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Nullnummer mit Unterhaltungswert - Ilmenau und Bad Kleinen teilen sich die Punkte

Wer behauptet, ein 0:0 sei langweilig, der hat das Spiel zwischen Germania Ilmenau und Bad Kleinen am Mittwochabend nicht gesehen. Vor 38.239 Zuschauern im ausverkauften Ilmenauer Stadion der Windböen lieferten sich beide Teams einen Schlagabtausch, der zwar keine Tore, dafür aber jede Menge Gesprächsstoff bot - und das nicht nur für die Statistikfreunde.

Schon in der siebten Minute zischte der erste Ball gefährlich durch den Strafraum, als Carsten Funk von Ilmenau aus halblinker Position abzog. "Ich hab den Wind unterschätzt - und vielleicht auch ein bisschen den Ball", grinste Funk nach dem Spiel. Nur eine Minute später antwortete Bad Kleinens Jannick Berg mit einem ebenso wuchtigen Versuch, den Ilmenauer Keeper Luis Kern mit den Fingerspitzen über die Latte lenkte. Der Auftakt versprach Spektakel - und hielt zumindest eines: Spannung bis zur letzten Minute.

Das Mittelfeld-Duell zwischen Ilmenaus Taktgeber Luís de Freitas und Bad Kleinens Max Adam war so intensiv, dass der Schiedsrichter schon in der 19. Minute Gelb zücken musste - allerdings gegen Ilmenaus Dirk Anders, der nach einem rustikalen Einsteigen meinte: "Ich wollte nur zeigen, dass ich da bin."

Die Partie blieb ausgeglichen, auch wenn Ilmenau mit 50,1 Prozent Ballbesitz und einem Hauch mehr Spielkontrolle leicht die Nase vorn hatte. Doch die Gäste aus Mecklenburg konterten clever. Vor allem Marek Matusiak auf der linken Seite sorgte für Unruhe - drei Mal prüfte er Ilmenaus Schlussmann, der an diesem Abend zu einem der heimlichen Helden avancierte. "Ich hab irgendwann aufgehört zu zählen, wie oft der Matusiak auf mich geschossen hat", sagte Kern lachend. "Aber das war mir lieber als Langeweile."

Nach torlosen 45 Minuten blieb auch die zweite Halbzeit ein offenes Buch. Trainer Thorben Hartung brachte in Minute 50 Jesus Korn für de Freitas - ein Wechsel, der das Spiel beleben sollte. Fünf Minuten später folgte die Einwechslung von Karl Maus, der sofort für frischen Wind auf der linken Seite sorgte. Sein Schuss in der 65. Minute strich nur wenige Zentimeter am Pfosten vorbei. "Ich dachte schon, der geht rein", stöhnte Maus später. "Aber anscheinend war der Pfosten heute auch Fan von Bad Kleinen."

Bad Kleinens Trainer Cw WC reagierte und tauschte nahezu spiegelbildlich: Hans Jürgens kam für den ausgepumpten Max Adam, danach Marcel Krebs für Luca Schuster. "Wir wollten Stabilität hinten und ein bisschen Chaos vorne", erklärte WC mit einem Schmunzeln. Chaos bekam er - allerdings eher in Form von ungenutzten Chancen. Marwin Paul versemmelte in der 61. und 63. Minute gleich zwei Hochkaräter, während Matusiak in der 83. Minute den Ball über das Stadiondach jagte.

Die Schlussphase gehörte dann wieder Ilmenau. Lucas Reimann prüfte den Gästetorwart Yannik Wilhelm in der 79. Minute mit einem Schuss, der mehr nach Verzweiflung als nach Überzeugung roch. In der 89. Minute brachte Hartung den jungen Michael Lopez - ein Wechsel, der fast in letzter Sekunde belohnt wurde: Jari Vuorinen, Ilmenaus Dauerbrenner im Sturm, zog noch einmal ab, doch Wilhelm parierte mit einem Reflex, der die Fans von Bad Kleinen jubeln ließ, als hätten sie ein Tor erzielt.

"Das war kein 0:0 der Langeweile, das war ein 0:0 der verpassten Chancen", resümierte Hartung nach Schlusspfiff. Sein Gegenüber WC nickte zustimmend: "Wir hätten heute beide gewinnen können. Oder verlieren. Also passt das schon."

Statistisch gesehen war es ein Duell auf Augenhöhe: 10 zu 13 Torschüsse, 50 zu 50 Prozent Ballbesitz - eine mathematische Punktlandung. Nur in der Grätschenwertung hatte Bad Kleinen leicht die Nase vorn, was sich in einer minimal besseren Zweikampfquote (50,9 Prozent) niederschlug.

Das Publikum dankte es beiden Mannschaften mit Applaus, als der Schiedsrichter die Partie beendete. Vielleicht, weil sie wussten: Auch ein torloses Spiel kann große Unterhaltung sein.

Am Ende blieb es bei der Null - auf beiden Seiten. Aber wenn man ehrlich ist: Lieber ein 0:0 mit 26 Torschüssen als ein 1:0, bei dem alle einschlafen. Oder, wie Ilmenaus Verteidiger Georg König es trocken formulierte: "Wenn keiner trifft, hat wenigstens keiner verloren. Und das ist ja auch was."

Und so gingen beide Teams vom Platz - erschöpft, zufrieden und ein bisschen frustriert. Das Publikum verabschiedete sie mit einem Lächeln, das sagte: Heute gab’s keine Tore, aber dafür Geschichten. Und die schreibt der Fußball manchmal eben auch ohne Netztreffer.

11.06.643997 08:45
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Jetzt stehen die Chancen 50:50 oder gar sogar 60:60.
Rainer Calmund
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