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Wenn 24.700 Zuschauer an einem kühlen Januarabend ins Stadion kommen, dann wollen sie eigentlich ein Fußballfest sehen - nicht unbedingt das, was TuS Hordel am 11. Spieltag der 2. Liga Deutschland ablieferte. Der Sievershäger SV dagegen präsentierte sich wie ein perfekt geölter Motor: ruhig im Aufbau, zielstrebig im Abschluss und gnadenlos effektiv. Am Ende stand ein verdienter 3:0-Auswärtssieg, der schon zur Pause festgezurrt war - und der Hordeler Anhang fragte sich, ob der Pausentee vielleicht Beruhigungsmittel enthielt. Das Spiel begann, wie es für Hordel nicht beginnen sollte: Kaum sechs Minuten waren gespielt, da rauschte ein abgefälschter Ball durch den Strafraum, Sven Lutz hielt den Schlappen hin, und ehe Keeper Kay Fuhrmann "Abseits!" rufen konnte, zappelte das Ding im Netz. "Ich hab den gar nicht richtig getroffen", grinste Lutz später, "aber manchmal küsst dich der Fußballgott eben auf die Schnürsenkel." Trainer Foll Fosten vom Sievershäger SV, sonst eher der bedächtige Typ, reckte kurz die Faust und setzte sich wieder. "Wir wollten früh Druck machen, das hat funktioniert", sagte er hinterher mit norddeutscher Gelassenheit. Seine Elf presste nicht übermäßig, aber sie spielte schnörkellos - 55 Prozent Ballbesitz und 15 Torschüsse belegen, dass die Gäste das Geschehen kontrollierten. TuS Hordel hingegen stand meist dort, wo es wehtat: einen Schritt zu spät. Zwar mühten sich Ernst Kunkel und Tiago Valente im Angriff redlich, aber ihre Versuche blieben harmlos. Neun Hordeler Torschüsse, keiner mit echter Torgefahr - das ist in dieser Liga einfach zu wenig. In Minute 33 fiel das zweite Tor, und es war ein echtes Lehrbuchbeispiel für Zusammenspiel. Charles Reid, der 34-jährige Routinier, steckte elegant durch auf den erst 18-jährigen Phillip Baumann. Der blieb eiskalt und schob zum 0:2 ein. "Charles hat mir vorher gesagt: ’Lauf einfach rein, ich finde dich’ - und genau so war’s", erzählte Baumann später, noch mit roten Wangen, aber leuchtenden Augen. Das 0:3 kurz vor der Pause war dann die endgültige Entscheidung - und eine kleine Demütigung für Hordel. Marco Langer, nominell Rechtsverteidiger, stürmte nach vorn, bekam den Ball von Baumann und drosch ihn ansatzlos ins lange Eck (45.). "Ich dachte, ich probier’s einfach mal", lachte Langer. "Normalerweise krieg ich da Ärger vom Coach, aber heute durfte ich wohl." Hordel-Trainerin Ute Finkeldy konnte einem fast leidtun. Noch vor dem Halbzeitpfiff hatte sie den Kopf in die Hände gelegt, nach dem Wiederanpfiff gleich dreimal gewechselt - Albinana, Peltonen und Runge kamen -, doch der Impuls blieb aus. "Wir wollten Impulse setzen", erklärte sie mit gequältem Lächeln. "Leider waren’s eher Funken als Flammen." Die zweite Halbzeit plätscherte dahin, als hätten sich beide Teams auf eine Art Waffenstillstand geeinigt. Sievershagen verwaltete souverän, Hordel rannte, biss, kämpfte - und bekam dafür immerhin zwei Gelbe Karten. Detlev Foerster (61.) und Günther Pfeiffer (80.) hielten die Fahne des Widerstands hoch, wenn auch eher körperlich als spielerisch. "Ich hab ihm ja nur gesagt, dass er nett grätschen soll", meinte Foerster über seinen Platznachbarn Pfeiffer mit einem Grinsen. "Er hat’s wohl zu wörtlich genommen." Ab und zu blitzte Hordels Wille auf - etwa in der 84. Minute, als Ernst Kunkel noch einmal abzog und Alexandre Tremblay im Sievershäger Tor sich lang machen musste. Doch selbst dieser Ball wollte nicht rein. Tremblay, der kanadische Schlussmann, blieb unbezwungen und verließ den Platz mit makelloser Weste. Am Ende stand ein klarer, ja fast unaufgeregter 3:0-Erfolg der Gäste. Sievershagen spielte, als hätten sie einen Plan - Hordel kämpfte, als suchten sie ihn noch. "Wir sind in einer Lernphase", sagte Finkeldy nach dem Abpfiff. "Leider lernen wir momentan auf die harte Tour." Fosten dagegen zeigte sich zufrieden, aber nicht euphorisch: "Das war solide. Mehr wollten wir gar nicht. Vielleicht beim nächsten Mal ein bisschen mehr Spaß, aber drei Punkte sind drei Punkte." Das Publikum verabschiedete die Teams mit höflichem Applaus - und vielleicht auch mit einem stillen Stoßseufzer: Möge Hordel bald wieder treffen. Denn Fußball lebt ja bekanntlich vom Toreschießen - und nicht vom Zuschauen, wie der Gegner das tut. Fazit des Abends: Sievershäger SV in Galaform, Hordel auf der Suche nach dem Lichtschalter. Wenn man es positiv sehen will: Schlechter kann’s kaum laufen, also kann’s nur besser werden. Und vielleicht, ganz vielleicht, wird man in Hordel bald wieder jubeln - über ein Tor, das mehr als nur Hoffnung bringt. 25.05.643987 04:45 |
Sprücheklopfer
Der Trainer wird uns schon auf den Boden zurückholen. Morgen wird es den längsten Waldlauf der Geschichte geben!
Jan-Aage Fjörtoft bei Eintracht Frankfurt unter Felix Magath nach einem 4:0-Sieg