitz trotzdem ohne Punkte dastehen kann.

Schon in der zweiten Minute flackerte das erste Gelb auf - Amaury Nunez trat beherzt zu, der Schiedsrichter offenbar noch wacher als so mancher Zuschauer auf der Haupttribüne. "Ich wollte nur zeigen, dass wir da sind", verteidigte sich Nunez später mit einem Grinsen. Ja, da waren sie - aber Hordel war schneller. In der 13. Minute spazierte Tim Pfeiffer durch die Jenaer Abwehrkette, als hätte er einen VIP-Pass für den Strafraum. Nach feinem Zuspiel von Olav Anders schob er trocken zum 0:1 ein.

Jena antwortete mit Wut im Bauch und Bruno Antunes mit Wucht im Fuß. Doch während seine ersten Abschlüsse noch an Torhüter Montgomery oder der eigenen Zielgenauigkeit scheiterten, legte Hordel nach. Marwin Rodriguez, 21 Jahre jung und mit der Selbstsicherheit eines Straßenkickers, traf in der 36. Minute zum 0:2 - Vorlage diesmal von Linksverteidiger Karsten Runge, der offenbar vergessen hatte, dass er eigentlich hinten bleiben sollte. "Ich dachte, warum nicht - der Weg war frei", lachte Runge später.

Kurz vor der Pause schien Jena dann doch noch den Anschluss gefunden zu haben. Amaury Nunez flankte butterweich, Bruno Antunes köpfte wuchtig - 1:2 in der 45. Minute, und das Stadion wachte endgültig auf. "Da dachte ich, das kippt jetzt", sagte Jenas Trainer Martin Wegner nach dem Spiel. Vielleicht dachte das auch seine Mannschaft - und vergaß, dass ein Spiel eben 90 Minuten dauert.

Nach der Pause blieb Jena offensiv, die Statistik zeigte später 13 Torschüsse, 53 Prozent gewonnene Zweikämpfe und ein Pressing, das den Gegner phasenweise in die eigene Hälfte zwang. Doch Hordel blieb gefährlich - und kaltschnäuzig. Nach 67 Minuten schloss Hermann Zimmermann für Jena einen mustergültigen Angriff über links ab, wieder vorbereitet von Nunez. Das 2:2 - der Ernst-Abbe-Sportpark bebte. "Wir waren da, wir hatten sie", meinte Wegner.

Doch die Freude währte nur vier Minuten. In der 71. Minute kam Hordel wieder mit einem Konter, so blitzsauber, dass man ihn im Lehrbuch abdrucken könnte. Olav Anders schickte Fjodor Koroljuk steil, der 32-Jährige blieb eiskalt und netzte zum 2:3 ein. "Ich hab nur kurz hochgeschaut, und dann war der Ball drin", grinste Koroljuk - der Satz eines echten Torjägers.

Die letzten zwanzig Minuten wurden ein einziges Anrennen der Gastgeber. Wegner brachte frische Kräfte: den 18-jährigen Swen Thomas, Mittelfeldmann Walter Jung und den jungen Stefan Raab im Sturm. Doch Hordel mauerte clever, Montgomery hielt, was zu halten war, und als Thomas in der 85. Minute aus spitzem Winkel abzog, hielt das Netz stand - leider auf der falschen Seite.

Jenas Trainer Wegner wirkte nach dem Abpfiff wie ein Mann, der zwischen Stolz und Verzweiflung schwankt. "So ein Spiel darfst du eigentlich nicht verlieren", meinte er, "aber wenn du deine Chancen nicht nutzt, hilft dir keine Statistik der Welt." Sein Gegenüber Ute Finkeldy, die Trainerin der Gäste, konterte trocken: "Wir hatten sechs Torschüsse und drei Tore. Das nennt man Effizienz - oder Glück. Ich nehme beides."

Auch die Fans hatten ihr Urteil schnell gefällt. Ein älterer Herr auf der Tribüne rief: "Schön gespielt, Jungs - aber Punkte gibt’s nicht für Ästhetik!" und erntete zustimmendes Lachen.

So stand am Ende ein 2:3 (1:2), das beiden Seiten Stoff zum Nachdenken gibt. Jena spielte mutig, offensiv, mit Leidenschaft - und kassierte doch die dritte Heimniederlage der Saison. Hordel dagegen zeigte, dass man mit langen Bällen, Kontern und einer Portion Kaltschnäuzigkeit durchaus dreifach punkten kann.

Vielleicht war dieses Spiel sinnbildlich für den Fußball selbst: ungerecht, unberechenbar und gerade deshalb so verdammt unterhaltsam. Oder, wie Bruno Antunes nach dem Duschen murmelte: "Wir hätten gewinnen müssen - aber wenigstens war’s schön anzusehen."

Und das war es wirklich. Wenn Schönheit Punkte gäbe, hätte Jena die Tabelle angeführt. Doch am Ende zählt - wie immer - das nackte Resultat: TuS Hordel lacht, Jena grübelt.

14.10.643999 09:27
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