// Startseite
| Sportecho |
| +++ Sportzeitung für Deutschland +++ |
|
|
|
Es war einer dieser Abende, an denen man sich fragt, ob Fußballgötter Humor haben. Der SV Rohrbach führte zur Pause mit 1:0, lag nach 52 Minuten sogar 2:0 vorn - und stand am Ende trotzdem mit leeren Händen da. Der SC Hennef gewann am zweiten Spieltag der 1. Liga Deutschland mit 3:2 und bewies eindrucksvoll, dass Ballbesitz manchmal eben doch Tore bringt. Vor 36.184 Zuschauern im ausverkauften Rohrbacher Stadion begann alles nach Maß für die Gastgeber. Schon früh deutete sich an, dass Rohrbach seine Kontertaktik konsequent umsetzen wollte. Trainer Maik Kuntz hatte seine Elf offensiv, aber mit starkem Körpereinsatz eingestellt - und das zahlte sich aus. In der 16. Minute war es Georg Johansson, der nach feinem Zuspiel von Edvard Ali trocken einschob. Ein klassischer Rohrbacher Treffer: schnelles Umschalten, präziser Pass, eiskalter Abschluss. "Ich hab’ einfach draufgehalten - und gehofft, dass der Torwart noch mit den Gedanken beim Einlaufen ist", grinste Johansson später. Rohrbach stürmte weiter, erspielte sich Chance um Chance - ganze zwölf Torschüsse am Ende, dreimal so viele wie die Gäste. Besonders Joschua Kremer prüfte den Hennefer Keeper Pedro Pere mehrfach, doch der 30-Jährige hielt, was zu halten war. Hennef wirkte in der ersten Halbzeit blass, fast schon höflich defensiv, obwohl Trainer Giovanni Diaco seine Mannschaft offiziell "offensiv" eingestellt hatte. Nach dem Seitenwechsel schien Rohrbach den Sack zuzumachen: In der 52. Minute erhöhte Georg Lindner nach einer Ecke von Joschua Seifert auf 2:0. Das Stadion tobte, Kuntz ballte an der Seitenlinie die Faust - kurz darauf vielleicht schon ein wenig zu fest. Denn was dann folgte, war ein Lehrstück in Sachen Fahrlässigkeit. Nur vier Minuten später erzielte Julian Costa den Anschluss für Hennef, nach Vorarbeit von David Kern. Ein Treffer, der das Spiel kippen ließ. Rohrbach wackelte - und Hennef roch Blut. In der 65. Minute traf Kern selbst, diesmal nach klugem Zuspiel von Sturmtank Alberte Lauritsen. 2:2, und plötzlich sah man auf der Hennefer Bank wieder Leben. Trainer Diaco sprang auf, als hätte er gerade den Lotto-Jackpot geknackt. "Ich hab’ den Jungs gesagt: Wir spielen weiter, bis der Schiedsrichter uns vom Platz trägt", lachte er nach dem Spiel. Rohrbach hingegen trug sich kurz darauf selbst vom Platz - zumindest einer ihrer wichtigsten Verteidiger. Gerhard Noack, bereits in der 39. Minute verwarnt, sah nach einem rustikalen Einsteigen in der 67. Minute Gelb-Rot. "Er traf Ball, Gegner und wahrscheinlich auch etwas Grasnarbe", kommentierte ein Fan trocken von der Tribüne. In Unterzahl suchte Rohrbach den Befreiungsschlag, fand aber nur noch Hennefer Angriffswellen. In der 73. Minute war es schließlich der junge John Lockhart, der nach Vorarbeit von Abwehrchef Karol Gilewicz das 3:2 erzielte. Ein Schuss, der so trocken kam, dass selbst das Tornetz kurz irritiert wirkte. Trainer Kuntz reagierte hektisch, brachte den 18-jährigen Horst Sander für den ausgepumpten Carl Rodriguez und wechselte kurz darauf Stürmer Kurt Roth ein. Doch der frische Wind blieb aus - eher wehte ein kühler Gegenwind durch die Rohrbacher Reihen. "Wir haben 42 Prozent Ballbesitz, aber 100 Prozent Enttäuschung", seufzte Kuntz hinterher. Und tatsächlich: Trotz klarer Zweikampfquote (55 Prozent gewonnene Duelle) und zahlreicher Chancen fehlte am Ende die Cleverness. Hennef hingegen spielte die letzten Minuten routiniert herunter, mit langen Pässen, gefühlter Ewigkeit am Ball und einem sicheren Pedro Pere im Tor. In der 89. Minute hätte Lockhart sogar noch erhöhen können, scheiterte aber an Keeper Heinz Heise, der wenigstens den vierten Gegentreffer verhinderte. Nach Abpfiff jubelte Hennef, während Rohrbachs Fans ratlos die Köpfe schüttelten. "Wenn du 2:0 führst und dann noch verlierst, brauchst du keinen Gegner mehr - du bist dein eigener", murmelte Kapitän Hermann Hoffmann selbstkritisch. Giovanni Diaco dagegen grinste in die Kameras: "Wir haben nie aufgehört, an uns zu glauben. Und wenn der Gegner uns hilft, nehmen wir das Geschenk natürlich an." Sarkasmus oder Ehrlichkeit? Vielleicht beides. So bleibt als Fazit: Rohrbach kämpfte tapfer, aber unklug. Hennef spielte reifer, aber auch glücklicher. Und das Publikum bekam ein Spiel, das alles bot - Tore, Karten, Emotionen und eine Prise Tragikomik. Am Ende stand ein 2:3, das sich für Hennef wie ein Statement anfühlt und für Rohrbach wie eine schlaflose Nacht. Oder, wie Johansson es später formulierte: "Manchmal schießt du früh, führst klar - und verlierst trotzdem. Fußball ist halt kein Wunschkonzert." Vielleicht nicht - aber ein ziemlich gutes Drama war es allemal. 02.04.643997 21:45 |
Sprücheklopfer
Gegen uns hätten wir auch gewonnen.
Klaus Allofs