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Spektakel in Forst: 3:3 - sechs Tore, null Langeweile

Wenn ein Montagabendspiel der 2. Liga mit einem 3:3 endet, weiß man: Das war kein gemütliches Dahindümpeln, sondern eine 90-minütige Achterbahnfahrt. Der SC Forst und der Hamburger SC schenkten sich am 18. Spieltag nichts - außer vielleicht gegenseitig drei Tore. Vor 22.112 Zuschauern wurde das Stadion zur Bühne für Drama, Tempo und ein bisschen Slapstick.

Es begann verheißungsvoll für die Gastgeber. Bereits in der 19. Minute ließ Sergi Assis seine rechte Seite glühen, zog nach innen und hämmerte den Ball nach Vorarbeit von Age Bergdolmo unter die Latte - 1:0. Der Jubel? Lautstark, aber mit der leisen Ahnung, dass das nicht das letzte Tor des Abends sein würde. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Assis später. "Wenn ich nachdenke, schieße ich daneben."

Bis zur Pause blieb Forst tonangebend, ohne das Ergebnis auszubauen. 51 Prozent Ballbesitz, 13 Torschüsse - die Statistik zeigte ein leichtes Übergewicht, aber der SC wirkte, als hätte er Angst, zu früh zu glänzen. Trainer Marius Groß meinte nach dem Spiel trocken: "Wir sind eben höflich. Wir wollten den Hamburgern auch was vom Ball gönnen."

Nach dem Seitenwechsel überschlugen sich die Ereignisse: In der 52. Minute erhöhte Ewan Duff nach sehenswerter Kombination über Bergdolmo auf 2:0. Das Stadion vibrierte, Bierbecher flogen - diesmal vor Freude. Doch wer glaubte, das Spiel sei entschieden, hat die Abwehrreihen beider Teams noch nicht kennengelernt.

Hamburgs Leandro Postiga, bis dahin unauffällig, drehte plötzlich auf. In der 59. Minute versenkte er den Ball nach feinem Zuspiel von Sandor Feldmann zum 2:1. "Ich wusste, irgendwann trifft er mal das Tor - er hatte ja genug geübt", murmelte HSC-Coach Bernd Happel später mit einem Augenzwinkern, nachdem Postiga zuvor schon dreimal an Forsts Keeper Perez gescheitert war.

Und dann kam die Phase, in der die Defensive des SC Forst kollektiv die Lichter ausknipste. Zuerst glich Tzipi Berkovic in der 72. Minute mit einem satten Linksschuss aus, nachdem Innenverteidiger Celalettin Korkut den Ball wie ein Spielmacher in den Strafraum chipte. Zwei Minuten später schlug Forst aber sofort zurück: Wieder Sergi Assis, diesmal nach Vorarbeit von Janek Fuhl. 3:2 - das Stadion bebte erneut.

Doch Hamburg wäre nicht Hamburg, wenn es nicht auch im Chaos noch ein Tor finden würde. In der 86. Minute, als die Forster Fans bereits mit dem Abpfiff rechneten, kam der eingewechselte Asger Vinther nach Vorarbeit des jungen Aaron Cascarino zum Ausgleich. 3:3, Endstand. "Ich hab einfach die Augen zugemacht und gehofft, dass er reingeht", gestand Vinther lachend. Hoffnung erfüllt.

Die letzten Minuten waren dann eine Mischung aus Verzweiflung und Verwirrung. Forst suchte den vierten Treffer, hatte durch Hiliard und Fuhl noch gute Chancen (81. und 82.), aber der Ball wollte nicht mehr rein. Stattdessen kassierten die Gastgeber noch zwei Gelbe Karten: Giorgio Mancuso (68.) wegen Meckerns, Janek Fuhl (70.) wegen einer Grätsche, die man wohlwollend als "ambitioniert" beschreiben kann.

Das taktische Bild? Forst spielte von Anfang bis Ende offensiv, fast trotzig offensiv - Pressing? Fehlanzeige. Hamburg agierte dagegen eher kontrolliert, schaltete aber in der Schlussphase in den Angriffsmodus. Am Ende standen beide bei 13 Schüssen aufs Tor - ein Sinnbild für die Ausgeglichenheit dieses wilden Abends.

Trainer Happel fasste es zusammen: "Manchmal ist ein Punkt mehr wert als drei. Heute war’s so ein Spiel - wir haben Moral gezeigt, und keiner ist verletzt." Forsts Marius Groß hingegen wirkte zwischen Resignation und Galgenhumor: "Wir trainieren jetzt einfach mal Verteidigen. Nur so, zum Spaß."

Das Publikum verabschiedete beide Teams mit Applaus - wohl auch, weil niemand Zeit hatte, sich über irgendetwas zu ärgern. Wer sechs Tore zu sehen bekommt, verzeiht fast alles.

Und so blieb das Gefühl, dass an diesem frostigen Januarabend in Forst zwar kein Sieger gefunden wurde, aber zwei Mannschaften auf charmante Weise bewiesen, dass Fußball manchmal am schönsten ist, wenn er völlig unvernünftig ist.

Schlusswort? Vielleicht dieses: Wer 3:3 spielt, hat weder verloren noch gewonnen - aber ganz sicher etwas erlebt.

15.08.643987 11:05
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Vielleicht ist ja jemand aus der Uwe-Seeler-Traditionself dabei.
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