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Ein lauer Januarabend, Flutlicht über dem Ernst-Abbe-Sportfeld und 26.405 Zuschauer, die sich eine Achterbahnfahrt der Emotionen wünschten - bekommen haben sie immerhin einen soliden 1:1-Krimi zwischen Jena und dem FC Godesberg. Es war eines jener Spiele, nach denen man sich fragt: War das jetzt verschenkt oder gerettet? Trainer Martin Wegner jedenfalls sah beides gleichzeitig. "Ein Punkt ist besser als keiner - aber ehrlich, das fühlt sich an wie ein halber", meinte der Jena-Coach mit einem gequälten Lächeln. Dabei hatte alles so verheißungsvoll begonnen. Jena legte los, als hätte man vergessen, dass man keine brasilianische Auswahl ist. Schon in der 5. Minute prüfte Jan Alex den gegnerischen Keeper Bruhn mit einem satten Schuss, und elf Minuten später explodierte das Stadion. Bruno Antunes, der 30-jährige Dauerläufer auf der rechten Seite, zog nach feinem Doppelpass mit Youngster Walter Kaufmann ab - 1:0! Ein Tor aus dem Lehrbuch, überlegt und trocken vollstreckt. "Ich hab einfach draufgehalten, weil Walter mir zugerufen hat: ’Mach ihn rein, Alter!’", grinste Antunes nach dem Spiel und zeigte dabei mehr Zähne als mancher Mittelstürmer Torschüsse. Godesberg, trainiert von Rafael Nadal - ja, der Name sorgt immer wieder für hochgezogene Augenbrauen - schien zunächst überrascht. Der Spanier an der Seitenlinie, sonst bekannt für präzises Grundlinien-Spiel, sah seine Elf vor allem lange Bälle schlagen. "Unsere Pässe waren eher Wimbledon als Liga-Alltag", witzelte Nadal später, "aber immerhin haben wir den Tie-Break gewonnen - na ja, fast." Nach der frühen Führung blieb Jena am Drücker, hatte bis zur Pause mehr vom Spiel, ohne jedoch den Sack zuzumachen. Besonders bitter: In der 38. Minute musste Björn Berger verletzt runter. "Das Knie hat kurz geknackt - ich dachte, das war der Ball", fluchte der 21-Jährige. Für ihn kam Amaury Nunez, der sich sofort in die Partie warf, wenn auch mehr mit Einsatz als mit Effektivität. Die Statistik zur Halbzeit sprach für Jena: 4 Torschüsse zu 2, fast ausgeglichener Ballbesitz (49 gegen 51 Prozent), aber die Körpersprache? Schon leicht erschöpft. Kein Wunder, die Offensivtaktik blieb durchgehend auf "Volldampf", während Godesberg mit seinen Kontern lauerte. Dann kam die 67. Minute und mit ihr ein gelber Moment für Innenverteidiger Robert Barth. Nach einem rustikalen Einsteigen gegen den flinken Rui Barbosa zückte der Schiedsrichter prompt die Karte. "Ich hab doch nur den Ball gespielt - also, fast", murmelte Barth danach. Kaum war das notiert, kippte das Spiel. Godesberg roch Lunte, erhöhte die Schlagzahl, und in Minute 72 fiel der Ausgleich: Mirko Conte steckte klug durch, Jakob Carlsen zog ab - drin! Keeper Jesus Smith, sonst ein Muster an Reflexen, blieb diesmal chancenlos. "Wir haben’s einfach zu passiv angehen lassen nach der Pause", analysierte Wegner später. "Und dann bestraft dich so ein Team - das ist Fußball, aber manchmal eben auch ein bisschen Sadismus." Die letzten Minuten gehörten wieder den Gästen, die sogar noch den Sieg auf dem Fuß hatten. Sven Hanke prüfte Smith in der Nachspielzeit mit einem Schuss, der eher einem Warnschuss glich. Der Ballbesitz blieb am Ende leicht auf Seiten der Godesberger, 51 zu 49 Prozent, ebenso die Torschussbilanz (8:7). Es war ein Spiel auf Augenhöhe - oder besser gesagt: auf leicht müden Beinen. "Ich bin zufrieden", sagte Nadal, "nicht mit dem Ergebnis, aber mit der Haltung." Sein Gegenüber nickte nur. Beide wussten, das war kein Glanzstück, aber auch kein Desaster. Die Zuschauer sahen immerhin zwei Tore, eine Verletzung, eine Gelbe Karte und reichlich Laufarbeit - kurz: das komplette Unterhaltungsprogramm eines Zweitligamittwochs, nur eben an einem Montag. Und so ging das Flutlicht aus, die Fans verließen das Stadion mit gemischten Gefühlen und Bier in der Hand. Ein paar sangen noch, andere schimpften. Einer rief: "Wenn wir schon nicht gewinnen, dann wenigstens warm bleiben!" - ein Motto, das an diesem Abend wohl für alle galt. Fazit: Ein gerechtes 1:1 zwischen zwei Teams, die sich nichts schenkten - außer vielleicht gegenseitig den Ball. 26.05.643987 10:50 |
Sprücheklopfer
Von der Einstellung her stimmt die Einstellung.
Andreas Brehme