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2. Bundesliga | 6. Spieltag | 10.07.26 | SC Weimar - TuS Hordel 1:2 Dabei hatte alles so verheißungsvoll begonnen - oder besser gesagt: so verheißungsvoll für die Gäste. Schon in der 13. Minute setzte Hordels junger Rechtsverteidiger Meir Goldmann ein Zeichen. Ein 18-Jähriger, dessen Mut größer war als seine Erfahrung, zog einfach mal aus der zweiten Reihe ab. Der Ball, leicht abgefälscht, senkte sich unhaltbar ins rechte obere Eck. Torwart Benjamin Wenzel streckte sich vergeblich, und Goldmann verschwand irgendwo unter einem Berg jubelnder Mitspieler. Doch Weimar antwortete prompt. Nur drei Minuten später kombinierten sich die Hausherren über rechts durch: Walther Frank flankte präzise auf den zweiten Pfosten, wo der 17-jährige Hanns Steffens mit der Kaltschnäuzigkeit eines Routiniers zum Ausgleich einschob. Sein erstes Profitor - und was für eines. "Ich hab’ einfach reingehalten, ehrlich, ich wusste nicht mal, ob ich den richtig treffe", grinste Steffens später, während er versuchte, die Spuren des Rasens aus seinem Trikot zu bürsten. Das Stadion tobte, die Weimarer Fans sangen, als wäre das Spiel schon gewonnen. Doch TuS Hordel hatte andere Pläne. In der 30. Minute zirkelte Günther Pfeiffer - zuvor schon durch ein paar rustikale Zweikämpfe aufgefallen - einen Schuss aus 20 Metern ins Netz. Vorlage kam von Sascha Günther, der kurz darauf grinsend meinte: "Ich wollte eigentlich flanken. Aber wenn’s so läuft, sag ich nicht nein." Danach wurde das Spiel wilder. Weimar rannte, Hordel lauerte. 51,9 Prozent Ballbesitz für Weimar, 12 Torschüsse - aber nur ein Treffer. Hordel blieb mit 10 Abschlüssen gefährlich effizient. Besonders Fynn Huber ließ mehrfach seine Wucht aufblitzen, scheiterte aber an Wenzel oder an sich selbst. Kurz vor der Pause kassierte Pfeiffer Gelb - vermutlich, um seine rustikale Kunst noch einmal zu unterstreichen. Nach der Pause wechselte Zimmermann frischen Wind ein: Hanns Steffens musste weichen, Michael Pan kam zurück. Später folgten noch Rafael Kuehn und Torsten Albrecht, beide Jungspunde, beide voller Tatendrang - doch das Tor wollte nicht mehr fallen. In der 69. Minute sah Michael Pan nach einem taktischen Foul Gelb. "Ich wollte nur zeigen, dass wir noch da sind", sagte er später, halb entschuldigend, halb trotzig. TuS Hordel verteidigte clever, ließ Weimar anlaufen, und wenn es mal eng wurde, brachte Hordel-Keeper Harald Anders seine Handschuhe in Stellung. Trainerin Ute Finkeldy, stets stoisch an der Seitenlinie, strahlte nach dem Schlusspfiff dann doch. "Wir wollten mutig sein, und die Jungs haben das umgesetzt. Zwei Tore aus dem Mittelfeld - das sieht man nicht alle Tage." Pino Zimmermann dagegen wirkte, als hätte man ihm den Lieblingsschal geklaut. "Wenn man den Ball hat, muss man auch was damit anfangen. Wir haben zu kompliziert gespielt", sagte er, während er mit den Händen in den Hosentaschen auf die Anzeigetafel blickte, die immer noch 1:2 zeigte. Einige Fans verabschiedeten das Team mit aufmunterndem Applaus - andere murmelten etwas von "Lehrgeld". Und tatsächlich: Weimar war bemüht, engagiert, phasenweise besser. Aber TuS Hordel war kalt wie eine norddeutsche Nordseebrise - effektiv, diszipliniert, unbeeindruckt. Statistisch gesehen war es ein ausgeglichenes Duell: 51,9 Prozent Ballbesitz für Weimar, 48,1 Prozent für Hordel, Zweikampfquote knapp pari bei 50,1 Prozent für die Gäste. Doch Fußball wird bekanntlich nicht in Excel gewonnen, sondern im Strafraum. Kurz vor Schluss hatte Phillip Fuhrmann noch die Chance zum Ausgleich - ein Schuss aus 18 Metern, den Anders mit den Fingerspitzen über die Latte lenkte. "Ich dachte, der geht rein", sagte Fuhrmann, "aber der Torwart hat wohl einen guten Tag erwischt." Das war er wohl - und TuS Hordel auch. Am Ende blieb Weimar nur die Erkenntnis, dass Ballbesitz allein keine Punkte garantiert. Und vielleicht der Trost, dass der 17-jährige Steffens gezeigt hat, dass die Zukunft noch einiges bereithält. "Wir haben Charakter gezeigt", meinte Zimmermann zum Schluss, "aber Charakter allein schießt keine Tore." Und irgendwo auf dem Weg in den Kabinengang hörte man einen Fan murmeln: "Vielleicht beim nächsten Mal mit weniger Charakter, aber mehr Toren." Ein Schlusssatz, der wohl so manchem Weimarer an diesem Abend aus der Seele sprach. 10.07.2026 22:18 |
Sprücheklopfer
Jetzt weiß man, dass Erich Ribbeck wirklich keine Ahnung hat.
Mario Basler nach dem Aus der deutschen Nationalmannschaft bei der EM 2000