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SV Beuel zerlegt Osnabrück mit 4:0 - Rodrigo zweimal, Osnabrück ratlos

Es war eine dieser Nächte, in denen auf den Rängen des Beueler Stadions selbst der Wurstverkäufer irgendwann das Zählen der Tore aufgab. 41.312 Zuschauer sahen, wie der SV Beuel am 3. Spieltag der 1. Liga Deutschland den VfL Osnabrück mit 4:0 nach Hause schickte - und das, ohne auch nur den Anschein zu erwecken, dass sie jemals in Gefahr geraten könnten.

Schon früh zeichnete sich ab, dass Osnabrück an diesem Abend eher das Opfer als der Gegner sein würde. Beuel spielte sich warm, kombinierte, drückte, lauerte. Bereits in der 6. Minute prüfte Pascal Charpentier den jungen Keeper Robert Paul mit einem satten Schuss, als wolle er sagen: "Mach dich bereit, Junge, das wird ein langer Abend."

Nach einer Viertelstunde war klar: Beuel hatte nicht nur mehr Ballbesitz (am Ende 59,5 Prozent), sondern auch schlicht mehr Lust auf Fußball. Ein Schussfestival rollte auf das Osnabrücker Tor zu, und in der 25. Minute platzte der Knoten: Michel Herrero, der elegante Regisseur im Mittelfeld, zog aus 20 Metern ab - 1:0! Jorge Albacar hatte den Ball mit einem butterweichen Pass vorbereitet. "Ich hab’ nur gesehen, dass Michel Platz hatte - und dann dachte ich: Bitte, Herrgott, hau ihn rein", grinste Albacar später.

Osnabrück reagierte - oder versuchte es zumindest. Doch nach 24 Minuten kam erst der Schock: Horst Ebert verletzte sich am Oberschenkel, musste runter. Trainer Carsten Baumann brachte Marco Richter, der sich sofort mit einem viel zu langen Einwurf vorstellte. Baumann zuckte später mit den Schultern: "Das war so ein Abend, da springt der Ball eben immer falsch."

Die zweite Halbzeit begann, wie die erste geendet hatte: mit Beuel am Ball. Nur zwei Minuten nach Wiederanpfiff erhöhte Leandro Rodrigo auf 2:0 (47.). Vorausgegangen war eine blitzsaubere Flanke von Rechtsverteidiger Elof Anderson, der an diesem Abend offenbar beschlossen hatte, als Flügelstürmer zu leben. "Ich wollte einfach mal sehen, wie’s da vorne aussieht", witzelte Anderson nach dem Spiel.

Osnabrück versuchte zwischendurch, durch aggressiveres Pressing etwas Druck aufzubauen - laut Taktikanalyse ab der 46. Minute sogar mit "Pressing: YES". Doch das "Ja" hielt nicht lange. Zu sicher und zu passgenau war Beuel, zu unkoordiniert die Gäste.

In der 63. Minute sah der junge Patrick Herrmann Gelb, nachdem er den enteilten Jose Galisteo per rustikaler Grätsche stoppte - man könnte sagen: ein Statement-Foul. Wenige Minuten später folgten weitere Verwarnungen für Heller (81.) und Hess (83.), der in der Nachspielzeit dann auch noch Gelb-Rot kassierte. Man hatte fast Mitleid: 19 Jahre alt, und schon lernst du, wie lang eine Nachspielzeit in Unterzahl sein kann.

Bevor es so weit war, durfte sich Pascal Charpentier noch in die Torschützenliste eintragen. In der 75. Minute legte Jürgen Michels ihm mustergültig auf - 3:0. Charpentier breitete die Arme aus, als wolle er die ganze Kurve umarmen. "Ich hab’ einfach draufgehalten", sagte er später bescheiden.

Doch der Schlusspunkt gehörte wieder Leandro Rodrigo. In der 87. Minute, nach erneutem Anderson-Zuspiel von rechts, traf der Argentinier mit einem feinen Schlenzer zum 4:0-Endstand. Ein perfektes Doppelpack, ein perfekter Abend.

Osnabrück kam in 90 Minuten auf ganze einen einzigen Torschuss - ein Versuch von Gustav Greiner in der 82. Minute, der eher eine höfliche Anmeldung beim Beueler Torhüter Jay Reid war. Der durfte sich danach die Hände abklopfen und zusehen, wie seine Vorderleute weiter zauberten.

"Wir haben heute alles umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben", bilanzierte SVB-Trainer Rene Kuhl, der entspannt in seiner Jacke steckte wie jemand, der schon in der 60. Minute wusste, dass das Ding durch ist. "Und wenn man sieht, wie die Jungs zusammenspielen - das macht einfach Spaß." Sein Gegenüber Baumann dagegen murmelte in die Mikrofone: "Wir haben heute Lehrgeld gezahlt. Vier Tore, vier Lektionen."

Die Statistik sprach ohnehin Bände: 17:1 Torschüsse, 59 Prozent Ballbesitz, 59 Prozent gewonnene Zweikämpfe. Die einzige Zahl, die Osnabrück wohl trösten dürfte, ist die der Zuschauer - denn immerhin sahen sie ein echtes Fußballfest, auch wenn es aus ihrer Sicht das falsche Team gefeiert hat.

Zum Schluss blieb nur die Frage, ob Beuel an diesem Abend wirklich so stark oder Osnabrück so schwach war. Wahrscheinlich beides. Der SV Beuel jedenfalls schoss sich mit diesem 4:0 nicht nur in die Herzen der Fans, sondern auch in die Spitzengruppe der Liga. Und irgendwo auf der Rückfahrt im Mannschaftsbus der Gäste sagte vermutlich jemand leise: "Immerhin - nächste Woche kann’s nur besser werden."

11.02.643987 08:52
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