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Wenn ein Team einen rabenschwarzen Abend hat, dann sah er am Freitagabend in Schweinfurt so aus: TuS Hordel kam, sah - und kassierte sechs. FT Schweinfurt dagegen feierte beim 6:0 (2:0) vor 28.461 begeisterten Zuschauern ein Fußballfest, das in der Stadt wohl noch einige Tage nachhallen wird. Es begann so, wie es für Gäste-Trainerin Ute Finkeldy wohl in keinem Albtraum schlimmer hätte laufen können. Schon in der 20. Minute klingelte es zum ersten Mal: Der 20-jährige Herbert Neubauer, Schweinfurts pfeilschneller Rechtsaußen, traf nach einem feinen langen Ball von Innenverteidiger Miroslav Abraham. "Ich hab ihn einfach laufen lassen", grinste Abraham nach dem Spiel, "und Herbert macht den Rest. Ich sag immer: Lieber vorne treffen als hinten schwitzen." Nur drei Minuten später wiederholte sich die Szene fast identisch. Wieder Abraham, wieder Neubauer, wieder Tor. 2:0, und das Publikum sang fröhlich von der Tabellenführung, obwohl diese rechnerisch gar nicht feststand. Die Gäste aus Hordel wirkten da schon wie ein Boxer, der nach zwei Haken in der ersten Runde taumelt und die Ringseile sucht. Trainer Kevin Ferry von FT Schweinfurt stand derweil an der Seitenlinie, verschränkte die Arme und grinste zufrieden. "Das war genau unser Plan: früh draufgehen, lang spielen, und wenn’s klappt, ruhig weitermachen." Dass es "klappte", ist eine Untertreibung sondergleichen. Denn auch nach dem Seitenwechsel blieb Schweinfurt gierig. Neubauer, der an diesem Abend alles traf, was nicht weglief, erzielte in der 54. Minute sein drittes Tor - der Hattrick war perfekt. Der junge Mann aus der eigenen Jugend zeigte dabei mehr Ruhe vor dem Tor als mancher Routinier. "Ich hab einfach nicht nachgedacht", sagte er später lachend. "Und das ist wohl das Beste, was man als Stürmer machen kann." Hordel versuchte nach der Pause mit drei frischen Kräften - unter anderem kam Torhüter Kay Fuhrmann für den bedauernswerten Davide Lorenzo -, aber es half nichts. Die Gäste kamen zwar zu vier Torschüssen insgesamt, doch Schweinfurts Keeper Günther Zimmer, später durch den 17-jährigen Veselin Krstajic ersetzt, hatte kaum Gelegenheit, sich die Handschuhe schmutzig zu machen. Im Mittelfeld dirigierten Karl Lorenz und Menachem Lieberman das Geschehen nach Belieben. Lorenz setzte in der 78. Minute selbst ein Ausrufezeichen, als er einen Abpraller aus 20 Metern per Direktabnahme in die Maschen drosch - 4:0. "Ich wollte eigentlich flanken", schmunzelte er im Interview, "aber manchmal ist Ehrlichkeit überbewertet." Doch Schweinfurt hatte noch nicht genug. Der 19-jährige Harry Marshal, ohnehin ein Publikumsliebling, machte in der 88. Minute nach Vorlage von Sven Moser das 5:0 - und grinste dabei so breit, dass selbst der Schiedsrichter kurz lächeln musste. "Sven hat mich gesehen, und ich dachte, ich hau einfach drauf. Und dann war der Ball drin. Easy", erklärte Marshal, als wäre das eine alltägliche Routine. In der Nachspielzeit krönte schließlich Rechtsverteidiger Liam Stein die Schweinfurter Gala. Nach einem Sprint über 50 Meter und erneut einem Pass von Moser traf er zum 6:0. "Ich dachte, der Trainer wechselt mich gleich aus", witzelte Stein, "also wollte ich noch schnell was fürs Torverhältnis tun." TuS Hordel dagegen konnte einem fast leidtun. Trotz 45 Prozent Ballbesitz und bemühtem Offensivdrang wirkten die Gäste harmlos. Trainerin Ute Finkeldy zeigte sich nach dem Spiel gefasst: "Wir wussten, dass Schweinfurt stark ist. Aber heute hat einfach alles gegen uns gesprochen - selbst der Wind war gegen uns." Zwei Gelbe Karten (Abraham 67., Riedel 92.) auf Schweinfurter Seite und eine für Hordels Klaus Merkel (72.) blieben die einzigen Flecken auf einem ansonsten makellosen Heimabend. Die Statistik untermauert das Geschehen: 16 Torschüsse für Schweinfurt, nur vier für Hordel, dazu 54 Prozent Ballbesitz für die Gastgeber. Das Ergebnis war also kein Zufall, sondern das logische Produkt konzentrierter Dominanz. Als die Zuschauer nach dem Schlusspfiff aufstanden, klatschten sie minutenlang. Trainer Ferry bedankte sich mit einer Verbeugung: "Das war Schweinfurter Fußball, wie ich ihn liebe - frech, schnell, kompromisslos." Sein Gegenüber Finkeldy hatte das Schlusswort: "Wenn du sechs kriegst, kannst du nur noch lernen. Und hoffen, dass du das Rückspiel schnell vergisst." Ein Abend, den Schweinfurt so schnell nicht vergessen wird - und Hordel wohl noch langsamer. 20.05.643993 20:03 |
Sprücheklopfer
Che Guevara war ein Rebell, ein Kämpfer für sein Land. Das will ich auch sein. Ich will den Schwachen helfen. Das ist im Fußball genauso, da muss man den schwachen Gegner auch aufbauen. Das ist so eine eigene Logik von mir, dazu will ich gar nicht viel sagen.
Torsten Legat zu seiner Che Guevara-Tätowierung