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Osnabrück ringt Eschborn nieder - ein Arbeitssieg mit Herz, Krampf und Heuer

46348 Zuschauer erlebten an diesem lauen Maiabend in Osnabrück ein Spiel, das man in Fachkreisen wohl als "klassischen 1:0-Sieg mit Nervenkitzelgarantie" bezeichnet. Nach 90 intensiven Minuten stand fest: Osnabrück schlägt den 1. FC Eschborn mit 1:0 (0:0) - dank eines goldenen Moments von Benjamin Heuer in der 60. Minute.

Doch bis dahin war der Weg steinig, holprig und stellenweise so unansehnlich, dass einige Fans in der Halbzeitpause lieber die Bratwurst als den Ball im Blick hatten. "Das war kein Leckerbissen, aber wir haben uns reingekämpft", sagte Osnabrücks Trainer Carsten Baumann später, während er sich mit einem schiefen Grinsen den Schweiß von der Stirn wischte.

Eschborn begann forsch, spielte mit offenem Visier und brachte Osnabrück früh ins Schwimmen. Schon in der 10. Minute prüfte Jacob Holz den jungen Keeper Robert Paul mit einem satten Schuss, der das Netz erzittern ließ - von außen wohlgemerkt. "Ich dachte, der war drin", gestand Holz nach der Partie mit einem Schulterzucken. Es sollte symptomatisch für Eschborns Abend bleiben: viel Druck, viele Chancen, aber null Ertrag.

Osnabrück dagegen startete mit einer gehörigen Portion Nervosität. Eine frühe Gelbe Karte gegen Innenverteidiger Dirk Mai (9.) ließ die Abwehr fortan etwas zurückhaltender agieren - was bei einer Quote von 46,8 Prozent gewonnener Zweikämpfe ohnehin kein schlechtes Rezept war. In der Offensive versuchte Marco Richter, der Altmeister auf der linken Seite, mit zwei beherzten Schüssen (1. und 26. Minute) das Heimpublikum zu wecken, doch Eschborns Torwart Logan Cochran pflückte alles herunter, was in seine Nähe kam.

Nach einer torlosen ersten Hälfte, in der Eschborn mit 53 Prozent Ballbesitz und 13 Torschüssen klar tonangebend war, nahm Baumann zur Pause tief Luft - und kurz darauf den Ballast von den Schultern seines Teams. In der 50. Minute kam Marvin Kroll ins Spiel, zehn Minuten später folgte der eine Moment, der alles veränderte.

Torsten Reiter, bis dahin eher durch unermüdliches Anlaufen aufgefallen, tankte sich auf links durch und legte mustergültig quer. Benjamin Heuer nahm Maß, während Cochran noch die Ecke suchte, und setzte den Ball mit kalter Präzision ins lange Eck - 1:0! Das Stadion explodierte, und Heuer schrie seine Freude in den Osnabrücker Nachthimmel. "Ich hab einfach draufgehalten", sagte der glückliche Torschütze später, "und gehofft, dass keiner dazwischenkommt. Hat ja geklappt."

Eschborn ließ sich davon nicht beirren. Coach Yas Sin gestikulierte wild an der Seitenlinie, trieb seine Mannschaft nach vorne und brachte in der Schlussphase gleich drei frische Kräfte - Fritsch, Vetter und Frei (alle in der 90. Minute). Doch die Osnabrücker Mauer hielt. Torwart Karl Wagner, der nach einem kuriosen Torwartwechsel in der 55. Minute sein Liga-Debüt feierte, parierte in der Nachspielzeit noch einen strammen Freistoß von Bram Van Butsel (93.).

"So ein Einstand ist unbezahlbar", meinte Wagner nach dem Spiel, "auch wenn ich mir den Puls jetzt erst mal runteratmen muss."

Eschborns Frust war greifbar. Zwei Gelbe Karten (Van Butsel 74., Bednar 76.) und zahlreiche vergebene Abschlüsse standen am Ende in der Bilanz. Yas Sin versuchte, Haltung zu bewahren: "Wir haben alles gegeben, aber Fußball ist manchmal wie ein Würfelspiel - heute hat der Würfel Osnabrück gesagt."

Die Fans feierten ihre Mannschaft trotzdem ausgelassen. Nicht wegen eines brillanten Spiels, sondern wegen der Art, wie sich die Lila-Weißen durchs Spiel gebissen hatten. "Das war ein dreckiger Sieg, aber ein ehrlicher", fasste Kapitän Robin Münch zusammen, der selbst kurz vor Schluss noch Gelb sah (88.), aber mit eiserner Ruhe die Defensive zusammenhielt.

Statistisch gesehen hätte Eschborn den Sieg verdient gehabt - mehr Ballbesitz, mehr Abschlüsse, mehr Tempo. Doch Fußball wird nun einmal nicht nach Prozentpunkten entschieden. Osnabrück machte aus acht Torschüssen den entscheidenden Treffer, und das reichte.

Vielleicht war es kein Spiel für Ästheten, aber eines für die Geschichten, die man noch Jahre später in der Stadionkneipe erzählt. Ein Torwartdebütant als Held, ein Stürmer mit dem goldenen Fuß, ein Trainer, der zwischen Fluchen und Jubeln pendelte - und am Ende ein Ergebnis, das in seiner Schlichtheit alles sagt: 1:0.

Oder, wie Carsten Baumann mit einem Augenzwinkern meinte: "Schön spielen können andere - wir gewinnen lieber."

05.01.644000 00:10
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