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Nullnummer mit Unterhaltungswert - Weimar und der HSV teilen sich die Punkte

Ein 0:0 kann langweilig sein. Muss es aber nicht - jedenfalls nicht, wenn der SC Weimar beteiligt ist. Am 11. Januar 2026 verwandelten 25 049 Zuschauer das Stadion am Ilmpark in ein stimmungsvolles Forum für all jene, die Fußball eher als Charakterstudie denn als Torspektakel begreifen. Am Ende stand ein torloses Remis, das irgendwie alles hatte: Tempo, Emotionen, gelbe Karten und Trainer, die sich gegenseitig freundlich auf die Schulter klopften - wohl wissend, dass beide hätten gewinnen können.

Die Hausherren begannen druckvoll. Schon in der zweiten Minute prüfte Luca Schneider den Hamburger Keeper Lionel Carvalho mit einem satten Schuss aus spitzem Winkel. "Da wollte ich gleich mal zeigen, dass wir da sind", grinste Schneider nach dem Spiel, "leider war er auch da." Weimar hatte über weite Strecken der Partie mehr vom Spiel - 57 Prozent Ballbesitz und 11 Abschlüsse sprechen eine deutliche Sprache. Nur die Tore, die fehlten.

Hamburg dagegen spielte den kontrollierten Minimalismus, den Trainer Bernd Happel so liebt. "Wir wollten kompakt stehen und Weimar laufen lassen", erklärte er mit einem Augenzwinkern. Tatsächlich verteidigten die Hanseaten clever, ließen das Heimteam kombinieren, um dann über den schnellen Eduardo Capucho zu kontern. Der 21‑jährige Portugiese hatte drei der sechs Hamburger Abschlüsse - gefährlichster Mann der Gäste, aber ohne Fortune.

Die Szene des Spiels hätte in der 54. Minute stattfinden können: Yannik Reimann, bis dahin agiler Wirbelwind auf der linken Seite, setzte sich gegen zwei Verteidiger durch, zog ab - Carvalho wehrte ab, der Ball prallte zurück, und prompt wurde Reimann ausgewechselt. "Ich war eigentlich noch gar nicht müde", meinte er später lachend, "aber der Trainer wollte frische Beine. Na gut, dann eben Walter." Der 19‑jährige Walter Schreiner kam, sah und schoss - in der 72. Minute knapp vorbei.

Weimar-Trainer Pino Zimmermann gab sich nach Schlusspfiff gewohnt launig: "Wenn wir das Tor etwas größer machen dürfen, gewinnen wir 3:0. Aber der Schiedsrichter hat wieder den alten Standard genommen." Zwischen den Zeilen war zu hören, dass er mit der Chancenverwertung haderte, aber stolz auf die Spielanlage war.

Die zweite Halbzeit begann mit einem kleinen Weckruf in Gelb: Johannes Schneider sah kurz nach Wiederanpfiff die Verwarnung, und auch Routinier Dennis Winkler sowie Hamza Avci sammelten später Gelbe Karten ein. "Ein bisschen Leidenschaft gehört dazu", kommentierte Zimmermann trocken. Auf der Gegenseite erwischte es Philippe Gagnon in der 79. Minute - sinnbildlich für die zunehmende Gereiztheit der Gäste, die zu diesem Zeitpunkt kaum noch aus der eigenen Hälfte kamen.

Statistisch blieb Weimar überlegen, doch die Hamburger hatten in der Schlussphase die größere Effizienz, zumindest in Sachen Gefahr pro Angriff. In der 88. Minute schien Capucho den Lucky Punch zu setzen - zentral durch, Schuss aufs lange Eck - aber Daniel Mohr im Weimarer Tor tauchte ab wie ein junger Delphin. "Ich hab’s einfach gerochen", sagte der Keeper später, "und gehofft, dass der Ball nicht durch meine Beine rutscht." Tat er nicht.

Beide Trainer wechselten fleißig: Bei Weimar kamen nacheinander Winkler, Lutz und Schreiner; Happel brachte die Teenager Reich, Gagnon und kurz vor Schluss Fabian Kessler. Letzterer bekam in Minute 88 noch eine Anweisung, die man sogar auf der Tribüne verstand: "Fabian, einfach den Ball halten!" - was er dann auch tat.

Am Ende blieb es beim 0:0, das die Fans erstaunlich gelassen hinnahmen. Vielleicht, weil sie spürten, dass ihre Mannschaften alles gegeben hatten - im Rahmen dessen, was Januarabende bei minus zwei Grad hergeben. Der Schiedsrichter pfiff ab, Weimars Kapitän Mohr applaudierte ins Publikum, während Happel und Zimmermann sich umarmten wie zwei Männer, die wissen, dass sie sich bald wiedersehen werden - vermutlich bei einem ähnlich umkämpften 0:0.

Taktisch war das Ganze übrigens ein Muster an Ausgewogenheit: Beide Teams wählten eine "balanced" Ausrichtung, kein wildes Pressing, kein Harakiri. Man könnte sagen, sie spielten Schach mit Stollen. "Das war kein schlechtes Spiel", meinte Weimars Mittelfeldmotor Niclas Foerster, "nur das Ergebnis sieht so aus."

Und so gehen beide Teams mit einem Punkt heim - Weimar mit leicht erhobenem Haupt, Hamburg mit leicht gefrorenen Händen. Für die einen fühlte sich das Remis wie ein verpasstes Fest an, für die anderen wie ein kleiner Sieg. Oder, wie es ein Fan beim Hinausgehen formulierte: "Wenn schon keine Tore, dann wenigstens Spannung. Und die hatten wir reichlich."

So endete ein Abend, der bewies: Fußball kann auch ohne Tore Geschichten schreiben - manchmal sogar die besseren.

24.05.643987 23:55
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Der Trainer wird uns schon auf den Boden zurückholen. Morgen wird es den längsten Waldlauf der Geschichte geben!
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