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Ein Abend, an dem die 36.152 Zuschauer in Rohrbach alles bekamen, was ein Fußballspiel bieten kann: Leidenschaft, Gelbe Karten im Dreierpack und eine Lehrstunde in Geduld. Am Ende jubelte jedoch nur Eintracht Völlen, das nach einem 0:1-Pausenrückstand noch mit 2:1 gewann - und das ganz ohne Zauberei, sondern mit nüchterner Konsequenz und einem Hauch südamerikanischer Eleganz. Dabei hatte alles so gut begonnen für die Gastgeber. Rohrbachs Stürmer Kurt Roth, der Mann mit der Stollenfrisur und dem Selbstbewusstsein eines Mittelstürmers aus den 90ern, traf in der 39. Minute nach feiner Vorarbeit von Juergen Busch zum 1:0. Ein klassischer Rohrbacher Treffer - direkt, schnörkellos, ein bisschen trotzig. "Ich hab einfach mal draufgehauen", grinste Roth später in der Mixed Zone. "Und diesmal ist er nicht auf der Tribüne gelandet." Trainer Maik Kuntz, der an der Seitenlinie schon vor dem Anpfiff so wirkte, als wolle er selbst gleich eingewechselt werden, ballte beide Fäuste. Rohrbach spielte mutig, mit offensiver Ausrichtung und ordentlich Pressing. In den Statistiken stand es zur Pause zwar 50:50 beim Ballbesitz, doch das Momentum gehörte den Gastgebern. Aber dann kam die zweite Halbzeit - und mit ihr Völlens südamerikanisch inspirierte Flügelzange. In der 51. Minute kombinierte sich der quirlige Joris Manser auf links durch, legte quer auf Juanito Coelho, und der drückte den Ball überlegt ins Netz. "Wir wussten, wenn wir ruhig bleiben, kommt unser Moment", sagte Coelho später mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Demut und Schadenfreude lag. Rohrbachs Abwehr, die bis dahin solide stand, wirkte plötzlich fahrig. Die Aggressivität, die Kuntz’ Mannschaft in der ersten Halbzeit ausgezeichnet hatte, wurde zum Bumerang. Innerhalb weniger Minuten kassierte man zwei Gelbe Karten - Tobias Decker (60.) und Hermann Hoffmann (64.) - und verlor die Kontrolle über das Mittelfeld. Und dann, in der 62. Minute, schlug Völlen erneut zu. Wieder über den linken Flügel, wieder mit Tempo. Diesmal war es Lewis Preston, der nach Vorarbeit von Jakub Licka eiskalt vollstreckte. 1:2 - und die rund 500 mitgereisten Völlen-Fans sangen sich in Ekstase. Rohrbach versuchte es danach mit Wut und Wechseln. Kuntz brachte nacheinander Kremer, Jaeger und die halbe Ersatzbank. Doch wer in der 76. Minute den jungen Markus Jaeger kommen sah, ahnte: Hier sollte noch einmal frischer Wind rein - ob er nun stürmt oder stolpert, war egal. Und tatsächlich, die Schlussphase gehörte wieder Rohrbach. Roth hatte in der 71. Minute eine gute Gelegenheit, aber Völlens Keeper Karsten Lange (nicht zu verwechseln mit einem Seifenoperndarsteller gleichen Namens) parierte glänzend. Kurz vor Schluss versuchte es noch Georg Johansson aus spitzem Winkel (88.), aber der Ball rauschte knapp vorbei. "Wir haben nach dem Rückstand endlich Fußball gespielt", analysierte Völlen-Coach Dennis Hees nüchtern. "Vorher war’s eher eine Mischung aus Slapstick und Standfußball." Sein Gegenüber Kuntz sah das naturgemäß anders: "Wenn du 45 Minuten führst und dann die Ordnung verlierst, ist das bitter. Vielleicht waren wir zu heiß." Statistisch betrachtet war’s ein enges Ding: 50,3 Prozent Ballbesitz für Rohrbach, 49,7 für Völlen. Die Gäste schossen allerdings doppelt so oft aufs Tor (12 zu 6) und gewannen mehr Zweikämpfe (53 zu 47 Prozent). In den Katakomben des Stadions hallte lange noch das gemurmelte "Wenn der Roth den in der 71. macht..." durch die Betonwände. Doch Fußball kennt kein Wenn. Nur Tore zählen - und davon hatte Eintracht Völlen eben eins mehr. Rohrbach bleibt damit in dieser Saison weiter auf der Suche nach Konstanz. Völlen dagegen bestätigt seinen Aufwärtstrend und klettert in der Tabelle weiter nach oben. "Wir sind noch lange nicht da, wo wir hinwollen", sagte Doppeltorschütze Coelho beim Hinausgehen. "Aber wenigstens wissen wir jetzt wieder, wo das Tor steht." Und während die Flutlichtmasten langsam erloschen, blieb in Rohrbach nur die Erkenntnis: Wer zwei Halbzeiten Fußball spielen will, sollte in der zweiten nicht vergessen, dass das Spiel weitergeht. 03.05.643987 08:04 |
Sprücheklopfer
Ich werde mir eine Schaf-Farm in Neuseeland kaufen und Schafswurst herstellen, um sie nach Bayern zu exportieren. Nee, mal im Ernst, was für eine blöde Frage ist das? Wie denkt man sich solche Fragen aus? Gibt man sein Hirn schon vor oder erst nach dem Journalistikstudium ab?
Peter Neururer auf die Frage nach seinen Plänen nach dem geschafften Wiederaufstieg in die Bundesliga: