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Ein Flutlichtabend, wie ihn die 1. Liga liebt: 35.503 Zuschauer im Papenburger Stadion, Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt, aber auf dem Rasen brannte der SC Papenburg ein Feuerwerk ab, das selbst den Glühweinstand in den Schatten stellte. Das Endergebnis - 3:0 (2:0) gegen Dinamo Dresden - liest sich deutlicher, als es sich für die Sachsen wohl anfühlt. Denn wenn man 90 Minuten nur zuschauen darf, wie der Gegner Fußball spielt, wird die Rückfahrt im Mannschaftsbus zur stillen Meditation. Papenburg begann, als hätte Trainer Frank Helmbrecht ihnen gesagt: "Wir spielen heute so, als gäbe es keine Defensive." Schon nach zwei Minuten prügelte Julian Andrade den Ball Richtung Dresdner Tor, und das war nur der Anfang eines Dauerbombardements. Am Ende zählte die Statistik 21 Torschüsse für die Gastgeber - und null, ja tatsächlich null für Dinamo. "Ich hab mich ein bisschen einsam gefühlt da hinten", grinste SC-Torwart Daniel Cabrera nach dem Schlusspfiff. Der erste Jubel brandete in der 23. Minute auf: Björn Karlson traf nach Vorarbeit von Orhan Karaer aus spitzem Winkel - ein Abschluss so trocken wie Papenburger Humor. Nur zwei Minuten später durfte dann auch der Abwehrchef ran: Michail Szymanowski stieg nach einer Ecke höher als alle anderen und köpfte zum 2:0 ein. Den Assist lieferte Anton Hanson, der anschließend so tat, als wäre das alles ganz selbstverständlich. "Ich hab einfach gesehen, dass Michail da steht - und dachte mir: Warum nicht?", erklärte Hanson später mit einem Schulterzucken. Dresden dagegen brachte offensiv so viel zustande wie ein Laptop ohne Akku. Kein einziger Schuss aufs Tor, kein Moment, in dem Papenburgs Defensive auch nur ins Schwitzen kam. Trainer Maikma Nauskas stand stoisch an der Linie, die Arme verschränkt, das Gesicht eine Mischung aus Ratlosigkeit und innerem Rückzug. "Wir wollten tief stehen und auf Konter lauern", erklärte er später, "aber um zu kontern, braucht man den Ball." Eine Erkenntnis, die man wohl als Lehrsatz für die kommende Trainingswoche an die Kabinentür hängen kann. In der zweiten Halbzeit versuchte Dresden mit zwei Wechseln - unter anderem kam der junge Marco Beto für Ignacio Ordonez - ein Lebenszeichen zu senden. Das blieb aus. Stattdessen wechselte Helmbrecht entspannt durch, gönnte seinem Mittelstürmer Hugo Ronaldo eine Pause und brachte den 22-jährigen Domingo Xavier. "Ich wollte, dass er ein bisschen Erstligaluft schnuppert", sagte der Trainer. Xavier schnupperte, schoss in der 82. Minute sogar einmal aufs Tor - und grinste danach, als hätte er das Siegtor erzielt. Das letzte Wort gehörte aber wieder Karlson. In der 78. Minute drückte er einen Abpraller über die Linie, nach Vorarbeit - natürlich - von Anton Hanson. 3:0, Deckel drauf, und das Publikum sang sich in Ekstase. "Ich hab einfach Spaß am Toreschießen", meinte Karlson hinterher, "und wenn’s läuft, dann läuft’s." Ein paar Gelbe gab’s auch, meist aus Langeweile: Anton Hanson sah schon nach einer Minute Gelb, offenbar zu motiviert ins neue Jahr gestartet. Attila Dalnoki schloss sich in der 22. Minute an, während Dresdens junge Verteidiger Kvasnak (74.) und Sauer (77.) ebenfalls den Schiedsrichter auf sich aufmerksam machten - vermutlich, um wenigstens einmal im Spielbericht zu stehen. Die taktischen Zahlen sprechen eine klare Sprache: Papenburg mit 55,9 Prozent Ballbesitz, 59,6 Prozent gewonnene Zweikämpfe und gefühlt 90 Minuten Offensive. Dresden dagegen verteidigte mit einer Defensivtaktik, die an ein Kartenhaus im Sturm erinnerte - stabil bis zum ersten Windzug. Trainer Helmbrecht wirkte nach dem Spiel fast schon besorgt ob der eigenen Dominanz: "Das war schon sehr ordentlich. Aber wir müssen aufpassen, dass wir jetzt nicht denken, es geht immer so leicht." Nauskas hingegen suchte Trost in der Philosophie: "Manchmal ist Fußball eben grausam. Heute war er besonders grausam zu uns." Als die Flutlichter erloschen, blieb das Bild eines SC Papenburg, der an diesem dritten Spieltag der 1. Liga Deutschland ein Ausrufezeichen setzte - und eines Dinamo Dresden, das sich fragte, ob man ein Spiel verlieren kann, ohne je gefährlich gewesen zu sein. Die Antwort: Ja, man kann. Und manchmal sieht das sogar richtig schön aus - für den Gegner. Ein sarkastisches Schlusswort gefällig? Wenn Dinamo so weitermacht, brauchen sie bald nicht mehr über Konter nachdenken, sondern eher über Kontemplation. Papenburg hingegen darf weiter träumen - vom Europapokal oder wenigstens vom nächsten Tor von Björn Karlson. 11.02.643987 11:45 |
Sprücheklopfer
Ich kann nicht sagen, dass ich es nicht gesagt habe, weil ich es gesagt habe.
Mehmet Scholl