// Startseite
| Sportexpress |
| +++ Sportzeitung für Deutschland +++ |
|
|
|
Es war einer dieser Abende im Emsland, an denen der SV Meppen seinen Fans wieder zeigte, warum Fußball nicht nur ein Spiel, sondern manchmal auch eine kleine Theateraufführung ist. 27.000 Zuschauer im ausverkauften Hänsch-Stadion sahen am Freitagabend einen 2:0-Erfolg gegen den TuS Hordel - und das nach einer ersten Halbzeit, in der die Gastgeber so viele Chancen liegen ließen, dass man fast an eine Tor-Allergie hätte glauben können. Trainer Daniel Borgmann hatte sein Team offensiv ausgerichtet. "Wir wollten von Anfang an Druck machen, aber bitte nicht gleich alles zerschießen", scherzte er später. Und tatsächlich: Schon nach 13 Minuten prüfte Joel Völker den jungen Hordeler Keeper Davide Lorenzo mit einem satten Schuss, den dieser mit einer Mischung aus Reflex und Panik irgendwie über die Latte lenkte. Johannes Stark, der bullige Mittelstürmer Meppens, durfte sich danach mehrfach versuchen - in der 16., 35., 48., 77., 84. und gar noch in der Nachspielzeit. Das nennt man Hartnäckigkeit. Leider fehlte nur das Zielwasser. Zur Pause stand es 0:0, und auf der Tribüne hörte man einen älteren Fan seufzen: "Wenn die so weitermachen, brauchen wir bald ’nen zweiten Ball, damit wenigstens einer reingeht." Doch Borgmann blieb gelassen. "Ich hab in der Kabine nur gesagt: Jungs, irgendwann muss der Ball ja mal rein. Gesetze der Wahrscheinlichkeit und so." Und dann kam die 60. Minute, jene magische Marke, an der Statistiker plötzlich zu Romantikern werden. Lukas Rieger, der flinke Linksfuß, flankte mit chirurgischer Präzision auf Herbert Hummel. Der 22-Jährige nahm den Ball volley und drosch ihn kompromisslos ins Netz - 1:0 für den SV Meppen. Das Stadion explodierte, und Hummel riss die Arme hoch, als hätte er gerade die Champions League gewonnen. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste er hinterher, "aber wenn’s so reingeht, beschwert sich keiner." TuS Hordel wirkte danach kurz geschockt, rappelte sich aber wieder auf. Detlev Foerster versuchte es in der 76. Minute aus der Distanz - einer der zwei Torschüsse der Gäste überhaupt. Meppens Keeper Jürgen Pfeiffer musste immerhin einmal abtauchen, um den Ball sicher zu entschärfen. "Ich wollte auch mal mitspielen", witzelte der 35-Jährige später. Die Entscheidung fiel in der 75. Minute, und sie war fast eine Kopie des ersten Treffers - nur spiegelverkehrt. Rechtsverteidiger Joao Da Cru setzte zu einem beherzten Lauf an, flankte halbhoch, und Lukas Rieger stand plötzlich da, wo ein Linksaußen stehen sollte: goldrichtig. Mit einem kurzen Schlenzer ins lange Eck machte der 20-Jährige alles klar - 2:0. Danach war die Partie gelaufen. "Lukas ist ein Junge, der manchmal noch mit dem Bus zum Training kommt", sagte Borgmann schmunzelnd. "Aber heute ist er gefahren wie ein Ferrari." Bei TuS Hordel hingegen herrschte betretenes Schweigen. Trainerin Ute Finkeldy suchte nach Worten: "Wir haben uns bemüht, den Ball auch mal nach vorne zu bringen. Aber Meppen war einfach präsenter. Und wenn man nur zwei Schüsse aufs Tor hat, dann ist das halt… schwierig." Die Statistik sprach ohnehin Bände: 54,6 Prozent Ballbesitz, 14 Torschüsse und eine Zweikampfquote von 58 Prozent für die Emsländer. Es war kein rauschendes Offensivfeuerwerk, aber eine kontrollierte Vorstellung mit klarem Plan. Einziger Wermutstropfen: Berndt Marx sah in der 79. Minute Gelb, weil er offenbar vergessen hatte, dass man den Gegner nicht gleichzeitig foulen und umarmen darf. Kurz vor Schluss wechselte Borgmann noch fröhlich durch - Janis Frey kam, um frischen Wind über rechts zu bringen, und Jannik Beier durfte für den müden Matthias Bock ran. Währenddessen rief ein Zuschauer Richtung Trainerbank: "Jetzt kann nix mehr schiefgehen, das ist ja schon fast italienisch abgeklärt!" Nach dem Schlusspfiff feierten die Meppener Spieler ausgelassen vor der Fankurve. Hummel tanzte mit dem Ball unter dem Arm, und Rieger ließ sich auf die Schultern seiner Kollegen heben. Pfeiffer winkte den Fans zu, als wäre er der Kaiser persönlich. Borgmann fasste es trocken zusammen: "Wir haben’s uns schwer gemacht, aber am Ende zählt: drei Punkte, kein Gegentor, gute Laune." Und so ging ein kalter Januarabend im Emsland mit einem warmen Gefühl zu Ende - dem Gefühl, dass beim SV Meppen wieder etwas wächst. Vielleicht kein Märchen, aber immerhin ein richtig schönes Fußballkapitel. Oder wie ein Fan beim Verlassen des Stadions sagte: "Wenn Hummel und Rieger so weitermachen, brauch ich bald ’ne Dauerkarte - und ’nen Blutdruckmesser." 02.05.643987 06:28 |
Sprücheklopfer
Ich hoffe, dass die deutsche Mannschaft auch in der 2. Halbzeit eine runde Leistung zeigt, das würde die Leistung abrunden!
Günter Netzer