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Es war ein Abend, an dem 28.805 Zuschauer in Sievershagen alles bekamen, was ein Fußballspiel liefern kann: Tempo, Tore, Fehlpässe mit künstlerischem Wert und einen Gast, der sich einfach nicht abschütteln ließ. Am Ende siegte TuS Hordel mit 3:2 beim Sievershäger SV - und Trainer Foll Fosten schüttelte nach dem Abpfiff minutenlang ungläubig den Kopf. "Wir haben 52 Prozent Ballbesitz und führen zur Pause. Wenn du das noch aus der Hand gibst, brauchst du kein Horoskop, das sagt dir schon der Spielverlauf", murmelte er sarkastisch. Dabei begann alles nach Plan. Zwar legte Hordel los wie ein überdrehter Teenager auf Energy Drinks, doch die erste Belohnung blieb zunächst aus. Schon in der 10. Minute prüfte Ernst Kunkel den Sievershäger Keeper Alexandre Tremblay mit einem satten Schuss, dann drosch Olav Anders zwei Minuten später aus der Distanz knapp drüber. Der Ball war kaum wieder im Spiel, da rauschte Vincent Albinana an - Tremblay musste sich strecken, um das frühe Gegentor zu verhindern. Doch in der 23. Minute war’s dann soweit: Hordels quirliger Rechtsaußen Tiago Valente schnappte sich einen Pass von Innenverteidiger Luke Kinsella (ja, wirklich: der Abwehrmann!), zog nach innen und schlenzte den Ball unhaltbar ins lange Eck - 0:1. "Ich habe einfach auf gut Glück draufgehalten", grinste Valente später und fügte trocken hinzu: "Vielleicht sollte ich öfter Glück haben." Sievershagen schien das Tor als Weckruf zu verstehen. Nur fünf Minuten später der Ausgleich: Tomas Riedel, der schon zuvor mehrfach aus der zweiten Reihe gezielt hatte, bekam das Leder von Sven Lutz serviert und versenkte es eiskalt flach links - 1:1. Das Stadion tobte, und Riedel rief beim Jubel in Richtung Trainerbank: "Hab ich’s dir gesagt, Chef!" Foll Fosten grinste: "Wenn er das jedes Mal macht, darf er gern öfter vorhersagen." Und dann wurde es richtig laut. In der 36. Minute schlug Rechtsverteidiger Marco Langer eine perfekte Flanke auf Laurent Masse, der sich im Strafraum gegen zwei Hordeler durchsetzte und per Kopf einköpfte - 2:1. Sievershagen wähnte sich in Kontrolle, das Publikum träumte von einem ruhigen Abend. Doch wer TuS Hordel kennt, weiß: Ruhig ist mit dieser Truppe selten etwas. Trainerin Ute Finkeldy schien in der Pause den richtigen Nerv getroffen zu haben. "Ich hab ihnen gesagt, sie sollen aufhören zu denken und einfach Fußball spielen. Das hat offenbar geholfen", lachte sie nach der Partie. Kurz nach Wiederanpfiff, in der 48. Minute, konterte Hordel schulbuchmäßig: Rechtsverteidiger Detlev Foerster schickte Tim Pfeiffer steil, der ließ Tremblay keine Chance - 2:2. Und als die Sievershäger sich noch die Augen rieben, machte Tiago Valente in der 59. Minute seinen Doppelpack perfekt. Nach einem missglückten Klärungsversuch der Hausherren schob er den Ball trocken ins Netz - 2:3. Danach wurde es hektisch. Sievershagen drückte, Masse und der junge Tim John feuerten aus allen Lagen - allein zwischen Minute 69 und 87 verzeichneten die Gastgeber fünf Torschüsse. Doch der Ball wollte einfach nicht mehr rein. Hordel-Keeper Jacob Montgomery pflückte Flanken wie Äpfel im Herbst, und als in der 93. Minute Lockhart noch einmal abzog, rauschte der Ball Zentimeter am Pfosten vorbei. "Das ist bitter. Wir hätten das Spiel nie verlieren dürfen", knurrte Riedel in der Mixed Zone. Neben ihm grinste Hordels Doppeltorschütze Valente und flüsterte: "Aber wir haben’s." Statistisch gesehen war’s ein enges Ding: 14:9 Torschüsse, 52 Prozent Ballbesitz und leicht bessere Zweikampfquote für Sievershagen. Doch Hordel nutzte seine Chancen - und das war letztlich der Unterschied. "Wir spielen offensiv, aber ohne Pressing. Das klingt widersprüchlich, funktioniert aber manchmal", erklärte Finkeldy mit einem Augenzwinkern. Für die Sievershäger bleibt die bittere Erkenntnis, dass selbst eine gute erste Halbzeit keine Punkte garantiert. "Wir müssen lernen, auch nach der Pause wieder aufzuwachen", meinte Trainer Fosten trocken. Und als ihn ein Reporter fragte, ob er Tiago Valente als Albtraum bezeichnet würde, antwortete er mit einem müden Lächeln: "Eher als Wecker." Ein unterhaltsamer, torreicher Abend - zumindest für die Gäste. Für die Gastgeber fühlte es sich an, als hätte jemand mitten im schönsten Traum das Licht angeknipst. Doch eines ist sicher: Wer an jenem Dienstagabend im Stadion war, bekam Fußball mit allen Facetten - nur keinen Schlaf. 07.02.644000 03:50 |
Sprücheklopfer
Heute habe ich sicher so viel Unterstützung wie Leonid Breschnew früher bei den Sowjet-Wahlen!
Jan-Aage Fjörtoft nachdem er das Siegtor gegen Bayern München geschossen hatte