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Es war einer dieser lauen Juniabende an der Ostsee, an denen der Ball einfach lieber rollt. 26.117 Zuschauer im Warnemünder Ostseestadion bekamen beim 4:2‑Heimsieg des SVW gegen den TuS Hordel alles geboten, was ein Zweitligaspiel so braucht: sechs Tore, vier Gelbe Karten, eine Verletzung, und viel jugendlichen Übermut auf beiden Seiten. Schon in der 13. Minute bebte die alte Holztribüne, als der 20‑jährige Helmut Heise den Ball trocken ins lange Eck drosch. "Ich hab einfach abgezogen. Der Trainer sagt immer, wer zögert, trifft den Pfosten - ich hab mal auf ihn gehört", grinste Heise später. Coach Horst Horstmann, der an diesem Abend ebenso viele Gesten wie Anweisungen zeigte, nickte nur zufrieden: "Der Junge hat’s verstanden. Mut schlägt Mathematik." Doch die Freude währte kurz. Zehn Minuten später glich Hordels Nachwuchsstar Joel Schumacher (18) nach feinem Zuspiel von Altmeister Gunborg Brun aus. Ein Tor, das Warnemündes Abwehrchef Raphael Wilke sichtbar ärgerte - seine Gelbe Karte in Minute 21 war symptomatisch für die wacklige Defensive zu jener Phase. "Ich wollte eigentlich nur den Ball treffen", murmelte Wilke, "aber der Ball war schneller weg als gedacht." Zur Pause stand es 1:1 - und die Statistiker zückten schon die Notizblöcke: Mehr Ballbesitz für Hordel (51 Prozent), mehr Zug zum Tor bei Warnemünde (17:7 Schüsse). Zahlen, die wie so oft wenig über den Unterhaltungswert sagten. Nach dem Seitenwechsel drehte sich das Spiel in eine klare Richtung: auf das Tor von Hordel‑Keeper Karl Westphal. Kaum war die 48. Minute angebrochen, da traf der robuste Engländer Sean Grantham nach Vorlage von Sebastian Feldmann zum 2:1. Drei Minuten später legte der 18‑jährige Jacob Schulte nach - wieder war Feldmann der Vorbereiter. "Es war, als hätte jemand die Handbremse gelöst", beschrieb Grantham die Phase, "wir wollten einfach Spaß haben." Doch Hordel gab nicht auf. In der 58. Minute verkürzte Günther Pfeiffer nach einer erneuten Vorlage des agilen Gunborg Brun auf 3:2. Trainerin Ute Finkeldy sprang an der Seitenlinie auf, rief "Jetzt sind wir wieder drin!" - und für eine Weile stimmte das. Ihr Team spielte mutig nach vorn, blieb aber im Abschluss zu harmlos. Warnemünde antwortete in der 72. Minute - wieder durch Grantham, diesmal nach Vorarbeit von Florian Busch. 4:2, der Deckel war drauf. Kurz darauf sah Feldmann Gelb (69.) und Schulte gleich hinterher (70.), was Horstmann zu der trockenen Bemerkung verleitete: "Meine Jungs sammeln Karten wie andere Briefmarken - aber wenigstens mit Leidenschaft." In der Schlussphase wurde’s ruppig: Busch verletzte sich in der 86. Minute, musste raus, Jannick Ledig kam für ihn rein - und hatte in der Nachspielzeit sogar noch einen satten Schuss auf dem Fuß. "Ich wollte mich bedanken, dass ich überhaupt noch durfte", lachte Ledig später. Hordel mühte sich, presste spät, aber ohne Fortune. Der junge Lukas Römer (17) versuchte noch einen letzten Distanzschuss - weit vorbei. Die Gäste hatten viel Herz, aber zu wenig Präzision. Am Ende blieb die Erkenntnis: Warnemünde war effizienter, abgeklärter, vielleicht auch einfach in Urlaubsstimmung. Vier Tore bei leichtem Gegenwind - das nimmt man an der Küste gern mit. "Ich hab den Jungs gesagt: Wer heute verliert, darf morgen schwimmen gehen - aber ohne Ball", witzelte Horstmann auf der Pressekonferenz. Coach Finkeldy hingegen sah’s sportlich: "Wir haben Lehrgeld bezahlt. Wenn man mit fünf Spielern unter 19 Jahren antritt, muss man damit rechnen, dass man auch mal Lehrstunden bekommt." Die Fans verabschiedeten beide Teams mit Applaus, während die Sonne hinter der Ostsee versank. Ein Abend, an dem der Fußball wieder einmal zeigte, warum man ihn liebt - und warum Statistiken zwar lügen können, Tore aber nicht. Und irgendwo im Kabinengang soll Helmut Heise noch gesagt haben: "Wenn das so weitergeht, bestell ich mir schon mal Sonnencreme für die Bundesliga." Na dann, Prost aus Warnemünde. 29.06.644003 16:16 |
Sprücheklopfer
Jeder, der mich kennt und der mich reden gehört hat, weiß genau, dass ich bald englisch in sechs oder auch schon in vier Wochen so gut spreche und Interviews geben kann, die jeder Deutsche versteht.
Lothar Matthäus