// Startseite
| Sportexpress |
| +++ Sportzeitung für Deutschland +++ |
|
|
|
Es war einer dieser Abende, an denen der Fußball seine grausame Seite zeigte. 24.676 Zuschauer im Steudener Stadion sahen einen Gastgeber, der alles gab, und eine Jenaer Mannschaft, die mit gefühlter Seelenruhe drei Torschüsse in zwei Tore verwandelte. Am Ende stand ein 1:2 (1:2) - und das Gefühl, dass die Statistik manchmal lügt wie ein Politiker im Wahlkampf. Die Geschichte des Spiels begann furios: Schon in der 5. Minute zappelte der Ball im Netz der Gäste. Carl Barros, der rechte Mittelfeldmann mit der Lunge eines Marathonläufers, traf nach Vorarbeit von Dirk Schuster ins lange Eck. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", lachte Barros später, "aber wenn er schon mal da ist, kann man ihn ja auch reinschieben." Die Fans jubelten, Bierbecher flogen - alles sah nach einem entspannten Fußballabend für Trainer Karli Konter aus. Doch wer Jena kennt, weiß: Die Thüringer sind wie dieser Bekannte, der nie eingeladen ist, aber trotzdem zur Party erscheint - und dann auch noch den besten Kuchen mitbringt. In der 27. Minute nutzte der 19-jährige Stefan Raab (nein, nicht der Moderator) seine erste Chance eiskalt. Nach feinem Zuspiel von Harold Sutphen schob er abgeklärt zum 1:1 ein. Es war der erste richtige Angriff der Gäste - und gleich der Ausgleich. Steuden reagierte mit wütenden Angriffen, 59,8 Prozent Ballbesitz, 13 Schüsse aufs Tor - aber Jena blieb cool, fast provokant gelassen. Und als sich alle schon auf den Halbzeittee freuten, passierte das Unvermeidliche: Der junge Niclas Jacobs, gerade 18 und vermutlich noch im Besitz einer Schülerfahrkarte, traf in der 43. Minute nach Vorlage von Mike Schulte zum 1:2. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste der Nachwuchsstar. "Unser Trainer sagt immer: Wenn du nicht schießt, triffst du auch nicht." In der Pause sah man Karli Konter mit verschränkten Armen und einem Blick, der irgendwo zwischen Wut und Fassungslosigkeit pendelte. "Wir machen das Spiel, und die machen die Tore", knurrte er. "Das ist wie beim Lotto - nur dass wir die falschen Zahlen getippt haben." Die zweite Halbzeit begann mit einem Paukenschlag - allerdings keinem, den die Jenaer Fans mochten: Rechtsverteidiger David Stefan sah in der 46. Minute Rot nach einem übermotivierten Einsteigen, das selbst in einem Rugbyspiel für Aufsehen gesorgt hätte. Von da an spielte Jena zu zehnt, und Steuden witterte Morgenluft. Doch die Gäste stellten einfach auf Beton um - und was für einen! Jenas Trainer Martin Wegner grinste nach dem Spiel: "Wir haben dann das gemacht, was man in Unterzahl so macht - gebetet, geblockt, gekämpft." Und tatsächlich, trotz drückender Überlegenheit, trotz Chancen am Fließband für Maximilian Weis, Kevin Reimann und Co., blieb das Tor der Gäste wie vernagelt. In der 75. Minute zirkelte Weis den Ball an die Latte, in der 84. scheiterte Reimann allein vor Keeper Günther Wegener - und in der 95. Minute drosch Weis noch einmal drauf, als hätte er persönlich etwas gegen das Tornetz. "Wenn wir noch zehn Minuten länger gespielt hätten, hätten wir vielleicht das Stadion getroffen", witzelte er hinterher. Die Gelben Karten für Julius Peters (53.) und Matthias Kraft (87.) waren am Ende nur Fußnoten in einem Spiel, das Steuden trotz aller Statistikherrschaft verlor. 13:3 Torschüsse, 60 Prozent Ballbesitz, bessere Zweikampfquote - und trotzdem null Punkte. Jena dagegen feierte ausgelassen. "Manchmal muss man gar nicht schön spielen, um zu gewinnen", meinte Trainer Wegner mit einem Augenzwinkern. "Heute haben wir das eindrucksvoll bewiesen. Effektivität schlägt Ästhetik." Für Steuden bleibt die Erkenntnis, dass Fußball kein Gerechtigkeitsfanatiker ist. Karli Konter fasste es so zusammen: "Wir hatten eigentlich alles im Griff - außer das Ergebnis." Dann drehte er sich um, schüttelte den Kopf und verschwand in den Katakomben. Und während die letzten Fans noch diskutierten, ob man aus 13 Chancen nicht wenigstens zwei Tore machen müsse, sang der Jenaer Anhang im Gästeblock schon vom Aufstieg. Sarkastisch könnte man sagen: Wer so effizient trifft, hat den Himmel - und die 2. Liga - auf seiner Seite. Am Ende bleibt ein Spiel, das zeigt, warum wir Fußball lieben: Weil es manchmal einfach keine Logik hat. 22.09.643999 21:19 |
Sprücheklopfer
Wenn das Handy klingelt, kann man aus dem Bus aussteigen - und wir fahren weiter. Der hat ja ein Handy und kann sich ein Taxi rufen.
Werner Lorant über das Handyverbot bei München 1860