Sportexpress
+++ Sportzeitung für Deutschland +++

Last-Minute-Schock an der Ostsee: Hennef siegt spät in Warnemünde

Ein kalter Januarabend, Flutlicht, 23.943 Zuschauer und ein Fußballspiel, das alles hatte - Drama, Kampf und diese Sorte Schluss, bei der der eine jubelnd im Matsch liegt und der andere fassungslos in die Nacht starrt. Der SC Hennef entführte beim 2:1-Erfolg in Warnemünde drei Punkte, die sich eher nach Raubzug als nach Auswärtssieg anfühlen dürften.

Dabei hatte alles so gut begonnen für den SV Warnemünde. Nach einigen energischen Vorstößen und zwei frühen Abschlüssen von Herman Anderson - der Mann, der offenbar auch bei Windstärke acht noch jede Flanke riecht - zappelte der Ball in der 26. Minute tatsächlich im Netz. Günter Kunze hatte sich rechts durchgetankt, flankte flach an den Fünfer, und Anderson hielt nur noch den Schuh hin. 1:0, und das Stadion bebte. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", lachte Anderson später, "aber er hat sich irgendwie entschieden, wieder reinzukommen."

Hennef wirkte da noch ein wenig wie auf Klassenfahrt: viel Ballbesitz, wenig Zielstrebigkeit. 53 Prozent Ballbesitz, zwölf Torschüsse - das liest sich später ordentlich, aber in der ersten halben Stunde war das eher Ballhalten als Balljagen. Trainer Giovanni Diaco stand an der Linie, die Hände tief in den Manteltaschen, und brummte in Richtung seiner Abwehr: "Wenn wir noch tiefer stehen, buddeln wir gleich!"

Doch kurz vor der Pause kam Hennef plötzlich ins Rollen. Ivica Dukic, der alte Mittelfeldstratege, steckte in der 41. Minute mustergültig auf den 21-jährigen Dominique Hayman durch. Der fackelte nicht lange, schob mit links ein - 1:1. "So ein Pass kommt nur einmal im Monat", grinste Dukic danach, "meistens im Training."

In der Pause herrschte in der Kabine des SV Warnemünde angeblich Redebedarf. Trainer Horst Horstmann, bekannt für seine trockene Art, soll laut einem anonymen Spieler "nicht geschrien, sondern einfach nur sehr ruhig gefragt haben, ob jemand zufällig Lust auf Verteidigen hätte." Danach lief es tatsächlich besser. Warnemünde presste höher, schob die Außenverteidiger nach vorn. Maik Stephan, sonst eher der ruhige Regisseur, holte sich eine Gelbe Karte, weil er offenbar zeigen wollte, dass auch Mittelfeldstrategen mal aufräumen können.

Die zweite Halbzeit war dann ein Abnutzungskampf. Beide Teams kamen zu Chancen - Anderson in der 57. Minute, Wilke in der 77. -, doch Hennefs Keeper Asier Beto parierte, als hätte er Spinnweben zwischen den Pfosten gespannt. "Ich hab einfach die Augen zugemacht", scherzte der Spanier später, "und gehofft, dass mich der Ball nicht trifft. Hat geklappt."

Als die Uhr auf die 90. Minute sprang, dachten viele schon an das Remis. Doch dann kam die Szene, die Warnemünde noch lange verfolgen dürfte. Hennefs Rechtsverteidiger Diego Sousa stürmte die Linie entlang, flankte scharf auf den zweiten Pfosten - und Caio Alves traf volley ins lange Eck. 2:1, ausgerechnet in der Nachspielzeit. Alves riss die Arme hoch, Sousa bekam für die Vorlage eine Gelbe Karte, weil er sich beim Jubel das Trikot über den Kopf zog. "War’s wert", grinste er später.

Horstmann stand da wie versteinert. "Wir haben bis zur letzten Sekunde alles gegeben", sagte er nach dem Spiel und fügte mit einem bitteren Lächeln hinzu: "Nur leider auch das Spiel." Sein Kollege Diaco dagegen hatte Mühe, das Grinsen zu verbergen: "Ich hatte schon angefangen, meine Jacke zuzumachen, da fällt das Tor - das ist Fußball. Oder Glück. Oder beides."

Statistisch betrachtet war es ein Duell auf Augenhöhe: 11 zu 12 Torschüsse, 46,7 Prozent Ballbesitz für Warnemünde, 53,3 für Hennef. Aber Fußball wird bekanntlich nicht nach Prozenten entschieden, sondern nach Toren - und da hatte Hennef das entscheidende eine mehr.

Als die Flutlichter langsam erloschen und die Fans sich in den kalten Ostseewind zurückmachten, hörte man einen älteren Zuschauer murmeln: "Schön war’s ja - bis zur 90. Minute." Der Mann wird wohl vielen aus dem Herzen gesprochen haben.

Horstmann verabschiedete sich mit einem Schulterzucken in die Kabine. "Wir lernen draus", sagte er trotzig. Vielleicht tut er das wirklich. Aber in dieser Nacht lernte Warnemünde vor allem eines: dass Fußball manchmal ein grausam ehrlicher Lehrer ist.

Und irgendwo in Hennef dürfte man beim Abendessen zufrieden genickt haben - der Auswärtssieg schmeckt am besten, wenn er in letzter Sekunde serviert wird.

19.09.643987 04:38
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
Eigentlich bin ich ein Supertyp. Aber ich kann wohl auch ein richtiger Arsch sein!
Mario Basler
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager