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McGee rettet Marzahn spät - Bad Urach verpasst den großen Wurf

Ein nasskalter Januarabend, Flutlicht, 30.043 Zuschauer im Marzahner Stadion - und am Ende ein 1:1, das beiden Teams irgendwie nicht so richtig schmecken wollte. Der FC Marzahn und der FV Bad Urach trennten sich in einem intensiven, manchmal wilden Spiel mit einem gerechten, aber zugleich unbefriedigenden Remis.

Schon nach sechs Minuten bebte der Gästeblock: Frank Keller, 22 Jahre jung und offenbar ohne Respekt vor großen Namen, traf nach Vorlage von Xavi Rocha eiskalt zur frühen Führung für die Gäste aus Baden-Württemberg. "Ich hab einfach draufgehalten - und gehofft, dass keiner meckert", grinste Keller nach dem Spiel. Meckern? Ganz im Gegenteil: Trainer Giuseppe Spera klatschte an der Seitenlinie begeistert in die Hände, während Marzahns Coach Frank Henning mit dem Ausdruck eines Mannes dastand, der seine Einkaufsliste verloren hat.

Bad Urach spielte im ersten Durchgang schnörkellos und direkt, oft mit langen Bällen in die Spitze. Keller war dabei der unermüdliche Zielspieler, flankiert von Eduardo Pelegrin, der auf der rechten Seite mit Tempo und Technik glänzte. Ganze 17 Torschüsse feuerten die Gäste im Laufe der Partie ab, viele davon kamen in der ersten halben Stunde - Marzahns Abwehr, sonst solide, wirkte phasenweise wie ein überfordertes Navigationssystem: ständig in Bewegung, aber selten in der richtigen Richtung.

Der FC Marzahn hatte zwar mehr Ballbesitz (53 Prozent), aber zunächst wenig Ertrag. Pedro Valdes versuchte es aus der Distanz (15.), Charles McGee prüfte Gästetorwart Jegor Schepelew in der 31. Minute, doch der blieb so cool wie ein Kühlschrank in der Arktis. "Wir waren zu brav", ärgerte sich Henning später. "Die Jungs dachten wohl, Ballbesitzpunkte gäbe es extra."

Nach dem Seitenwechsel drehte Marzahn auf. Das Publikum spürte, dass da noch was geht - und spätestens als Charles McGee nach 68 Minuten den Ball volley ins Netz hämmerte, explodierte das Stadion. Peter Mann hatte von rechts geflankt, McGee setzte sich gegen zwei Verteidiger durch und traf - ein Tor wie aus dem Lehrbuch. "Ich hab den Ball perfekt erwischt, ehrlich gesagt war ich selbst überrascht", lachte McGee später mit einem breiten Grinsen.

Danach entwickelte sich ein offener Schlagabtausch. Bad Urach wechselte doppelt (75.), brachte frische Beine in Form von Hermann Nowak und Tim Roth, und erhöhte die Aggressivität spürbar. Marzahn blieb bei seiner eher geduldigen, konterorientierten Ausrichtung - Hennings Team wirkte dabei fast philosophisch gelassen. "Wir sind keine Jäger, wir sind Sammler - wir sammeln Chancen", witzelte der Trainer an der Seitenlinie, bevor er lautstark über eine vergebene Möglichkeit von Jake Carsley (67.) fluchte.

Die Schlussphase gehörte wieder Bad Urach. Keller, der Mann des Abends, rannte bis zur 85. Minute, als er noch einmal aus spitzem Winkel abschloss, aber an Keeper Vicente Domingos scheiterte. In der 94. Minute versuchte es sogar Rechtsverteidiger Xavier Tiago - ein Schuss wie ein Silvesterböller, aber leider genauso unpräzise.

Nach dem Abpfiff fielen sich beide Trainer in die Arme - halb Respekt, halb Erleichterung. "Das war Werbung für den ehrlichen Fußball", schnaufte Giuseppe Spera. Henning dagegen murmelte: "Ich hätte lieber Werbung für drei Punkte gemacht."

Statistisch gesehen war das Unentschieden gerecht: Bad Urach mit mehr Torschüssen, Marzahn mit mehr Ballbesitz; beide Teams mit Einsatz, aber ohne das nötige Quäntchen Glück. Die Gäste spielten lange Zeit mit standardmäßiger Aggressivität, erhöhten sie jedoch gegen Ende spürbar - während Marzahn, getreu seinem taktischen Motto "weniger ist mehr", auch in der hektischen Schlussphase erstaunlich ruhig blieb.

Für die Fans war es trotz allem ein unterhaltsamer Abend. Auf den Rängen wurde gelacht, geflucht und gefroren - echte Fußballromantik also. Ein älterer Herr im Marzahner Trikot brachte es beim Verlassen des Stadions auf den Punkt: "So ein 1:1 ist wie kalter Kaffee - aber wenigstens ist er noch da."

Ein bisschen sarkastisch, ein bisschen versöhnlich und am Ende doch typisch Fußball: Zwei Mannschaften, die alles geben, ein Spiel, das alles hat - nur eben keinen Sieger. Und während Marzahn nun über verpasste Chancen sinniert und Bad Urach die Busfahrt nach Hause mit gemischten Gefühlen antritt, bleibt die Erkenntnis: Manchmal ist ein Unentschieden eben gerechter, als beiden lieb ist.

Oder, wie Frank Keller es formulierte, während er sich die Schuhe auszog: "Wenn du einmal triffst und trotzdem nicht gewinnst, weißt du, es war ein richtiges Spiel."

14.05.643987 23:58
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Lorant ist von seinem Niveau her bei einem Verein, der sein Niveau hat.
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