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SV Rohrbach ringt den Bonner SC in einem wilden 3:2 nieder

Ein lauer Maiabend, 49.231 Zuschauer, Flutlichtglanz über Rohrbach - und ein Fußballspiel, das man so vermutlich auch in einer Achterbahn hätte austragen können. Der SV Rohrbach besiegt den Bonner SC mit 3:2 (1:1), und wer nach 90 Minuten noch wusste, wie viele Torschüsse er gesehen hatte, verdient ein Statistik-Diplom: 13 zu 13 laut offiziellem Zettel, also Gleichstand in der Quantität, aber Rohrbach hatte schlicht das bessere Timing.

"Ich glaub, wir haben heute den Begriff ’Nervenstärke’ neu definiert", grinste Rohrbachs Trainer Maik Kuntz nach dem Spiel, während er sich den Schweiß von der Stirn wischte. Und tatsächlich: Seine Mannschaft begann furios. Schon nach 16 Minuten war Joschua Kremer zur Stelle - wer sonst? Nach Vorarbeit von Hermann Hoffmann drosch der bullige Mittelstürmer den Ball unter die Latte. 1:0. Der Jubel im Stadion war so laut, dass die Stadionkatze vermutlich noch in der Nachbarsiedlung das Weite suchte.

Doch Bonn antwortete, wie man es von einem Team erwartet, das unter Lukas Teuber auf Offensive eingestellt ist. Über links ackerte Vincent Ludvigsen, flankte mit chirurgischer Präzision, und Yannick Van Moer köpfte in der 40. Minute zum 1:1-Ausgleich. "Die Flanke war so gut, die hätte ich selbst nicht halten wollen", brummte Rohrbachs Keeper Heinz Heise später selbstironisch.

Nach der Pause kam der SVR mit einer Mischung aus Wut und Witz zurück. Kaum hatte der Stadionsprecher die zweite Halbzeit angekündigt, da stand wieder Kremer im Mittelpunkt. In Minute 50 drückte er eine Hereingabe des 20-jährigen Innenverteidigers Bernd Hennig über die Linie - 2:1. Kuntz ballte die Fäuste, die Fans sangen, und Bonns Trainer Teuber gestikulierte wild an der Seitenlinie: "Wir haben ihn zweimal allein gelassen - das darf nicht passieren!", knurrte er später.

Aber Bonn wäre nicht Bonn, wenn sie sich einfach ergeben würden. In der 71. Minute, als Rohrbach gerade etwas zu gemütlich verteidigte, traf der erfahrene Cameron Prinsloo nach Vorarbeit von Freddie Hiliard zum 2:2. Der Gästeblock explodierte, und Teuber rief seinem Co-Trainer zu: "Sag ich doch, der Alte kann’s noch!" Prinsloo, 34, grinste nach dem Tor und meinte später: "Ich wollte eigentlich flanken. Aber wenn’s so reingeht, beschwer ich mich nicht."

Doch das letzte Wort hatte der SV Rohrbach - und was für eines. In der 78. Minute, als Bonn gerade alles nach vorne warf, kam Edvard Ali aus dem linken Mittelfeld angerauscht, spielte einen Doppelpass mit Hoffmann und schlenzte den Ball ins rechte Eck. 3:2. "Ich hab nur gedacht: Jetzt oder nie", sagte Ali anschließend. "Und dann war’s jetzt."

Die letzten Minuten waren ein einziges Herzklopfen. Bonn warf alles nach vorne, Trainer Teuber stellte auf volles Risiko um, brachte Claude Amyot für den müden Gutierrez, ließ sogar Innenverteidiger Simeri Crichi an der Mittellinie parken. Der bekam dann auch noch Gelb für ein rustikales Einsteigen in der 67. Minute - sinnbildlich für Bonns ungestüme Schlussphase. Rohrbach verteidigte mit allem, was Beine hatte, und wenn’s eng wurde, half auch mal der Pfosten oder das beherzte Eingreifen von Heise.

Statistisch war’s ein Duell auf Augenhöhe: Beide Teams mit 13 Torschüssen, Ballbesitz knapp 51 zu 49 Prozent für Rohrbach - also praktisch Gleichstand. Der Unterschied lag in der Effizienz und vielleicht im Heimvorteil. "Wir haben uns den Sieg einfach erarbeitet", sagte Kuntz, "auch wenn meine Nerven das nicht noch einmal aushalten."

Bonn wirkte nach dem Abpfiff geknickt, aber nicht gebrochen. "Wenn du auswärts drei Tore kassierst und trotzdem so spielst - dann weißt du, du bist auf dem richtigen Weg", meinte Trainer Teuber mit einem halb ironischen Lächeln. "Nur vielleicht sollten wir dem Kremer beim nächsten Mal eine persönliche Begleitung mitgeben."

Rohrbachs Fans feierten ihre Helden lange nach Spielende. Kremer wurde zum Mann des Abends gewählt, Hoffmann zum unsichtbaren Architekten des Spiels, und Edvard Ali durfte sich als Schlusspunkt-Setzer feiern lassen.

Zum Abschluss meinte ein älterer Rohrbach-Anhänger auf der Tribüne augenzwinkernd: "So ein Spiel ist schlecht fürs Herz - aber gut für die Tabelle." Besser kann man’s kaum sagen.

15.01.644000 11:16
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