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Lüner SV dreht den Abend: 3:2-Sieg beim Hamburger SC

2. Bundesliga | 34. Spieltag | 21.10.26 | Hamburger SC - Lüner SV 2:3

26606 Zuschauer waren gekommen, um am 34. Spieltag der 2. Bundesliga einen gelungenen Saisonabschluss des Hamburger SC zu erleben. Stattdessen bekamen sie am Mittwochabend um 20.30 Uhr ein Fußballspiel serviert, das sich benahm wie ein Kühlschrank mit Wackelkontakt: mal kalt, mal heiß, und am Ende ging trotzdem das Licht aus. Der Lüner SV gewann beim Hamburger SC mit 3:2, zur Pause hatte es 2:2 gestanden.

Dabei begann der Abend durchaus nach dem Geschmack der Gastgeber. Hamburger SC spielte offensiv, hielt den Ball zu 55,3 Prozent in den eigenen Reihen und versuchte, das Geschehen mit kontrolliertem Passspiel zu bestimmen. Trainer Bernd Happel hatte seiner Mannschaft offenbar eingeschärft, geduldig zu bleiben und gute Chancen herauszuspielen. Die Spieler hörten zu - zumindest solange, bis Lüner SV dazwischenfunkte.

In der 20. Minute prüfte Minos Alexiou erstmals den Lüner Torhüter Jerome Baillon. Drei Minuten später zog William Hawn nach. Die Antwort der Gäste fiel jedoch nicht höflich, sondern ausgesprochen direkt aus: Thomas Williamson traf in der 26. Minute zur Führung. Zuvor hatte Gudmund Nilsson die Situation vorbereitet. Williamson, der bereits in der Anfangsphase immer wieder für Unruhe sorgte, ließ sich davon offenbar inspirieren und legte noch einmal nach: In der 43. Minute erzielte er sein zweites Tor des Abends, diesmal nach Vorarbeit von Simon Stock.

Zwischen diesen beiden Nadelstichen schien Hamburger SC das Spiel drehen zu können. In der 35. Minute glich Leandro Beto aus, nachdem Timm Koch aufgelegt hatte. Nur zwei Minuten später sorgte Harold Landseer für das 2:1, erneut war Koch beteiligt. Der 18-Jährige entwickelte sich damit zum wandelnden Unruheherd auf der linken Seite. "Timm hat heute Bälle verteilt, als hätte er irgendwo einen zweiten Vorrat versteckt", sagte Happel später mit einem Lächeln. "Leider haben wir nicht genug daraus gemacht."

Die erste Hälfte endete 2:2 - ein Ergebnis, das gleichermaßen nach Spektakel und nach Abwehrarbeit mit offenem Fenster roch. Lüner SV hatte in den ersten 45 Minuten fünf Torschüsse abgegeben, Hamburger SC deren vier. Die Zweikämpfe waren nahezu ausgeglichen, was vor allem bedeutete: Niemand schenkte etwas her, aber alle schenkten dem Gegner gelegentlich etwas Raum.

Zur Pause wechselte Hamburger SC doppelt. Phillip Chalaskiewicz kam für Minos Alexiou, Salvador Duran ersetzte Phillip Hase. Bei Lüner SV kam Bernard Picard für Sebastian Majak. Das Spiel blieb offensiv ausgerichtet, doch die Gäste wirkten nach dem Seitenwechsel etwas wacher. "Wir haben gesagt: ruhig bleiben, weiter nach vorne", berichtete Lüner-Trainer Markus Hering. "Und dann haben wir uns gedacht: Warum eigentlich ruhig?"

Die Antwort gab Inigo Santoyo in der 72. Minute. Nach einer Vorlage von Baltsar Pettersson traf der eingewechselte beziehungsweise später ausgewechselte Mittelstürmer zum 3:2 für Lüner SV. Hamburger SC besaß danach mehr Ball und drängte auf den Ausgleich. Timm Koch versuchte es in der 71. und 74. Minute, William Hawn hatte zuvor ebenfalls für Gefahr gesorgt. Doch die zehn weiteren Hamburger Torschüsse - insgesamt waren es elf - blieben ohne Ertrag.

Lüner SV kam auf neun Torschüsse und verteidigte den Vorsprung mit jener Mischung aus Disziplin und gelegentlichem Wegschlagen, die im Fußball gern "clever" genannt wird, wenn der eigene Puls nicht betroffen ist. Adriano Coluna sah in der 77. Minute Gelb, Gudmund Nilsson in der Nachspielzeit. Für Hamburger SC wurden Ronald Geiger, Minos Alexiou und Phillip Hase verwarnt.

"Wir hatten mehr Ballbesitz und mehr Abschlüsse, aber Lüner SV hatte die besseren Momente", sagte Happel. "Das ist eine dieser Rechnungen, bei denen man als Trainer gern den Taschenrechner aus dem Fenster werfen würde." Hering dagegen bilanzierte trocken: "Auswärts drei Tore zu schießen, ist selten eine schlechte Idee."

So blieb Hamburger SC nur der Applaus für eine mutige, aber letztlich erfolglose Vorstellung. Lüner SV nahm drei Punkte mit - und vermutlich auch die Erkenntnis, dass man mit neun Torschüssen und ein wenig Williamson, Santoyo und Pettersson erstaunlich weit kommen kann.

22.10.2026 10:40
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