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Ein kalter Januarabend, Flutlicht, 45.352 Fans im Stadion - und ein SV Beuel, der an diesem 12. Spieltag der 1. Liga Deutschland richtig Lust auf Fußball hatte. Mit einem klaren 3:0 schickten die Männer von Trainer Rene Kuhl den tapferen, aber überforderten Gast Germania Ilmenau zurück in den Thüringer Winter. Bailey Galbraith avancierte dabei zum Mann des Abends, Michel Herrero setzte den Schlusspunkt - und Ilmenau verstand wohl selbst am Ende nicht, wie sie so leer ausgegangen waren. Schon in den ersten Minuten deutete sich an, wohin die Reise gehen würde. Beuel spielte kontrolliert, mit 56 Prozent Ballbesitz und einem gepflegten Kurzpassspiel, das an diesem Abend fast so geschmeidig lief wie der Glühwein im VIP-Bereich. Ilmenau versuchte es forsch, offensiv eingestellt, doch aus den neun Torschüssen wurde - nun ja - kein Treffer, sondern meist Futter für den Fangzaun hinter Keeper Jay Reid. In der 22. Minute fiel dann, was sich längst angebahnt hatte: Jorge Albacar flankte präzise, Bailey Galbraith stieg höher als alle anderen und köpfte den Ball unhaltbar in die Maschen. 1:0 - und ein Torjubel, der eher an einen Tanzkurs erinnerte als an Bundesliga. "Ich wollte eigentlich nur nicht ausrutschen", lachte Galbraith nach dem Spiel, "aber die Jungs sagen jetzt, ich soll das immer so machen." Ilmenau kämpfte tapfer, und Sven Adler probierte es gleich mehrmals, doch sein Abschluss war so harmlos, dass selbst die Balljungen kurz gähnten. Trainer Thorben Hartung konnte einem fast leidtun: "Wir haben offensiv gespielt, aber irgendwie war keiner offensiv genug, um aufs Tor zu schießen." Nach der Pause kam Beuel mit breiter Brust zurück. Kuhl hatte die Taktik leicht nach vorne geschoben - offensiver, mutiger, ja fast schon gierig nach dem zweiten Treffer. Und prompt klingelte es erneut: In der 53. Minute legte Michel Herrero clever quer, Galbraith stand goldrichtig und vollendete trocken zum 2:0. Ilmenau wirkte kurz wie eingefroren - und das nicht wegen der Temperaturen. "Da haben wir kurz den Stecker gezogen bekommen", gab Hartung später zu. "Und dann war’s schwer, wieder einzustecken." Beuel ließ nicht locker. Die Angriffe rollten im Minutentakt, Julian Teixeira peitschte von hinten an, Hrvoje Puljiz prüfte den Keeper, und selbst Linksverteidiger Max McGeady holte sich noch eine Gelbe Karte, weil er offenbar zu viel Energie übrig hatte. "Ich wollte nur zeigen, dass ich auch noch da bin", grinste er nachher in der Mixed Zone. Als Michel Herrero in der 81. Minute nach Vorarbeit von Teixeira das 3:0 markierte, war der Drops gelutscht. Ein Schuss, so präzise wie ein Uhrwerk, und das Stadion tobte. Trainer Kuhl war danach fast schon stolz väterlich: "Michel trainiert Freistöße wie andere Leute Kaffee kochen - mit Routine und Geduld. Heute hat’s sich ausgezahlt." Ilmenau versuchte es bis zum Schluss, schoss in der 90. Minute sogar noch zweimal aufs Tor - aber das Spiel hatte sich längst entschieden. Als der Schlusspfiff kam, applaudierten auch viele Gästefans. Schließlich hatten sie ein faires Spiel gesehen, in dem Beuel einfach effektiver war. Statistisch war’s eindeutig: 15 Torschüsse für Beuel, 9 für Ilmenau, dazu 52 Prozent gewonnene Zweikämpfe für die Hausherren. Zwei Gelbe Karten für Beuel, keine für die Gäste - also zumindest an der Fairness lag’s nicht, dass Germania leer ausging. Nach dem Spiel standen die Beueler Spieler noch lange auf dem Rasen, klatschten mit den Fans ab. Galbraith wurde gefeiert, Herrero grinste zufrieden, und Trainer Kuhl sagte augenzwinkernd: "Wenn wir weiter so spielen, muss ich mir bald Gedanken machen, wie ich die Jungs wieder einbremse - sonst läuft’s zu gut." Und Ilmenau? Hartung fasste es trocken zusammen: "Wir sind heute gegen eine Mannschaft gelaufen, die einfach einen besseren Tag hatte. Nächste Woche sieht das wieder anders aus - hoffe ich jedenfalls." Ein Abend, an dem Beuel nicht nur drei Punkte holte, sondern auch die Herzen der Fans erwärmte. Und während die letzten Zuschauer das Stadion verließen, rief ein kleiner Junge seinem Vater zu: "Papa, ich will auch so spielen wie der Galbraith!" - Worauf der nur antwortete: "Dann fang morgen früh mit Kopfballtraining an." Ein Spiel, das in Erinnerung bleibt - zumindest für alle, die blau-weiß tragen. 26.05.643987 10:57 |
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