// Startseite
| Sportexpress |
| +++ Sportzeitung für Deutschland +++ |
|
|
|
Ein kalter Februarabend in Weimar, Flutlicht, 19.880 Zuschauer - und einer, der die Bühne für sich allein beanspruchte: Hermann Lutz. Der 26-jährige Rechtsaußen des SC Weimar erzielte beim 3:1-Sieg gegen den SV Steuden alle drei Tore für die Gastgeber. "Ich wollte heute einfach mal Spaß haben", grinste Lutz nach dem Spiel, "und wenn der Ball dann so gehorcht, macht’s doppelt Laune." Dabei hatte es anfangs gar nicht nach einem Weimarer Festakt ausgesehen. Steuden kam mit breiter Brust und offensiver Ausrichtung - Trainer Karli Konter hatte sein Team mutig eingestellt, "wir wollten Weimar gleich den Spaß am Spiel nehmen", so der Coach später. Und tatsächlich legte sein Team los wie die Feuerwehr: Bereits nach einer Viertelstunde belohnte sich der agile Eugenio Villa nach Vorlage von Außenverteidiger Matthias Kraft mit dem 0:1. Ein trockener Schuss aus 14 Metern, Torwart Daniel Mohr ohne Chance - und die rund 400 mitgereisten Steudener Fans sangen sich warm. Weimar schüttelte sich kurz, dann kam das, was man wohl "erwachte Gemütlichkeit" nennen darf. Nach ein paar misslungenen Flankenversuchen schickte Mittelfeldmotor Joschua Döring in der 29. Minute einen butterweichen Pass auf Lutz, der den Ball mit der Brust annahm und trocken zum 1:1 einschob. "Da war der Knoten geplatzt", sagte Trainer Pino Zimmermann später. Und in der Tat: Von diesem Moment an spielte nur noch Weimar. Statistisch sah das Spiel lange ausgeglichen aus - 12:12 Torschüsse, Ballbesitz 47 zu 53 Prozent -, aber der Unterschied lag in der Konsequenz. Während Steuden weiter versuchte, mit feiner Technik und geduldigem Aufbau zu glänzen, wählte Weimar den pragmatischen Weg: zielstrebig, direkt, mit einem Schuss galligem Humor. Nach der Pause dauerte es nur gut eine Viertelstunde, bis Lutz erneut zuschlug. In der 62. Minute legte Yannik Reimann uneigennützig quer, und Lutz vollendete eiskalt zum 2:1. Felix Carlsson im Steudener Tor schimpfte lautstark über seine Abwehr, "aber wen willst du da anschreien, wenn der Lutz schon wieder frei steht?", murmelte ein genervter Verteidiger beim Rückweg in die eigene Hälfte. Zimmermann reagierte danach clever: Er brachte frische Beine auf links - Michael Pan kam für den jungen Klaus Sander - und stabilisierte so die Balance im Mittelfeld. In der 71. Minute fiel dann die Entscheidung: Marcus Brand flankte punktgenau von rechts, Lutz schraubte sich in die Luft und köpfte zum 3:1 ein. Ein Tor wie aus dem Lehrbuch, das selbst die kältesten Hände im Stadion zum Applaus zwang. "Wir haben’s heute einfach nicht geschafft, Lutz in den Griff zu bekommen", gab Steudens Trainer Konter zu. "Dreimal derselbe Typ, dreimal dasselbe Problem." Seine Mannschaft zeigte zwar Moral, kam aber nie wirklich zurück. Und als in der 74. Minute der junge Mateo Esteve verletzt ausgewechselt werden musste, war der Steudener Offensivgeist endgültig gebrochen. Weimar dagegen spielte das Ergebnis souverän herunter, ohne in übertriebenen Verwaltungsmodus zu verfallen. Döring und der eingewechselte Pan ließen noch zwei gute Chancen liegen, ehe Schiedsrichterin Schäfer nach 95 Minuten den Deckel draufmachte. Nach dem Abpfiff feierten die Weimarer Spieler ausgelassen vor der Kurve. Lutz, inzwischen von Fans mit Schal und Bierdusche dekoriert, fasste es treffend zusammen: "Heute war’s einfach einer dieser Abende, an denen man merkt, warum man Fußball spielt - und warum man ihn manchmal hasst, wenn’s nicht läuft." Trainer Zimmermann ergänzte augenzwinkernd: "Ich überlege, ihm eine Prämie pro Tor zu streichen - sonst wird er mir noch zu teuer." Für Steuden bleibt die Erkenntnis, dass mutiger Offensivfußball nicht immer belohnt wird. Trotz leichtem Ballbesitzvorteil und engagierter Anfangsphase fehlte am Ende die defensive Stabilität. Zwei Gelbe Karten - für Matthias Kraft (20.) und Laszlo Moti (87.) - passten ins Bild einer Mannschaft, die am Ende mehr Frust als Fortune sammelte. Weimar dagegen kann mit dem Sieg weiter nach oben schielen. Ein Dreier gegen einen direkten Konkurrenten, ein Dreierpack von Lutz - und ein Trainer, der sichtlich Spaß daran hat, wie seine Mannschaft wächst. Oder, wie ein Zuschauer es beim Hinausgehen trocken formulierte: "Wenn der Lutz so weitertrifft, brauchen wir bald ein größeres Stadion." Und wer weiß - vielleicht auch einen neuen Spitznamen für ihn. "Herrmann, der Hammer von Weimar", klingt jedenfalls nicht ganz falsch. 28.01.643991 00:05 |
Sprücheklopfer
Bei diesem Schiedsrichter hätte auch unser Busfahrer eine gelbe Karte bekommen.
Rainer Calmund