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"Wenn man 16 Mal aufs Tor schießt und trotzdem nichts trifft, dann weiß man, dass der Fußball manchmal ein grausamer Lehrer ist", seufzte Hannovers Trainer Daniel Dietrich nach dem 0:0 gegen den 1. FC Eschborn. 54.467 Zuschauer im Stadion erlebten am Montagabend einen dieser Abende, an denen man sich fragt, ob das Tor vielleicht heimlich zugeschweißt wurde. Dabei legte Hannover stürmisch los. Schon nach vier Minuten donnerte Jack Hathaway aus der zweiten Reihe drauf - der Ball rauschte knapp über den Querbalken. Zwei Minuten später versuchte es Hans Danielsen, der sich offenbar vorgenommen hatte, das Tornetz persönlich zu durchlöchern. Er schoss in der 6., 9., 14. und später noch in der 67. und 84. Minute - doch Eschborns Keeper Ashton Carmody hatte einen dieser Abende, an denen man glaubt, er habe Magneten in den Handschuhen. "Ich hab einfach versucht, im richtigen Moment im Weg zu stehen", grinste Carmody nach dem Spiel, während er sich von den Kollegen feiern ließ. Es war kein Glanzstück des modernen Offensivfußballs, aber ein Paradebeispiel für defensive Disziplin und die hohe Kunst des Verhinderns. Eschborns Trainer Yas Sin hatte seine Mannschaft auf "Überleben im Strafraum" eingestellt - und das funktionierte erstaunlich gut. Zwar gehörten 54 Prozent Ballbesitz und 16 Torschüsse Hannover, doch Eschborns Viererkette stand wie eine Mauer. Nur einmal, in der 22. Minute, schien Giorgio Alberti den Bann zu brechen - sein Schuss aus zehn Metern klatschte jedoch an den Innenpfosten und sprang auf die Linie. Der Linienrichter hob nicht mal den Kopf. "Ich schwöre, die war drin", rief Alberti später lachend in die Mixed Zone, "aber vielleicht war das nur mein Wunschdenken." Eschborn hingegen kam nur viermal gefährlich vor das Tor, meist über den wuseligen Cesar Meireles oder den flinken Patrick Herrmann. In der 82. Minute hätte Herrmann beinahe den Spielverlauf auf den Kopf gestellt, als er nach einem langen Ball plötzlich frei vor Jossi Pines-Paz auftauchte - doch der Hannoversche Keeper blieb cool wie ein Kühlschrank bei Minusgraden. Das Spiel lebte von der Spannung, nicht von Toren. Drei Gelbe Karten für Eschborn (Ledig, Nowak, Vetter) zeigten, wie hart die Gäste um jeden Meter kämpften. "Wir waren vielleicht nicht schön, aber effektiv", meinte Coach Yas Sin trocken. "Manchmal ist ein 0:0 das neue 3:0." Zur Pause reagierte Dietrich: Harvey Combe raus, Viktor Breschnew rein. "Ich wollte mehr Druck über rechts", erklärte der Trainer. Druck gab’s reichlich, Tore weiterhin keine. Auch die späten Wechsel - William Neville für McGowan (69.) und Aldo Locatelli für Delgado (87.) - änderten nichts daran, dass Hannovers Offensivkunst mit stumpfem Pinsel gemalt blieb. Eschborn verteidigte mit allem, was Beine hatte, und Hannover probierte es zunehmend verzweifelt über die Flügel. Die Taktikdaten lügen nicht: offensiv eingestellt, stark im Einsatz, aber ohne Pressing-Glück. In der Nachspielzeit sprang Dietrich an der Seitenlinie noch einmal auf, als Danielsen aus spitzem Winkel abzog - doch wieder flog Carmody, der Held des Abends, und lenkte den Ball mit den Fingerspitzen über die Latte. Nach dem Schlusspfiff applaudierte das Publikum trotzdem. Man wusste, dass Hannover alles versucht hatte, und dass Eschborn sich diesen Punkt redlich erkämpft hatte. "Ich hab selten so viel geschwitzt für ein 0:0", keuchte Eschborns Innenverteidiger Johannes Nowak, der nach 66 Minuten Gelb gesehen hatte und danach jeden Zweikampf wie ein Duell auf Leben und Tod führte. Und so endete ein Spiel, das keine Tore, aber viele Geschichten bot: von Danielsen, dem Unermüdlichen, über Carmody, den Mauerbauer, bis zu Dietrich, der nach Abpfiff noch lange in Gedanken auf der Trainerbank sitzen blieb. "Wir hätten noch drei Stunden spielen können, der Ball wollte einfach nicht rein", murmelte er später in die Runde der Journalisten. Vielleicht war das die ehrlichste Analyse des Abends. Ein 0:0, das in keiner Highlight-Zusammenfassung glänzen wird - aber in Hannover wird man sich noch eine Weile daran erinnern, wie viel Spektakel in einem torlosen Spiel stecken kann. Und irgendwo in Eschborn, da freut sich ein Torwart über den besten Arbeitstag seines Lebens. 23.11.644002 03:17 |
Sprücheklopfer
Die Anspannung wächst, aber das ist gut so. Denn wenn man mit über 50 Jahren morgens aufwacht und nichts tut weh, dann ist man tot.
Erich Ribbeck