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Wenn man in Beuel an diesem frostigen Januarabend die Stadionbeleuchtung sah, konnte man noch nicht ahnen, dass sich gleich ein kleiner Fußballsturm über die 40.125 Zuschauer ergießen würde. Am Ende stand ein 5:0 - und das Gefühl, dass der SV Beuel derzeit eher Operetten- als Abstiegskampf spielt. In der ersten Halbzeit allerdings war von Musik noch wenig zu hören. Beide Mannschaften tasteten sich ab, Beuel zwar mit leichtem Ballbesitzvorteil (51,5 Prozent), aber ohne echten Durchbruch. Der FC Marzahn, unter Trainer Frank Henning gewohnt kontrolliert, setzte auf Konter - theoretisch jedenfalls. Praktisch blieb es bei hübschen Ansätzen und langen Bällen, die irgendwo zwischen Seitenaus und Beuels Innenverteidigung verendeten. "Wir wollten erstmal sicher stehen", erklärte Henning hinterher mit stoischer Miene. "Hat 45 Minuten ja auch ganz gut geklappt." Danach lachte er kurz - man muss ihm zugutehalten, dass er Humor besitzt. Nach dem Seitenwechsel war es, als hätte Beuel-Trainer René Kuhl in der Kabine den Schalter umgelegt - oder einfach die Kaffeemaschine angeworfen. Zwei Minuten nach Wiederanpfiff zappelte der Ball erstmals im Netz: Mario Sousa, bis dahin eher als Flügelflitzer denn als Vollstrecker bekannt, traf in der 53. Minute nach klugem Zuspiel von Michel Herrero. Kaum hatte das Stadion den Torjubel verdaut, klingelte es erneut. Zwei Minuten später erhöhte Pascal Charpentier nach erneuter Vorarbeit von Herrero auf 2:0 - ein Doppelschlag, der Marzahn endgültig aus dem Konzept brachte. "Ich hab nur kurz geblinzelt, und schon stand’s 2:0", meinte Gästekeeper George Eliot später mit einem gequälten Grinsen. Beuel roch Blut. Trainer Kuhl ließ seine Offensive auf den Flügeln wirbeln, Sousa und Charpentier tanzten ihre Gegenspieler schwindlig, während vorne Bailey Galbraith lauerte wie eine Katze vorm Mauseloch. In der 75. Minute war es wieder Charpentier, der nach Vorlage des unermüdlichen Rechtsverteidigers Elof Anderson den Ball trocken ins linke Eck setzte - 3:0. "Das war genau der Laufweg, den wir trainiert haben", freute sich Kuhl später, "auch wenn ich ehrlich gesagt nicht dachte, dass Pascal den so perfekt hinbekommt." Charpentier konterte lachend: "Trainer, ich überrasche Sie doch gern." Von Marzahn kam zu diesem Zeitpunkt gar nichts mehr. Die Wechsel - Santoro für Bytschkow, Valdes für Moritz - verpufften wirkungslos, während Beuel weiter das Gaspedal drückte. In der 79. Minute köpfte Galbraith nach einer butterweichen Flanke von Max McGeady zum 4:0 ein, und als Jose Galisteo sechs Minuten später noch den fünften Treffer drauflegte, stand das Stadion endgültig Kopf. Zwischendurch gab’s noch ein bisschen Farbe: Javier Albinana sah in der 83. Minute Gelb, vermutlich aus Langeweile. "Ich musste auch mal in die Statistik", scherzte der Innenverteidiger nach Spielende. Die nackten Zahlen unterstreichen das Bild: 18 Torschüsse für Beuel, gerade mal sieben für die Gäste. Und das, obwohl die Ballbesitzstatistik fast ausgeglichen wirkte. Der Unterschied lag in der Entschlossenheit - Beuel spielte "SURE", wie es im Taktikprotokoll heißt: klare Chancen herausarbeiten, dann eiskalt zuschlagen. Marzahn dagegen mit "WEAK" in Aggressivität und Einsatz - ein Codewort, das auf dem Platz wie eine Selbstbeschreibung wirkte. Trainer Henning war nach dem Schlusspfiff erstaunlich gelassen. "Klar, fünf Gegentore tun weh. Aber manchmal muss man einfach anerkennen, dass der Gegner besser war. Und Beuel war heute, sagen wir, erheblich besser." Rene Kuhl nahm’s sportlich und mit einem Augenzwinkern: "Ich hab der Mannschaft gesagt, sie soll’s ruhig angehen. Zum Glück hören sie selten auf mich." Als das Stadionlicht erlosch und die Fans noch immer sangen, schien der Winter plötzlich ein bisschen wärmer. Beuel hat an diesem Abend nicht nur drei Punkte, sondern auch jede Menge Selbstvertrauen gewonnen. Und wer so spielt, darf ruhig von mehr träumen - vielleicht nicht von der Meisterschaft, aber zumindest von weiteren launigen Fußballfesten. Oder, wie Michel Herrero beim Hinausgehen meinte: "Manchmal läuft’s einfach. Und manchmal läuft’s wie heute - sogar mit Stil." Ein Abend, der zeigt: Wenn Beuel loslegt, kann selbst ein kalter Januar glühen. 03.05.643987 09:55 |
Sprücheklopfer
Ich habe mir früher im Training Schienbeinschützer angezogen, weil ich wußte: Wenn der Franz 'Bulle' Roth sauer auf mich ist, dann fegt der mich auf die Aschenbahn. Das Training war für mich Überlebenskampf - und ich habe mich dabei wunderbar entwickelt.
Uli Hoeneß