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Lünen trotzt Weiler ein 2:2 ab - und das Stadion bebt

2. Bundesliga | 10. Spieltag | 14.07.26 | Lüner SV - Weiler im Allgäu 2:2

Ein Dienstagabend, Flutlicht, 19.192 Zuschauer im Stadion am Schwansbell - und ein Spiel, das so ziemlich alles hatte: Tore, Gelbe Karten, fragende Blicke und die ganz große Leidenschaft. Lüner SV und Weiler im Allgäu trennten sich am 10. Spieltag der 2. Bundesliga mit 2:2 (1:1), und wer nach 90 Minuten behauptete, er hätte sich gelangweilt, der hat vermutlich das falsche Stadion erwischt.

Die Partie begann, wie man es von einem echten Zweitligakracher erwartet: mit offenem Visier und leichtem Chaos in der Defensive. Schon in der 15. Minute brandete Jubel auf, der die alte Tribüne erzittern ließ. Innenverteidiger Johann Haupt, sonst eher für rustikale Grätschen als für filigrane Ballkunst bekannt, wuchtete den Ball nach einer butterweichen Flanke von Callum Deschanel per Kopf ins Netz. "Ich weiß selbst nicht, wie ich da stand", grinste Haupt später. "Ich wollte eigentlich nur den Ball klären - plötzlich war er drin."

Weiler im Allgäu, von Trainer Mino Raiola (nicht verwandt mit dem legendären Spielerberater gleichen Namens, wie er selbst mit einem Augenzwinkern betonte) betreut, zeigte sich unbeeindruckt. Über die agilen Flügelspieler Dimas Allegri und Damian Vasco rollte Angriff um Angriff. In der 30. Minute fiel folgerichtig der Ausgleich: Nach kluger Vorarbeit von Allegri drückte Mittelstürmer Jannick Fritsch den Ball über die Linie - mit jener Selbstverständlichkeit, die Torjäger nun einmal haben. "Ich hab einfach gehofft, dass er durchrutscht", sagte Fritsch, "und diesmal hat er auf mich gehört."

Zur Halbzeit stand’s 1:1, die Statistik war so ausgeglichen wie das Ergebnis: Ballbesitz 50 zu 50, Torschüsse 9 zu 7. Beide Teams setzten auf offensives Pressing, beide auf "SURE"-Abschlüsse - also lieber einmal mehr quergelegt als wild draufgehalten. Nur Trainer Markus Hering vom Lüner SV war nicht ganz zufrieden: "Ich hab den Jungs gesagt, dass wir ruhig wieder ein bisschen chaotischer werden dürfen. Wir sind Lünen, kein Rechenzentrum."

Die zweite Halbzeit begann mit einer intensiven Phase, in der beide Mannschaften auf den Führungstreffer drängten. Lünen brachte frischen Wind: Williamson kam für Yaguez, später ersetzte Humberto Jorge den müden Deschanel. Doch das nächste Tor fiel auf der anderen Seite. In der 72. Minute, kaum war der 18-jährige Ophir Kashtan eingewechselt, setzte er ein Ausrufezeichen. Nach einer präzisen Flanke von Bernd Jahn nahm der Youngster den Ball direkt - und zimmerte ihn ins rechte Eck. 2:1 für Weiler, und plötzlich hörte man sogar die Allgäuer Ersatzbank jubeln, als hätten sie den Aufstieg schon sicher.

Doch Lünen wäre nicht Lünen, wenn sie nicht sofort zurückschlagen würden. Nur zwei Minuten später stach Joker Thomas Williamson, eben noch unauffällig, nun eiskalt. Duarte Barros spielte den perfekten Pass in den Lauf, und Williamson vollendete sicher zum 2:2. "Ich hab’s ihm vorher gesagt: Wenn du reinkommst, machst du das Ding", zwinkerte Trainer Hering später. Williamson grinste nur: "Dann schuldet er mir jetzt ein Bier."

Danach entwickelte sich ein offener Schlagabtausch: Lünen mit insgesamt 16 Torschüssen, Weiler mit 11 - aber beide mit der Präzision eines Schützenfestes bei Windstärke acht. Haupt holte sich in der 56. Minute noch Gelb ab ("Ich wollte eigentlich nur den Rasen testen"), und Torhüter Jerome Baillon rettete in der 79. Minute mit einer Glanzparade gegen Foerster den Punkt.

Nach dem Abpfiff waren alle irgendwie zufrieden - oder zumindest nicht unzufrieden. "Ein gerechtes Ergebnis", meinte Weilers Kapitän Fritsch. "Aber wenn du zweimal führst, willst du halt mehr." Lünens Abwehrchef Haupt hingegen sah das pragmatischer: "Wir haben zweimal einen Rückstand verhindert - das ist fast wie ein Sieg."

Trainer Raiola fasste es am Ende trocken zusammen: "Beide Teams haben offensiv gespielt, defensiv gelitten - und das Publikum hat gewonnen."

Ein Satz, der das Spiel perfekt beschreibt. Zwei Mannschaften, die mutig nach vorn spielen, ein Ergebnis, das keiner so richtig erklären, aber jeder irgendwie feiern kann. Lünen bleibt damit seit vier Spielen ungeschlagen, Weiler zeigt weiter, dass man auch mit jugendlichem Übermut Punkte holen kann.

Und während die Flutlichtmasten langsam erloschen, murmelte ein älterer Lüner Fan auf der Tribüne: "So ein Spiel guckst du dir lieber an als jede Netflix-Serie." Dem ist nichts hinzuzufügen.

14.07.2026 21:12
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