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2. Bundesliga | 34. Spieltag | 08.08.26 | VfL Primstal - Weiler im Allgäu 5:4 Primstal legte los, als hätte Trainer Steffen Birner vor dem Anpfiff sämtliche Bremsen aus dem Mannschaftsbus werfen lassen. Nach gerade einmal vier Minuten traf Halvor Ovesen, der zuvor selbst zum ersten Mal gefährlich auf das Tor geschossen hatte. Der zentrale Mittelfeldspieler schaltete am schnellsten und brachte die Gastgeber früh in Führung. "Nicht lange überlegen, einfach machen", lautete offenbar das Motto - zumindest sah es von außen so aus. Fünf Minuten später erhöhte Marko Lukovic auf 2:0. Der linke Angreifer nutzte den stürmischen Beginn und ließ Weilers Abwehr alt aussehen, obwohl einige ihrer Spieler noch gar nicht richtig im Spiel angekommen schienen. Primstal spielte offensiv, aber nicht kopflos: Der VfL suchte kontrolliert den Abschluss und kam insgesamt auf 15 Torschüsse. Das nennt man Zielstrebigkeit. Oder, weniger höflich, eine Einladung an die gegnerische Defensive, sich später einmal über ihre Berufswahl Gedanken zu machen. In der 16. Minute schlug Duarte Corona zu. Der 18-jährige Rechtsaußen vollendete nach Vorarbeit von Ovesen zum 3:0. Die Partie schien bereits entschieden, bevor sich die Zuschauer überhaupt vollständig mit dem Gedanken an einen ruhigen Abend anfreunden konnten. Doch Weiler im Allgäu weigerte sich, die Dramaturgie zu akzeptieren. Tomasz Stoll verkürzte in der 29. Minute nach Zuspiel von Ben Meister. Fünf Minuten später traf Asen Todorow, diesmal erneut nach Vorbereitung von Meister. Aus 0:3 war plötzlich 2:3 geworden. Auf der Tribüne dürfte spätestens jetzt der erste Zuschauer gesagt haben: "Das ist doch kein normales Fußballspiel mehr." Er hatte damit recht. Primstal nahm die knappe Führung mit in die Pause, obwohl Weiler über die Flügel immer wieder Nadelstiche setzte. Beide Mannschaften traten offensiv auf, Weiler mit sichtbarer Vorliebe für Angriffe über außen. Das Spiel war schnell, offen und defensiv ungefähr so stabil wie ein Regenschirm im Sturm. Kurz nach Wiederanpfiff war der Ausgleich da: Ben Meister traf in der 48. Minute selbst und belohnte seine starke erste Halbzeit. Der Mittelfeldspieler war an mehreren gefährlichen Aktionen beteiligt und schien beschlossen zu haben, die Partie notfalls im Alleingang zu retten. Primstal antwortete prompt. In der 52. Minute erzielte Jordi Alba das 4:3, vorbereitet von Nestor Vaz. Der VfL bekam wieder etwas mehr Kontrolle über das Spiel und hatte mit 55,2 Prozent auch insgesamt leicht mehr Ballbesitz. Weiler besaß 44,8 Prozent - genug, um gefährlich zu bleiben, aber nicht genug, um Primstal dauerhaft vom Ball fernzuhalten. In der 78. Minute glich Ophir Kashtan erneut aus. Der 18-Jährige traf nach Vorlage von Samuel Erskine zum 4:4. Nun sah alles nach einem Remis aus, einem Ergebnis, bei dem beide Trainer vermutlich etwas von "intensivem Spiel" und "kleinen Details" erzählt hätten. Fußball kann schließlich auch dann kompliziert klingen, wenn einfach nur neun Tore gefallen sind. Doch Filippo Inzaghi hatte etwas dagegen. In der 86. Minute erzielte der Mittelstürmer nach Zuspiel des erst 17-jährigen Fynn Seitz das entscheidende 5:4. Weiler kam in der Schlussphase noch zu weiteren Abschlüssen, doch Primstal brachte den Vorsprung über die Zeit. "Jetzt bloß keinen Unsinn mehr", dürfte Birner gerufen haben. Für taktische Feinarbeit war es da ohnehin zu spät. Am Ende gewann Primstal verdient - mit mehr Torschüssen, etwas mehr Ballbesitz und dem letzten Wort. Weiler verlor knapp, aber spektakulär. Die Zuschauer bekamen neun Tore, Spannung bis zur 86. Minute und vermutlich einige graue Haare gratis dazu. Für neutrale Beobachter war es ein Fest. Für die Torhüter eher eine Fortbildung in Geduld. 08.08.2026 21:54 |
Sprücheklopfer
Ich habe versucht, den Spielern das Gefühl zu geben, dass sie Fehler machen dürfen. Das haben sie bis auf wenige Ausnahmen gut gemacht.
Rudi Völler