// Startseite
| Sportexpress |
| +++ Sportzeitung für Deutschland +++ |
|
|
|
Es war einer dieser Abende, an denen man sich fragt, ob das Flutlicht im Hennefer Stadion nicht heller strahlte als der Offensivgeist beider Mannschaften. 18.242 Zuschauer sahen ein torloses 0:0 zwischen dem SC Hennef und Hansa Rostock - ein Ergebnis, das so gerecht wie unbefriedigend war. "Wir hätten hier auch bis Mitternacht spielen können", murmelte Hennefs Trainer Giovanni Diaco nach Abpfiff, "und wahrscheinlich wäre der Ball trotzdem nicht reingegangen." Dabei begann die Partie durchaus lebendig. Hansa Rostock, von Trainer Marko Maniurka gewohnt auf Flügelspiel eingestellt, startete mit ordentlich Dampf. Schon in der 9. Minute prüfte Owen Ireland, der rechte Wirbelwind der Hanseaten, Hennefs Keeper Sinisa Jovic - der parierte glänzend, ließ aber erkennen, dass er an diesem Abend noch einiges zu tun bekommen würde. Nur sieben Minuten später wieder Ireland, diesmal aus spitzem Winkel, wieder Jovic. Der Torwart ballte die Faust, als hätte er gerade den Siegtreffer markiert. Hennef brauchte gut 20 Minuten, um in die Partie zu finden. Der 18-jährige Benjamin Lewis zog in der 18. Minute erstmals beherzt ab - ein Schuss, den Rostocks Torhüter Franck Bethune mit den Fingerspitzen über die Latte lenkte. "Ich hab kurz gedacht, der geht rein", sagte Lewis danach schulterzuckend, "aber dann erinnerte ich mich: Ich spiele ja heute gegen einen Torwart." Rostock blieb das aktivere Team, hatte bis zur Pause mehr Abschlüsse (6:2) und versuchte es beharrlich über die Außen. Owen Ireland (19., 47., 80., 86.) war dabei so etwas wie die personifizierte Dauerbeschäftigung für Hennefs linke Abwehrseite. Doch der Ball wollte einfach nicht ins Netz. "Wir haben alles versucht - Flanken, Distanzschüsse, Stoßgebete", grinste Maniurka später, "aber offenbar hat der Fußballgott heute Hennefer Wurzeln." Die zweite Halbzeit begann mit einem kurzen Aufbäumen der Gastgeber. Raul Gelmirez, der flinke Linksaußen, prüfte in der 54. und 69. Minute die Rostocker Defensive, während John Lockhart gleich zweimal aus der Distanz draufhielt (54., 57.) - beide Male zu zentral. Lucas Marceau, der 19-jährige Franzose im Hennefer Mittelfeld, sorgte in der Nachspielzeit (91.) sogar noch einmal für Aufregung, als sein Schuss knapp am Pfosten vorbeistrich. Das Publikum hielt den Atem an, die Fans erhoben sich - und setzten sich mit einem kollektiven Seufzer wieder. Rostock antwortete seinerseits mit wütenden Angriffen, besonders über Ellis Haddock und Torvald Koch. Haddock zog in der 49. und 66. Minute ab, Koch in der 23. und 84. - stets war Jovic oder ein Hennefer Bein dazwischen. "Ich glaube, wir hätten ein zweites Tor gebraucht, um eines zu machen", witzelte Haddock im Kabinengang. Statistisch gesehen war’s ein Duell auf Augenhöhe: 50,8 Prozent Ballbesitz für Hennef, 49,2 für Rostock. Die Gäste mit leichtem Plus bei den Torschüssen (11:7), die Hausherren mit dem lauteren Publikum. Drei Gelbe Karten für Hennef - Dror Revivo (34.), Christian Zeni (82.) und Fabio Deco (94.) - zeugten von beherztem, aber nicht bösartigem Einsatz. Einziger Wermutstropfen: Rostocks Felix Schüler verletzte sich kurz vor Schluss (89.) und musste ausgewechselt werden. Nach dem Spiel humpelte er in die Kabine, winkte aber ab: "Nur ein Zwicken. Ich wollte eh raus - hatte schon Hunger." Taktisch bot sich ein erstaunlich gleichförmiges Bild: Beide Teams agierten überwiegend ausgewogen, Hennef mit sicherem, kurzem Passspiel, Rostock mit mutigen Flankenläufen und "Anytime"-Schüssen aus allen Lagen. Doch wo Mut war, fehlte Präzision, und wo Präzision war, stand ein Torwart im Weg. Trainer Diaco nahm’s mit Humor: "Ein 0:0 ist wie alkoholfreies Bier - sieht nach Fußball aus, schmeckt aber nicht so richtig." Sein Rostocker Kollege Maniurka konterte trocken: "Immerhin kein Kater morgen." So blieb es beim torlosen Remis, das keinem wirklich weiterhilft, aber beiden die Gewissheit gibt: Defensiv läuft’s. Und vielleicht war das Wichtigste an diesem Abend ohnehin nicht das Ergebnis, sondern die Erkenntnis, dass man mit 18.000 Zuschauern und einem Schuss Ironie auch ein 0:0 als großes Fußballtheater genießen kann. Oder, wie ein Hennefer Fan beim Hinausgehen sagte: "Wenn wir schon keine Tore kriegen, dann wenigstens keine rein." 03.05.643987 10:32 |
Sprücheklopfer
Wenn sie mich heute Scheiße fragen, wissen Sie auch nicht, ob Sie morgen noch ihren Job haben.
Andreas Brehme nach einer Niederlage auf die Frage, ob er glaubt, am nächsten Tag noch Trainer des 1.FC Kaiserslautern zu sein.[t]Andreas Brehme